„Tough Guys“ aus Schefflenz


Das erfolgreich Tough Guy-Team-SV Schefflenz vor dem mörderischen Lauf in Wolverhampton (Foto privat)

(tob) 18 km Kampfstrecke, im eiskalten Wasser tauchen, Stacheldraht bezwingen und auch brennende Heuballen besiegen – wer das schafft, darf sich einen wahren „Tough Guy“ also einen „harter Kerl“ nennen. Drei wagemutige aktive Fußballer der Seniorenmannschaft der Sportvereinigung Schefflenz haben sich der Herausforderung gestellt, haben hart an sich gearbeitet und sind im Tough Guy-Team SV Schefflenz an den Start gegangen.

Sie haben intensiv trainiert und sind nun stolze „harte Kerle“. Florian Kircher, Alex Wetterich und Robin Schober wurden in Schefflenz schon als verrückt und durchgeknallt bezeichnet und haben dennoch weiter trainiert. Und warum das Ganze?

Der „Tough Guy“, das härteste Hindernisrennen der Welt und findet jährlich Ende Januar in Wolverhampton, England, statt. Das ganz spezielle Rennen geht über eine Distanz von 18 km auf einem 150 Hektar großen Grundstück. Herzstück des Wettkampfs bilden die so genannten „Killing Fields“. Hierbei sind weitere 21 extrem anspruchsvolle Hindernisse zu überwinden.

Werbung
Die Teilnehmer müssen unter 50 cm hohem Stacheldraht durch Matsch robben, durch mit Wasser gefüllte Tunnel mit knapp einem Meter Umfang kriechen, unter einer Holzbrücke hindurch in eiskalten Tümpeln tauchen, auf zehn Meter Höhe klettern, sich aus drei Metern Höhe über einen See abseilen oder zwischen einem Elektrozaun durchkriechen.

Schließlich müssen die Teilnehmer über brennende Heuballen laufen. Das außergewöhnliche Rennen mit höchsten Anforderungen an Psyche und Physe der Teilnehmer wurde von Billy Wilson entwickelt, der früher Trainingscamps für Elitetruppen entwarf.

Und wie haben sich die harten Schefflenzer darauf vorbereitet? Durch intensives Training, unvorstellbaren Willen und durch ausgefallene Trainingsmethoden. Intensives Outdoor-Kraft- und Ausdauertraining für die vielen Hindernisse wurden mit Liegestütze, Sit-ups, auf und über Strohballen, über Baumstämme, Bergläufe, Treppen etc. in Angriff genommen.

Selbst Spielplätze wurden unsicher gemacht und zum Training missbraucht. „Flogge“ Kircher, Trainer und Motivator des Teams beschreibt das so: „Neben dem Vorbereiten auf die Distanz von 18 km Laufen stand das „sich-gewöhnen an extreme Verhältnisse“ im Vordergrund. Abtauchen im eiskalten Wasser, robben im Schnee und kaltem Matsch, durch beengte Tunnel-Rohre kriechen und vorzugsweise durch unebenes Gelände und Wälder laufen.“

Diese ungewöhnlichen Trainingsmethoden bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt waren sehr herausfordernd für die drei mutigen Schefflenzer. Nicht selten gefror ihnen nach dem Abtauchen im Wasser beim weiteren Lauftraining die Kleidung am Körper und kleine Frostbeulen waren vorprogrammiert. Danach waren stellenweise Arme und vor allem Finger und Zehen oft stundenlang ohne Gefühl.

In Wolverhampton angekommen, zeigte sich das Wetter dann typisch britisch. So hatte es glücklicherweise mit drei Grad Celsius sogar Plusgrade und einsetzenden Nieselregen. Torhüter Wetterich freute sich:“ Na super, es hat 3 Grad in England und damit immerhin 10 °C mehr als beim Trainieren im Schefflenzer Wald. Da könnte man fast in Flip-Flops laufen“.

Die Befürchtung, dass das größte Hindernis für ein Gelingen der herausfordernden Aktion der Pub-Besuch am Vorabend werden könnte, wurde leider wahr. Bei der ersten Disziplin im Pub zeigten die Schefflenzer leider keine Disziplin, so dass hier bereits erste konditionelle Federn gelassen wurden. Dennoch gingen die Drei nach kurzer Nacht am nächsten Tag voller Hoffnung, aber nicht in der allerbesten Verfassung ihre Herausforderung an.

