„Mit der Angst umgehen können“

Johannes-Diakonie und weitere Einrichtungen informierten Besucher beim Tag der Seelischen Gesundheit

Mosbach. (al) Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit ‒ Angst kann im Körper viele Reaktionen hervorrufen. Und das ist gut so. Denn Angst ist ein gesundes Gefühl, weil sie den Menschen vor Gefahren bewahrt. Doch was ist, wenn die Angst ohne sachlichen Grund auftritt, wenn sie den Alltag des Menschen beherrscht, wenn sie zu einer psychischen Erkrankung wird? Über diese und andere Fragen konnten sich Interessierte beim Tag der seelischen Gesundheit im Mosbacher Rathaus informieren.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Johannes-Diakonie Mosbach und den weiteren Mitgliedern des Gemeindepsychiatrischen Verbundes sowie vom Bündnis gegen Depression im Neckar-Odenwald-Kreis. Gemeinsam informierten diese Einrichtungen in einem Ausstellungsraum über seelische Erkrankungen und gaben Auskunft zu ihren jeweiligen Angeboten. Das gemeinsame Ziel: den Austausch über psychische Störungen anregen, Betroffene und Angehörige informieren, Hemmschwellen und Tabus abbauen.

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Mosbachs Bürgermeister Michael Keilbach, die Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales im Neckar-Odenwald-Kreis, Renate Körber, und der Geschäftsbereichsleiter Gesundheit der Johannes-Diakonie, Alexander Straus, eröffneten einen informativen Nachmittag. „Die hier vertretenen Einrichtungen arbeiten am Menschen und für den Menschen. Dafür gebührt ihnen Dank“, sagte Keilbach. Renate Körber berichtete über die jüngsten Maßnahmen des Landkreises für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und deren Angehörige, wie etwa die Berufung eines unabhängigen Patientenfürsprechers oder die Einrichtung einer Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle.

Psychische Erkrankungen können jeden betreffen. So gesehen war das diesjährige Thema des Tages der Seelischen Gesundheit besonders bedeutsam. Denn: „Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen, aber es wird am wenigsten darüber gesprochen“, wie der Ärztliche Direktor der Diakonie-Klinik Mosbach und Chefarzt der dortigen Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Dr. Karsten Rudolf, erklärte. Dabei seien Angststörungen gerade bei Kindern und Jugendlichen gut heilbar, wenn sie früh erkannt werden. Wenn junge Menschen sich zurückziehen, scheinbar grundlos über körperliche Beschwerden klagen, Freunde und Schule meiden, dann könnte eine Angststörung vorliegen, warnte Rudolf.
Für die Behandlung von Angststörungen nannten die Referenten viele Möglichkeiten: Verhaltenstherapie, Medikamente oder auch tiefenpsychologische Methoden. Schwierig wird es, wenn Patienten aufgrund einer geistigen Behinderung nur eingeschränkt über ihre Beschwerden Auskunft geben können, wie der Chefarzt der Neuropsychiatrischen Klinik in der Diakonie-Klinik, Dr. Burkhard Lang, deutlich machte. Hier hilft häufig nur, die Patienten zu beobachten und Bezugspersonen wie Angehörige oder Betreuer zu befragen, um die Ursachen der Erkrankung herauszufinden.

Diese Gründe können bei behinderten wie nicht behinderten Menschen unterschiedlich sein: Veranlagung kann eine Rolle spielen, aber auch das familiäre Umfeld oder eine andere psychische Störung. Wichtig ist, dass umfassende Information die Behandlung begleitet, wie der Ärztliche Leiter des Zentrums für Psychische Gesundheit Neckar-Odenwald, Tobias Link, betonte. „Aufklärung ist wichtig, damit der Patient Vertrauen aufbaut und sich auf die Behandlung einlassen kann.“ Dabei gehe es nicht darum, frei von Angst zu werden, sondern darum, „mit der Angst umgehen zu können“.

Nicht nur die Referenten, auch die Zuhörer beteiligten sich aktiv an der Veranstaltung. Der Bedarf an betreuten Wohnangeboten für psychisch Erkrankte im Raum Mosbach wurde diskutiert, Fragen nach Diagnosemöglichkeiten gestellt, und auch Betroffene meldeten sich zu Wort. Das Ziel, den Austausch über psychische Erkrankungen anzuregen, wurde somit offenkundig erreicht.

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1 Kommentar

  1. Millionen haben eine Angststörung, aber niemand spricht darüber. Es ist wichtig, dass das Thema „Angststörung“ nicht tabuisiert wird. Dadurch wird es jungen Menschen vereinfacht, sich Hilfe zu holen.

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