Unterm Strich steht… eine „Zwischenbilanz“

Der Balsbacher Künstler Wilfried Georg Barber legt eine Autobiographie vor

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Summa summarum findet der Prozess des Schreibens, des Malens, des Lebens kein Ende. Foto: Ursula Brinkmann

Balsbach. (ubr) Dass einer, der die 70 überschritten hat, darüber nachdenkt, eine Lebensbilanz zu ziehen, erscheint schlüssig. Dass einer mit 75 eine „Zwischenbilanz“ zieht, macht stutzig – zunächst. Und inspiriert dann zum Weiterdenken: Da ist einer nicht am Schluss, nicht fertig, sondern da geht einer – nach einem Innehalten – weiter. „Eine Zwischenbilanz“ hat der Künstler Wilfried Georg Barber keck, entschlossen, fast ein wenig trotzig unter den Haupttitel seines Buches geschrieben, der lautet wie sein Malermotto: Malerei muss Summe sein.

An einem Ziel sei er heute angekommen, weiß Christel Heybrock im Vorwort über Barbers Schaffen zu sagen, aber noch lange nicht am Ende: Zwischenbilanz also. Wer von  e i n e m  erreichten Ziel spricht, sagt zugleich, dass er unterwegs immer wieder neue Ziele angesteuert und erreicht hat. Barber, der hier eine Zwischenbilanz zieht, hat das Wortwerk gegliedert, und weil er ein Farbenmensch ist, der sich auch der Mathematik bedient, versteht er die Kapitel als Farbsummanden. Aus den Summanden ergibt sich die Summe. Malerei muss Summe sein. Und zugleich führt jedes neu erreichte Ziel zu einer neuen Zwischenbilanz.

Die Kapitel beschrieben zugleich die Lebensstationen des gebürtigen Kölners. „Dunkelgrau“ ist es dort, braun, 1941, Krieg. „Hellgrau“ wird es mit der Schriftsetzer-Lehre, schon folgt „Blau“, „ein völlig neues Leben“ an der Werkschule, die erste Reise nach Italien, das erste Atelier. Sind die Farben seiner Lebenskapitel die Farben seiner jeweiligen Werke? “Das Bild ist auch immer der Spiegel meiner Lebenssituation.“

Die Blicke zurück, die Barber in knappe Sätze fasst, sie begegnen dem Leser auch in kleinen Portraits, mit denen die Kapitel abschließen; da schaut ein nachdenklicher, weißgelockter, schnauzbärtiger Herr nach links, schaut zurück auf die Jungs und Männer, die er einmal war – vom wach in die Kamera blickenden Volksschüler mit 50er-Jahre-Haartolle bis zum Doppelportrait am Schluss des hellgrünen Summanden. Barber als Spiegelbild. Sich selbst betrachtend? Dazu das Statement: „Malerei darf nicht Schema werden, sondern muss Reflexion des Lebens bleiben, eines Lebens von Erfahrungen und Entwicklungen.  Zwischenbilanz.

Aus dem Hier und Jetzt, dem Einst und Dort entspringen indes die kleinen Erzählungen, Betrachtungen, Erinnerungen, mit denen Barber die einzelnen Kapitel einleitet. Sie lassen die Leser ganz unmittelbar teilhaben am Leben und Wirken des Künstlers, am Entstehungsprozess von Bildern und Stationen, zeichnen den „Ruf des Pinsels“ nach. Als Zwischengang „serviert“ Barber einen „Arrosto alla Dina“ und schreibt auch das Rezept für italienischen Rinderschmorbraten in seine Autobiographie, die keine Künstlerbiographie wäre ohne die Bilder von Skizzen, Bildern und Plastiken.

Als der Künstler das vorläufig letzte Kapitel aufschlägt, die „hellgrüne“ Lebensstation in Balsbach, wird in einem kleinen Nebensatz deutlich, worin die Prozesshaftigkeit von Barbers Lebens- und Kunstprozessen besteht: „… und vermale mein immer neues Heute.“ Man merkt: hier ist einer angekommen, an einem vorläufigen Ort, in einem vorläufigen Zustand und doch nie am Ende. Zwischenbilanz.

Info: Wilfried Georg Barber: Malerei muss Summe sein, Folio-Editionen, 184 Seiten, 23,50 Euro, ISBN 978-3-00-054509-2.

Summa summarum findet der Prozess des Schreibens, des Malens, des Lebens kein Ende.  Foto: Ursula Brinkmann

Infos im Internet:
http://www.wilfried-georg-barber.de

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