Leserbrief – „AOK-Chef riskiert große Lippe“

Mehr die Interessen der Allgemeinheit vertreten

AOK-Landeschef Christopher Hermann riskiert eine große Lippe, wenn er die Krankenhäuser im Ländlichen Raum als „Wald- und Wiesen-Krankenhäuser“ bezeichnet. Er beleidigt damit die Bürger dieses Raums und diffamiert die in diesen Häusern erbrachten ärztlichen Leistungen.

Als Verbandsvertreter einer Allgemeinen Ortskrankenkasse wäre ihm anzuraten, mehr die Interessen der Allgemeinheit und damit auch der Bürger in Stadt und Land zu vertreten und sachgerechter zu urteilen. Die Beitragszahler der AOK sitzen auch im Ländlichen Raum und können mit Fug und Recht erwarten, dass die Krankenkassen nicht Milliardenbeträge horten, sondern sie zielgerecht zum Nutzen der Allgemeinheit – auch der Bürger im Ländlichen Raum einsetzen!

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Wie in anderen Bereichen auch sind zurzeit wieder die Zentralisierer unterwegs und wollen uns weismachen, dass in großen zentralen Einheiten alles besser läuft. Oft ist dies nicht der Fall, auch nicht im Krankenhausbereich. Als ich vor über zwei Jahren meine letzte Knie-OP hatte, habe ich mich vorher ausreichend im Internet in verschiedenen Klinikportalen über die Leistungsfähigkeit der Kliniken in unserem Großraum informiert.

Zu meiner Überraschung hatte das Kreiskrankenhaus Mosbach deutlich bessere Werte als die großen Kliniken. Und beim offiziellen Patiententalk in der Rehaklinik war ich richtig froh, in Mosbach und nicht in einer großen Fachklinik operiert worden zu sein. Dort hatte ein Patient schon seine vierte Knie-OP in zwei Jahren und wollte sich nie mehr operieren lassen, und bei einem anderen klapperte das Knie nach der OP!

Die Routine durch das Operieren wie am Fließband in den Großkliniken, mit der der AOK-Chef argumentiert, hat offensichtlich auch negative Auswirkungen, sonst müssten die Bewertungszahlen dieser Kliniken besser sein. Und wer hat besonders große Probleme mit Keimen?- die Großkliniken! Und wo war erst kürzlich der Hygieneskandal? – auch in einer Großklinik! Routine ist kein ausreichendes Argument; Routine führt auch zu Nachlässigkeiten!
Und unsere Chefärzte kommen auch nicht von „Wald- und Wiesen-Krankenhäusern“, sondern waren vorher Chefarztstellvertreter oder Leitende Oberärzte in größeren Kliniken!

Ich wünsche mir von den Krankenkassen, dass sie die Kliniken nicht in den Ruin treiben. indem sie ihnen Leistungen seit Jahrzehnten vorenthalten (Ausgleich der Tariferhöhungen und Preisseigerungen, Kosten der Notfallversorgung, einen höheren Basisfallwert im Hochlohnland Baden-Württemberg), um selbst Gewinne zu scheffeln!

Dass auch Klinikverbünde nicht die Lösung sind, konnte man vor weniger Wochen lesen: von Defiziten von 145 Millionen war da die Rede. Nicht immer sind die Großeinheiten besser!

Karl Heinz Neser
CDU-Fraktionsvorsitzender im Neckar-Odenwald-Kreis

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