Mudau: Hauptschule vor dem Aus

Fehlende Schülerzahlen bringen Aufhebung im Jahr 2019 – Gemeindeverwaltung will um Schulstandort kämpfen – Erkundung der Altlastenverdachtsfläche „Sägewerk Link“ – 3,11 Hektar große Christbaum-Monokultur genehmigt


Die Mudauer Schule. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) „Die Hauptschule Mudau war in den letzten Jahrzehnten eine für die Gemeinde enorm wichtige Einrichtung und ein gern angenommenes Angebot für unsere Eltern zur schulischen Versorgung ihrer Kinder. Sie wurde gebraucht und gut besucht“, so Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger im Rahmen einer „nachdenklichen“ Gemeinderatssitzung, in der es als Wermutstropfen um die geplante Aufhebung der örtlichen Hauptschule ging.

Grundlage hierfür war eine schriftliche Information durch das Staatliche Schulamt Mannheim und das Regierungspräsidium Karlsruhe vom November des vergangenen Jahres. Hierbei wurde der Gemeinde Mudau mitgeteilt, dass ihre Schulart Hauptschule nachdem Schulgesetz wegen Nichterreichens der Mindestschülerzahl in zwei aufeinander folgenden Jahren aufzuheben sei. Die noch bestehenden Klassenstufen 7, 8 und 9 könnten aber bis zum Abschluss weitergeführt werden.

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Bevor das Regierungspräsidium aber eine endgültige Entscheidung trifft, gab man der Gemeinde die Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme. Hierbei drückte die Verwaltung nach Beauftragung durch den Gemeinderat ihr ausdrückliches Missfallen zu dieser Entwicklung aus und argumentierte auch mit einer Schwächung des ländlichen Raumes. Es würde eine Konzentration und Zentralisierung im Schulbereich mit der Entstehung von Schulzentren mit oft über 1.000 Schülern führen. Viele Schulen im ländlichen Raum würden daher dauerhaft untergenutzt sein oder als Schulgebäude ganz aufgegeben werden müssen.

Was man seit längerer Zeit befürchten musste, tritt nun aller Wahrscheinlichkeit nach zum Entsetzen aller Verantwortlichen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler ein. Obwohl die Gründe hierfür in einer zeitgeistlich begründeten Vielschichtigkeit zu suchen sind, wird der ländliche Raum wieder einmal als Erstes bluten müssen.

Bürgermeister Dr. Rippberger: „Das Hauptschulsterben hat in den letzten Jahren eingesetzt, an Fahrt aufgenommen und setzt sich flächendeckend fort, ohne dass wir es aufhalten können“. Die Verlagerung der Schülerströme schreite weiter voran, den Hauptschulen fehlen die Schüler, die Realschulen gewinnen welche dazu und die Gymnasien platzen aus allen Nähten. Parallel dazu wurden Gemeinschaftsschulen gegründet, die sich ebenso um die begrenzten Schülerzahlen reißen.

Diese Einführung, die Stärkung der Realschulen und die extreme politische Forderung nach einer hohen Akademikerquote hätten ein Übriges dazu getan, die Hauptschulen zu schwächen, so der Tenor der gemeindlichen Stellungnahme. Man habe enorme Summen investiert, um die Schule in Ordnung zu halten, was auch umgesetzt wurde und eine gute Ausbildung ermöglichte, betonte der Bürgermeister. Dennoch laufe es darauf hinaus, dass die Hauptschule politisch beerdigt wird.

In Vertretung von Schulleiter Jochen Schäfer hielt F. Grimm ein Plädoyer für „Ihre Schule“, die ganz offensichtlich von den weiterführenden Schulen und Ausbildungsstellen überaus respektiert werde. Man bedauert zutiefst, dass man die letzte Abschlussklasse voraussichtlich 2019 verabschieden wird.

Das Grundproblem sah das Gremium darin, dass die Hauptschule massiv schlecht geredet wurde, in Folge spüren das vor allem die Handwerksberufe. Die Gemeindeverwaltung versprach, sich in ihrem Schreiben an das Regierungspräsidium entsprechend deutlich und drastisch auszudrücken, damit so lange wie möglich viele Chancen in der Gemeinde verbleiben.

Nachdem in einer vergangenen Sitzung der Gemeinderat eine Globalberechnung im Rahmen der Wasserversorgungssatzung der Gemeinde beschlossen hatte, wurde nun mit Wirkung zum 01. März 2017 eine Neufassung der Wasserversorgungs- und der Abwassersatzung (Gebührenfestsetzung- und Kalkulation) beschlossen, die Rechnungsamtsleiter Gerd Mayer vorstellte.

In einem weiteren Tagungsordnungspunkt beschloss man eine Auftragsvergabe für die weitergehende Erkundung der „Altlastenverdachtsfläche“ auf dem ehemaligen Sägewerk Link in Mudau an die Firma AS Reutemann aus Mannheim zum Angebotspreis von 35.930 Euro. Wie die Verwaltung mitteilte, habe man vom Regierungspräsidium Karlsruhe zwischenzeitlich einen Förderbescheid über 40.000 Euro erhalten, so dass auch mögliche Zusatzkosten abgedeckt und kein Eigenanteil bei der Gemeinde verbleibe. Das Gelände des ehemaligen Sägewerks liegt im Sanierungsgebiet „Vorstadt/Amorbacher Straße“ und ist nach derzeitigem Kenntnisstand mit Altlasten behaftet.

Tenor des Gemeinderatsbeschlusses: „Die Gemeinde hat sowohl als Sanierungsträger als auch Versorgungsträger der Mudauer Wasserversorgung ein elementares Interesse an den Untersuchungsergebnissen“.

Bereits einer „Tradition“ folgend, musste sich der Gemeinderat auch in dieser Sitzung wieder einmal mit Anträgen für Aufforstungen von Weihnachtsbaumkulturen befassen. Hierbei ging es um den Antrag einer Privatperson auf drei Flächen mit insgesamt 3,11 Hektar Weihnachtsbaumkulturen anzulegen. Die Flächen befinden sich auf Waldauerbacher Gemarkung und wurden vom Gemeinderat nach Vorberatung durch den Ortschaftsrat genehmigt.


Das Sägewerk Link. (Foto: Liane Merkle)

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