Buchen: Elefantenattacke – PETA zahlt Belohnung

5.000 Euro an Augenzeugin – Zirkusangehörige nach entscheidendem Hinweis im Fokus der Ermittlungen


Elefantin Benjamin (damals „Baby“ genannt) bei Circus Luna (2011). (Foto: PETA)

(pm) Höchste Belohnung in PETAs Vereinsgeschichte ausgezahlt: Nach der Elefantenattacke im baden-württembergischen Buchen im Juni 2015, bei der ein Spaziergänger tödlich verletzt wurde (NZ berichtete), behaupteten Angehörige des Zirkus, Tierschützer hätten den Elefanten Benjamin („Baby“) freigelassen.

Noch im gleichen Monat setzte die Tierrechtsorganisation PETA eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für den entscheidenden Hinweis aus, der zur Aufklärung des Vorfalls beitragen würde.

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Mitglieder von Zirkusbetrieben beschuldigten in der Vergangenheit nach Tierausbrüchen immer wieder reflexartig Tierschützer, um von der eigenen Fahrlässigkeit abzulenken und den Tierschutz in Verruf zu bringen.

Nachdem die Polizei und die Staatsanwaltschaft Mosbach zunächst tatsächlich den Aussagen der Zirkusmitarbeiter glaubten und den Täter monatelang in den Reihen von Tierschützern suchten, brachte die Aussage einer Augenzeugin die Wende.

Eine Buchener Bürgerin beobachtete nur wenige Minuten vor der tödlichen Attacke, wie die Elefantendame in Begleitung einer augenscheinlich mit dem Tier vertrauten Person außerhalb des Zirkusgeländes umherlief. Diese Zeugenaussage verlagerte den Ermittlungsschwerpunkt auf die Zirkusangehörigen. Bei einer anschließenden Durchsuchung im Zirkus wurden die von der Zeugin beschriebenen Kleidungsstücke gefunden – dies erhärtete den Verdacht, dass der Elefant von einem Zirkusangehörigen „Gassi“ geführt und nicht „befreit“ wurde.

Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft Mosbach einen Strafbefehl in Höhe von 6.300 Euro gegen den Direktor des Circus Luna, weil er seiner Aufsichtspflicht nicht nachkam, die Haltung des Tieres unter Wahrung der Sicherheit zu organisieren. Der Strafbefehl des Amtsgerichts Mosbach wurde in Höhe von 3.150 Euro rechtskräftig.

Welcher der Zirkusangehörigen mit dem Elefanten spazieren ging und ihn unbeaufsichtigt stehen ließ, konnte die Staatsanwaltschaft letztlich nicht ermitteln. PETA zahlte der Zeugin nun die ausgelobte Belohnung von 5.000 Euro.

„Der Versuch der Luna-Angehörigen, Tierschützern die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist misslungen. Dass die Staatsanwaltschaft angesichts zahlreicher ähnlich fahrlässiger Vorfälle in diesem Zirkus überhaupt gegen Tierschützer ermittelt hat, ist allerdings unverständlich“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA.

Die Elefantendame Benjamin war im Juni 2015 in Buchen außerhalb des Zirkusgeländes unterwegs und traf rund 100 Meter entfernt auf einem Sportgelände auf das spätere Todesopfer, einen 65-jährigen Spaziergänger.

Der Elefant schlug zunächst mit dem Rüssel gegen den Mann, der daraufhin noch versuchte, wegzulaufen. Doch der Elefant verfolgte ihn und tötete ihn unter Einsatz der Stoßzähne und des rechten Vorderlaufes. Die Elefantendame wurde nach dem Vorfall in Buchen in den Safaripark Stukenbrock gebracht und hat sich problemlos in eine Gruppe mit drei Afrikanischen Elefanten integriert. Die tödliche Elefantenattacke fand eine schicksalsschwere Fortsetzung: Die Ehefrau des getöteten Mannes nahm sich einige Zeit nach dem Todesfall das Leben.

Einen weiteren Strafbefehl vom Amtsgericht Michelstadt in Höhe von 750 Euro erhielt der Zirkusdirektor 2016 auf Antrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen der zuvor mangelhaften Elefanten- und Bärenhaltung im Frühjahr 2015. Circus Luna steht schon lange in der Kritik von PETA. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation ist die schwer verhaltensgestörte Elefantendame Benjamin durch die jahrelange tierquälerische Haltung im Zirkus unberechenbar geworden. Schon seit 2012 warnt die Tierrechtsorganisation, dass Besucher bei den Vorstellungen ihr Leben riskieren und für Tierquälerei bezahlen. Damals erlitt ein 12-jähriger Junge in Burladingen einen Kieferbruch durch einen Rüsselschlag Benjamins. 2010 verlor ein Familienvater nach einer Attacke der Elefantin in Leutkirch eine Niere, sein Sohn wurde ebenfalls schwer verletzt. Zahlreiche weitere Beispiele für den fahrlässigen Umgang des Circus Luna mit seinen Tieren sind auf PETA.de/ChronikLuna aufgelistet.

Informationen im Internet:

PETA.de/CircusLuna

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4 Kommentare

  1. Ein solch unreflektierter, einseitiger Artikel verdient keinen Kommentar. Abschreiben aus einer Pressemitteilung von PETA reicht nicht aus.

    Was ist mit der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft, die das auch heute noch etwas anders sieht???

Kommentare sind deaktiviert.