Mit Werner Brix zum Burnout

Heilendes Kabarett in der Kulturkommode Osterburken

von Michael Pohl


(Foto: von Michael Pohl)
Osterburken. Ob es nun daran liegt, dass die Kabarettveranstaltungen der Kulturkommode Osterburken e.V. grundsätzlich sehr gut besucht sind oder ob der plakative Programmtitel des österreichischen Künstlers Werner Brix dazu beigetragen hat: die Alte Schule war wieder bis auf den letzten Platz ausverkauft.

„Mit Vollgas ins Burnout“ lautete das Motto des Abends und genauso rasant präsentierte Brix seine Rolle des zynischen Burnout-Junkies zwischen Disposition und Terminterror. Schnell werden die Zuhörer zum beobachtenden Therapeuten und der Darsteller zum hektisch-nervösen Patienten, rastlos angetrieben von der selbstgewählten Alltagsdroge „Zeitmangel“ und der unerträglichen Mittelmäßigkeit seiner Zeitgenossen.

Im ersten Programmteil bewies Werner Brix, warum er im deutschsprachigen Raum zu den besten Kabarettisten gezählt werden muss. Renommierte Auszeichnungen wie der Salzburger Stier und das Passauer Scharfrichterbeil belegen dies eindrucksvoll.

Ausgefeilte Mimik, treffsichere Gestik und eine gut pointierte Wortwahl unterstrichen die schauspielerische Meisterklasse des Kabarettisten. Flattriges Händezucken oder ein nervöser Schluckauf werden mit grandioser Leichtigkeit gespielt, niemals gleitet Brix ins Alberne ab, jede Nuance wird gekonnt ausgekostet.

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So bringen ihn die besorgten Anrufe seiner Mutter oder die dilettantischen Supportanfragen des EDV-Mitarbeiters sichtlich aus dem Konzept, für Mitleid und Gefühlsduseleien scheint kein Platz.

Schnell wird jedoch klar, dass die scheinbare Therapieresistenz nur einen bröckelnden Schutzmantel gegen die tiefe Sehnsucht nach Entschleunigung und Stressfreiheit darstellt. So legt dann Brix auch im zweiten Teil die Vollbremsung hin: Er bleibt in der Drehtüre des Megaplexx stecken und begibt sich inmitten des Supermarkttrubels in eine zweite, surreale Realität.

Halb Traum, halb Therapie, ist diese Zäsur der Beginn der Entschleunigung. Beinahe philosophische Überlegungen gepaart mit einiger Religionskritik fordern, wie es sich für klassisches Theaterkabarett gehört, ab diesem Zeitpunkt die volle Aufmerksamkeit des Publikums.

Da machen es sich einige Comedy-Kollegen mit ihrer bloßen Aneinanderreihung witziger Programmbausteine zuweilen wesentlich einfacher. Doch die Osterburkener Zuhörer sind längst ein geschultes Kabarettpublikum. In den beinahe 20 Jahren des Bestehens der Kulturkommode lud das Programmteam viele außergewöhnliche Kabarettisten nach Osterburken ein, so dass Werner Brix, der als seine künstlerischen Vorbilder gerne Jochen Malmsheimer oder Josef Harder nennt, keinerlei Probleme hatte, das Publikum auch im zweiten Teil an sich zu fesseln.

Allein, wer sich an diesem Abend hilfesuchend eine handfeste Lösung zur persönlichen Entschleunigung erwartet hat, musste erkennen, dass Brix‘ Kabarett die Menschen zuallererst zum Nachdenken anregt, ihnen im besten Sinne einen Spiegel vorhält und es in letzter Konsequenz dem Besucher selbst überlassen ist, mit der einen oder anderen Erkenntnis die Rückreise in den Alltag anzutreten.

Werner Brix zeigte an diesem Abend eindrucksvoll, dass auch tief in unserer Gesellschaft verwurzelte Problemthemen zeitlos als Kabarettstoff taugen. Wenn sich das Publikum dann auch noch so trefflich über die Umsetzung amüsiert, dann sei auch künftig die „heilende Wirkung“ des Kabaretts empfohlen, am besten im Kleinkunsttheater um die Ecke.

Infos im Internet:
www.kulturkommode.de

© www.NOKZEIT.de


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