Schicksal der „Knochenmänner“

Das Hammerlager in Mosbach – Buchpräsentation im NKG


Das „Hammerlager“ im Jahr 1945 (Stadtarchiv Mosbach)

Mosbach. (dr)  Dort, wo heute in Mosbach das Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) und die Pestalozzi-Realschule liegen, erstreckte sich seit den 40-er Jahren das sogenannte „Hammerlager“, begrenzt vom Hammerweg im Norden und der Elz im Süden.

In der kollektiven Erinnerung der Stadt spielt dieses Lager eine große Rolle, diente es doch eineinhalb Jahrzehnte als Wohnstätte für Heimatvertriebene deutscher Herkunft, meist Donauschwaben aus Ungarn. Im Jahr 2014 erhielt die Geschichts-AG des NKG für ihre Broschüre „Hammerlager – Jammerlager: 1946 und heute?“ eine Auszeichnung beim „Landespreis für Heimatforschung“.

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Praktisch unbekannt ist dagegen in Mosbach der Ursprung des Lagers: 1944/45 waren dort „SS-Strafgefangene“ untergebracht. Sie arbeiteten zwangsweise bei „Goldfisch“ in Obrigheim. Doch wer waren sie, wer verurteilte sie aus welchen Gründen, wegen welcher Vergehen ?
Vor zwei Jahren haben Dieter Genthner aus Leingarten und Arno Huth von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz dazu eine Recherche begonnen.

Was ursprünglich nur als Dokumentation über das „Hammerlager“ und seine Insassen geplant war, wuchs sich zu einem größeren Forschungsprojekt aus. Denn die beiden waren auf einen weißen Fleck in der Erforschung der NS-Geschichte gestoßen: die Sondergerichtsbarkeit der SS gegenüber den eigenen Mitgliedern bzw. Polizeiangehörigen.

Das SS-Straflager am Mosbacher Hammerweg erwies sich als Teil eines reichsweit nur wenige Standorte umfassenden Systems von äußerst brutalen Sonderlagern. Deren Insassen wurden häufig der „Fahnenflucht“ oder „Wehrkraftzersetzung“, aber auch vieler anderer Delikte beschuldigt – hier wurden oft Täter zu Opfern.

Das umfängliche Werk „Schicksal der ‚Knochenmänner‘ – Die Straflager Dachau, Danzig-Matzkau und Mosbach für verurteilte SS- und Polizeiangehörige/SS-Sondergerichtsbarkeit, Strafvollzug und Bewährung“ wird am Montag 21. November 2016 um 19 Uhr in der Lerninsel 1 des NKG (Zugang über den Haupteingang, Jean-de-la-Fontaine-Str. 6-10).vorgestellt.

Christine Eggers, Geschichtslehrerin am NKG, wird dabei kurz die bekannte Geschichte des Hammerlagers zusammenfassen, von dort richtet sich der Blick auf die unbekannte Vergangenheit.

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