Das Ambiente des verrückten Tough Guy-Rennens zeigte sich eindrucksvoll und überzeugte durch die grandiose Stimmung schon vor dem Rennen, als knapp 6.000 Menschen das Island „Huh“ lautstark zelebrierten und für Gänsehaut-Stimmung sorgten.

5.500 Läuferinnen und Läufer aus 42 Nationen waren gemeldet. Viele der Akteure überzeugten durch individuelle Kostüme und originelle Verkleidungen. Vom Wikinger, Indianer, Militarist bis zum Feuerwehrmann oder Eskimo waren die Läufertypen geprägt.

Beim Massenstart ging es gleich drunter und drüber und durch diverse Rauchbomben hindurch, wodurch Massenstürze vorprogrammiert waren. Obwohl viele der Teilnehmer auf Sieg oder zumindest auf die vorderen Plätze aus waren, war das Rennen jederzeit von Fairness und gegenseitiger Unterstützung geprägt.

Robin Schober, mit 19 Jahren der Jüngste im Tough Guy-Team SV Schefflenz meinte: „Ich war sehr überrascht wie hilfsbereit die Teilnehmer untereinander waren, einem mehrfach zum Weitermachen ermutigt haben und wie die Marshalls und natürlich auch die Zuschauer einem gepusht haben. Ohne diese mentale Unterstützung hätte ich das nicht geschafft.

Und vor allem die Gummibärchen waren super lecker.“ Der Teamspirit bei allen Teilnehmern wurde trotz Wettkampf an vielen Stellen deutlich. Vor allem an Hindernissen, wo es einfach mindestens einer zweiten Person bedarf, um zum Beispiel ein Höhe von über zwei Meter zu erklimmen.

Daneben setzte der Veranstalter sogenannte „Stewards“ ein, die ständig präsent waren und für Sicherheit sorgten. Sie unterstützten, feuerten an und achteten natürlich auch darauf, dass jeder die Regeln einhält.

Rückblickend auf den anstrengenden Lauf sind alle drei Schefflenzer erst einmal froh, ohne langandauernde Blessuren fast heil angekommen zu sein. „Bis man endlich zu den Killing Fields gelangt ist, ist man mit den Kräften schon ziemlich am Ende. Man läuft max. 100m ohne Hindernis und schon stehst Du vor der nächsten Herausforderung.

Das viele Laufen durch kniehohes Wasser in Tümpeln und über Schlammhügel kostet enorm viel Kraft. Dann die vielen Rohre, die ebenfalls bis weit über die Hälfte mit Wasser gefüllt waren. Und die eisige Kälte durch den permanenten Wasserkontakt und die komplette Nässe am Körper über die gesamte Distanz bringt einen permanent an den Rand des Unerträglichen. Alle Hindernisse zehren an den Kraftreserven – den Rest erledigt das kalte Wasser“, so die drei „Kämpfer“ uniso.

Trainer Flogge Kircher hat am Ende besonders die Leistung von Robin Schober hervorgehoben, der sich schon früh von Krämpfen geplagt trotzdem über den kompletten Parcours bis ins Ziel geschleppt hat.

Der diesjährige Lauf 2017 feierte sein 30-jähriges Jubiläum und war gleichzeitig der letzte Run zum Original „Tough Guy“. Von den 5.500 Teilnehmern kamen nur weniger als 3.500 Personen ins Ziel. Krankenwagen und sogar Helikopter waren dauerhaft im Einsatz und mussten Läufer wegen Erschöpfung oder extremer Unterkühlung abtransportieren.

Mit rund dreieinhalb Stunden Laufzeit konnten Robin Schober und Alex Wetterich bravurös die Plätze 1497 und 1563 erreichen. Florian Kircher schaffte eine absolut sensationelle Zeit von nur zwei Stunden und 16 Minuten, womit er sogar Platz 78 von knapp 3.500 Zieleinläufern am Ende erreichte.

Die drei Schefflenzer Tough-Guys haben mit persönlichem Einsatz weit über die erträglichen Grenzen hinaus ihre persönliche Herausforderung hervorragend gemeistert. Um eine authentische Meinung über die Jungs im Vorfeld zu erfahren, hier noch ein Zitat einer Schefflenzer Oma bei dem Anblick, wenn drei Männer in kurzen Hosen und T-Shirts im Januar bei Minus 9°C aus der Schefflenz durch den gefrorenen Schnee robben: „A do muss ma scho ganz schee verrickt sei!“

Gratulation und Hochachtung an die harten Kerle Florian Kircher, Alex Wetterich und Robin Schober!

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: