Prunksitzung: „… was iss es in Mudi sou schej!“

Mit Fotoserie – mit Wassersuchern und „Fremden“

Fotoserie zum Artikel – (Fotos: Liane Merkle)


Mudau. (lm) „Aus aald mach nej, was iss es in Mudi sou schej!“ Dieses Motto der Karnevalsgesellschaft Mudemer Wassersucher stellte sich in den beiden „ausverkauften“ Prunk- und Fremdensitzungen als unglaublich vielseitig heraus.

Entsprechend bunt und kurzweilig gestaltete sich das nahezu sechsstündige Mammutprogramm, wobei es auch einiges „Aaldes“ gab, das einfach keiner Erneuerung bedurfte. Zunächst einmal die Bombenstimmung im herrlich geschmückten Narrentempel schon vor Beginn der Sitzung, die hauptsächlich von „Eigengewächsen“ gestaltet worden war und während des Programms mit spontanen Flashmops. Ebenfalls nicht zu toppen war die Mudauer Trachtenkapelle als eingespielte Sitzungskapelle unter Dirigent und Solo-Sänger Ralph Müller mit unzähligen Ein- und Ausmärschen, Schunkelrunden und La-Ola-Zündungen. Und schließlich bedurfte auch die 1A-Qualität und Präsentation des Programms mit unzähligen Akteuren keinerlei Sanierungsmaßnahmen.

Zu verdanken war das u.a. dem neuen Präsidenten-Trio Angelo Walter, Florian Stuhl und Daniel Schäfer, die ihr Sitzungsdebüt als einzige wirklich positive AFD bravourös bewältigt haben. Und das, obwohl sie zu dritt weitaus jünger waren als das Vorgänger-Duo Ralf Späth und Carlo Götz. Überhaupt scheint der Nachwuchs in der KaGeMuWa mit Volldampf auf dem Vormarsch zu sein, wie der auf 15 Mitglieder angewachsene Jungwassersucherrat ebenso zeigte wie die überwältigende Minigarde, die mit ihrem Schautanz „Crazy Monsters“ den Programmteil bunt blinkend und überaus temperamentvoll eröffnete und dafür die erste La Ola des Abends erhielt.

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Doch zuvor war die Bühne mit den hauseigenen Akteuren und den Abordnungen aus Walldürn, Lauda, Amorbach, Hardheim, Hettigenbeuern, Hainstadt, Zwingenberg, Seckach, Diedersheim, Hettingen und Limbach fast aus allen Nähten geplatzt, weshalb die Schloßemer Baiassen, die Donebacher Turmspatze, Reischebocher Turmwächter, Schernemer Eckenarre, Langenelzer Elzhüpfer und Steebocher Weckgrubber auch gleich im Saal blieben. Nach Aussage der Sitzungspräsidenten, die das Motto erläuterten, seien in den letzten 365 Tagen neben dem Trainer des TSV und den LED-Straßenlaternen vor allem die Kostüme der Wassersuchergarde, die Neuhofstrasse und die Mudbrücke „nej worre“.

Letztere wurde aufgrund der hohen Kosten und der extremen Fremd-Auffälligkeit an diesem Abend noch öfters „durch den Kakao gezogen“ und war sogar bei der Proklamation des Prinzenpaares Benig, Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Stephie I. und Seiner Tollität Prinz Nico I. ein Thema. Die beiden outeten sich als VfB-Fans und hatten darüber hinaus einige gute Ideen für den entmachteten Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger z.B. in Sachen Grillplatz.

Auch träumten sie von der Wiedereröffnung des örtlichen Kaufhauses „Schäferle“. Leichten Herzens und in dem Wissen, ihn bald zurück zu bekommen, übergab Dr. Rippberger den Rathausschlüssel. Mit Isegrim vom Unterschloss, alias Peter Bienert von den Hordemer Wölfen, setzte sich das informative Programm fort und der hatte so einige Lösungen parat gegen Trampeltier Trump, die IS-Bestien in Menschengestalt und die Bundespolitik, die im Gegensatz zur Landespolitik nicht für die Bürger, sondern für die Politiker agiere. Ein Genuss fürs Auge war Tanzmariechen Cara Bianco, die mit viel Charme und Akrobatik zunächst der tänzerischen Tradition genüge tat und sich dann zusammen mit ihren Trainerinnen Alina Bianco und Larissa Kistner in der Zugabe in Richtung Hip-Hop bewies.

