Zugausfälle auf der Frankenbahn

Landrat mahnt mit Schreiben an Konzernbevollmächtigten Sven Hantel endlich umfassende und nachhaltige Verbesserungen an ** 

Mosbach. (lra) Fast täglich Verspätungen, zahlreiche Zugausfälle und daher massive, berechtigte Kundenbeschwerden: „Keinerlei Verständnis“ hat Landrat Dr. Achim Brötel für die aktuelle Situationen bei der so genannten Frankenbahn zwischen Stuttgart und Würzburg, aber auch für die immer noch stark gestörte Relation zwischen Mosbach und dem Raum Heilbronn/Stuttgart.

Dies machte er nun auch in einem Brief an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn (DB) für das Land Baden-Württemberg Sven Hantel deutlich: „Zugverbindungen im Nahverkehr müssen eine verlässliche Alternative zum Individualverkehr bieten. Deshalb fordere ich Sie erneut dazu auf, endlich für eine umfassende und nachhaltige Verbesserung zu sorgen“, heißt es in dem geharnischten Schreiben.

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Eine detaillierte Auflistung, wo es derzeit überall dringenden Nachbesserungsbedarf gibt, liefert Dr. Brötel in dem Brief auch gleich noch mit. So sorgten sowohl die Verkehre zu den Schulstandorten Adelsheim und Osterburken als auch die Verbindungen von Neckarelz beziehungsweise Osterburken über Heilbronn hinaus nach Stuttgart für erheblichen Verdruss. Als extrem unzuverlässig erweise sich die Regionalbahn 19142 von Bad Friedrichshall nach Osterburken.

Aufzeichnungen von Mitarbeitern des Landratsamtes zeigten, dass diese Bahn allein im Januar an 17 Schultagen durchschnittlich fast 11 Minuten Verspätung gehabt habe, ein Mal sei die Verbindung komplett ausgefallen. Die permanente Unpünktlichkeit führe dazu, dass aus Heilbronn kommende Schüler den Beginn des Unterrichts in Adelsheim kaum und in Osterburken überhaupt nicht einhalten können. „Diese Situation ist und bleibt für uns komplett inakzeptabel.“

Dabei seien die Verspätungen nach Beobachtungen des Landratsamtes hauptsächlich auf das eingesetzte Zug- und Wagenmaterial zurückzuführen. Entgegen der Ankündigung, dass auf dieser Strecke Doppelstockwagen zum Einsatz kommen sollen, würden die Schülerzüge nämlich weiterhin mit alten Waggons und leistungsschwächeren Lokomotiven gefahren.

„Alle anderen beliebten Ausreden ziehen in diesem Fall also definitiv nicht“, schreibt der Landrat und unterstreicht damit, dass seine Geduld aufgebraucht ist. Ebenfalls nicht zufriedenstellend sei zudem auf der Gegenrichtung von Lauda nach Osterburken die Regionalbahn 19177, zwei komplette Ausfälle seien hier im Januar zu verzeichnen gewesen.

Nach wie vor ein „absolutes Ärgernis“ seien darüber hinaus die Verkehre von Mosbach in Richtung Stuttgart. Nach der Einführung der Stadtbahn Heilbronn-Nord waren systembedingt ohnehin nur noch sehr wenige Direktverbindungen erhalten geblieben. Umso wichtiger sei es deshalb, so der Landrat, dass wenigstens die Umstiege von der Stadtbahn zu den Regionalbahnen und Regionalexpress-Zügen in Neckarsulm, Bad Friedrichshall oder Heilbronn verlässlich funktionieren.

„Seit dem Inkrafttreten der Übergangsverträge im Oktober 2016 ist auch das jedoch nicht mehr der Fall. Im Gegenteil: Es ist statt dessen zu signifikanten weiteren Verschlechterungen gekommen“, fasst Dr. Brötel die ihm vorliegenden Daten und Einzelbeschwerden zusammen. Die Thematik sei vor kurzem bereits Gegenstand einer Landtagsanfrage des Abgeordneten Georg Nelius gewesen.

Klar formuliert der Landrat auch, was er von Hantel fordert: „Die DB hat hier einen Auftrag zu erfüllen, der auch aus Steuergeldern bezahlt wird. Deshalb ist es sicher nicht zu viel verlangt, das einzufordern, was Sie selbst versprochen haben.“ Angemahnt wird in dem Brief zudem ein unkomplizierter Dialog auf Arbeitsebene, auf den der Kreis angewiesen sei, da er für die Schienenverkehre weder Aufgabenträger noch Vertragspartner sei. Auch auf eine teilweise mangelhafte Reaktion der DB-Kundenkommunikation bei Beschwerden weist er hin.

Zumindest eine gute Nachricht konnte Dr. Brötel Hantel dann doch noch mitteilen: Bei der Ende November vom Landrat angemahnten Regionalbahn 19187 von Neckarelz nach Osterburken habe sich mit der Übernahme durch die S-Bahn Rhein-Neckar inzwischen ein „zumindest akzeptableres Bild“ ergeben, diese Verbesserung werde aber durch die Probleme bei der Frankenbahn überlagert.

Hintergrund:

Verantwortlich für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist das Land Baden-Württemberg, zur Finanzierung erhält es vom Bund dafür so genannte Regionalisierungsmittel. Für den SPNV gibt das Land daher konkrete Eckpunkte in Ausschreibungsverfahren vor und vergibt die Leistungen an Eisenbahnverkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn oder Mitbewerber wie Abellio aus den Niederlanden oder Go-Ahead aus England.

Das Unternehmen Go-Ahead wird ab 2019 auch im Neckar-Odenwald-Kreis tätig sein. Das Qualitätsmanagement für den SPNV ist ebenfalls Aufgabe des Landes, unterstützt wird es dabei von seiner Nahverkehrsgesellschaft NVBW. Nur für den straßengebundenen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist hingegen der Kreis selbst zuständig. Darunter fallen täglich mehrere hundert Linienbusse, aber auch das Ruftaxi. Für diese Aufgabe bekommt der Landkreis vom Land entsprechende Mittel.

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1 Kommentar

  1. Wenn es nicht funktioniert..Müssen die Zuschüsse eben auf unbestimmte zeit gestrichen werden…Und wenn es wieder läuft..Können die Zahlungen wieder beginnen..Wenn wir unsere Arbeit nicht ordentlich machen bekommen wir ja auch kein Geld..Wenn man ein paar Manager rauswirft bleibt mehr Geld für fähiges Personal..Aber leider ist alles und überall nur noch Gewinn orientiert..

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