Als „Mann vom Ordnungsamt“ erklärte Uwe Lenz u.a., dass die Blödheit der Engländer zum Brexit noch getoppt worden sei von den Amerikanern mit ihrer Wahl für Trump als Präsident. Und zu gewissen politischen Richtungen hier meinte er: „ein altes Deutschland wie’s früher war, soll‘s nicht mehr geben, denn in so einem Land wollt‘ ich net leben“. „Nie waren Information und Desinformation sooooo nah beieinander“ wie beim 1. m-TV mit den Moderatoren André Mechler und Marco Scheiwein – beide Urgesteine der Mudemer Fastnacht -, deren Nachrichten kritisch von „Zuschauer“ Richard Neubrand kommentiert wurden. Mit Aussagen wie „Laut einer Studie sind Dinosaurier nicht mehr vom Aussterben bedroht“, „mit 15 Bier am Tag ist der tägliche Vitamin C-Bedarf gedeckt“, oder „Rückrufaktion von 17 Millionen Wagen der Marke BobbyCar wegen fehlender Airbags“ hatten sie die Lacher ebenso auf ihrer Seite wie mit ihren Neuigkeiten zu einem vermissten Mudauer Bäckermeister oder dem Spruch „Die Mudbrücke konnte mangels Brückentag noch nicht eingeweiht werden“.

Um Ortsinternas ging es dann auch bei ihrem zweiten Auftritt mit den „Späth“-Nachrichten und bei den „Rotzlöffeln“ Elias Noe und Yannick Mechler, die sich Unterstützung von Dominik Buchner und Paul Hofmann geholt hatten und meinten „Aus aald mach nej“ sei komplett übertrieben, weil „die G’sichter do unne sen die gleiche gebliebe“. Ebenso rotzfrech wie liebenswert brachten sie so einiges über ihre mehr oder weniger geglückten Führerscheinprüfungen, über Timo Huberty als Ersatzpfarrer oder über den tollen TSV, bei dem es immer nur kompliziert werde, wenn ein Fußball ins Spiel kommt.

A cappella entschuldigten sie sich abschließend „Hewwe mir an Blödsinn verzählt!“. Ebenfalls teilweise mit Gesang kommentierten „Die vier halbe Ganzherrn, die zamme zwee ganze Halbherrn senn“ (Timo Hubert, Michael Volk, Jürgen Kieser und Markus Wellm) den unglücklichen TSV-Heim-Einbruch, die „Golden-Gate-Bridge“ über die Mud und vieles mehr. Mit ihrem Schautanz „Die Cowgirls aus dem wilden Westen“ entführte die KaGeMuWa-Prinzengarde temperamentvoll und sportlich in den Wilden Westen und mit viel Akrobatik und Kondition bewiesen sich die Tänzerinnen des TSC Walldürn als erstklassige Zirkus-Crew. Als Augenweide entpuppten sich auch die „Helden in Strumpfhoen“.

Tobias Dambach, Lucky Ekanayaka, Patrick Fischer, Peter Hofmann, Patrick Jaksch, Christian Münkel, Steffen Radauscher, Rainer Kuhn, Moritz Sacher, Norbert Schölch, Edgar Späth und Stefan Straub traten als Grazien des Balletts auf und lösten mit ihrem genialen Outfit Begeisterungsstürme aus. Zackig, flott und charmant präsentierten sechs Hettinger Mädels ihrem Gardetanz, den jedoch die über zwanzig Mitglieder starke Wassersuchergarde in ihren bildhübschen neuen Kostümen noch übertrumpften und so abschließend noch einmal bewiesen: „Aus aald mach nej, was iss es in Mudi sou schej!“

Der geehrte zusammen mit dem Prinzenpaar, seiner Vorgängerin in dieser Ehrung, Wassersucher Noby, Ralf Lorenz und den Sitzungspräsidenten. (Foto: Liane Merkle)

Für besondere ehrenamtliche Verdienste für die Karnevalsgesellschaft Mudemer Wassersucher wurde im Rahmen der Prunksitzung der mittlerweile 47. Jahresverdienstorden samt Urkunde von der Vorjahresträgerin Jasmin Mechler an Ralf Späth überreicht. Im Beisein des Prinzenpaares Stephie I. und Nico I. Benig sowie Wassersucher Norbert Münch überreichte Ralf Lorenz die Urkunde an den Geehrten, der seit 1994 dem Wassersucherrat angehört, 19 mal in der Bütt war, im Beirat der KaGeMuWa aktiv ist, jährlich für die Erstellung der Eintrittskarten verantwortlich zeichnet und zusammen mit Carlo Götz einige Jahre als Sitzungsleiter erfolgreich war.

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