Bürgerenergie Großeicholzheim eine Erfolgsgeschichte

Bundespolitiker vor Ort


(Foto: Liane Merkle)

Großeicholzheim. (lm) Mit dem Thema „Bio-Energie für die Zukunft und die Gegenwart“ dürfte Alois Gerig als Mitglied des Bundestages gerade in seinem Wahlkreis Odenwald-Tauber offene Türen einrennen. Das wurde zum einen deutlich an der großen Resonanz seitens zahlreicher Betreiber von Biogasanlagen, die der Einladung des Abgeordneten gefolgt waren und die Chance zu einem informativen Fachgespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft MdB Peter Bleser sowie Horst Seide als Präsident des Fachverbandes Biogas e.V. und dessen Mitarbeiter Dr. Gomez.

Das bestätigte aber auch Landrat Dr. Achim Brötel, der sich den Aufbau regenerativer Energien auf die Fahne geschrieben hat und meinte: „Bioenergie ist unsere Sache. Unser Landkreis ist bezüglich dieses Themas auf Platz 1, denn dadurch bleibt die Wertschöpfung im Kreis und es schweißt die Bürger zusammen.“ In Kooperation mit Land- und Forstwirtschaft wolle man etwas bewegen. Wie gut das bereits in Großeicholzheim gelungen ist, zeigte sich deutlich am Treffpunkt in Großeicholzheim zuerst an der Biogasanlage von Rainer Wetterauer und dann an der Heizzentrale der rein ehrenamtlichen „Bürgerenergie Großeicholzheim e.G.“, die von der Abwärme dieser Biogasanlage maßgeblich gespeist wird und die Wärme an mittlerweile knapp 120 örtliche Haushalte weiterleitet.

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Mit diesem Treffpunkt unterstrich Alois Gerig sein Bestreben, zu verdeutlichen, wie wichtig und vor allem wie wertvoll Bioenergie ist, vor allem im Hinblick auf die Flexibilität der Einspeisung. Er sprach dabei auch die Vielfalt der Anlagen in seinem Wahlkreis an, von der Kleinanlage über Gas-Einspeise- oder Kreisanlagen bis hin zu Fermentierungsanlagen. Rainer Wetterauer, Landwirt mit Ackerbau und Milchvieh, stellte als technischer Geschäftsführer die seit zehn Jahren arbeitende Anlage mit 65 Eigentümern vor. Die 800 kw-Anlage läuft ohne Gülle, ausschließlich mit Mais, Gras, Sudangras und Wildpflanzenmischungen. Die Lieferanten seien vertraglich gebunden.

Aus der Statistik verriet Wetterauer, dass die Anlage mit vier Teilzeitkräften durchschnittlich 8.100 Betriebsstunden im Jahr läuft und 6,7 Mio kwh produziert. Seit zwei Jahren liefere man über das Nahwärmenetz der örtlichen Genossenschaft zusätzlich Bio-Energie und versucht sich zudem in Direktvermarktung von Strom. Außerdem plane man eine Flexibilisierung, wobei hier die Rentabilität noch geprüft werden müsse. In der örtlichen Heizzentrale ließen Ortsvorsteher Reinhold Rapp in seiner Funktion als Vorstand und Bürgermeister Thomas Ludwig als Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgerenergie Großeicholzheim e.G. die Chronik der Erfolgsstory Nahwärmenetz-Genossenschaft von der Planung 2012 bis zur Inbetriebnahme 2014 Revue passieren.

Dabei gab Thomas Ludwig als Besonderheit bekannt, dass man vor wenige Tagen die Schallmauer von einer Million eingesparter Liter Heizöl sowie die Verminderung von 170 Tonnen CO2-Ausstoßes bei einer Verlässlichkeit von 99,89 Prozent „feiern“ konnte. „Ihr könnt wirklich stolz auf eure Bürger-Energie sein“, lobten sowohl die anwesenden Politiker als auch Sebastian Damm und Dr. Ginter von der AWN.

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Präsident Seide eröffnete das Fachgespräch mit den Biogas-Anlagen-Betreibern mit den Fragen „wie geht es mit der Technologie Biogas weiter“ und „Was würden Sie sich wünschen.“ Dabei wurden die Probleme deutlich, wenn man nicht weiß, was nach den 20 Jahren Förderung oder nach 2030 mit den Anlagen passiert oder man würde sich wünschen, dass die Einsatz-Substrate flexibler gestaltet werden könnten oder die TÜV-Gebühren an die Anlagen-Größe angepasst würden. Staatssekretär Bleser wünschte sich persönlich hinter jedem Stall eine Biogasanlage, vor allem auch, weil die Gülle, die in einer Biogas-Anlage behandelt wurde, beim Ausbringen viel weniger unangenehm riecht. Außerdem warnte er, aufzupassen, dass die Deutschlandweit rund 9.000 Anlagen in den nächsten Jahren nicht auf Null zurückgefahren, sondern die Vergaben an die Strukturen und die Förderrichtlinien anpasst werden.

Alois Gerig ergänzte, dass die notwendige Energiewende dauerhaft nur gelingt, wenn man am Ball bleibe und Nägel mit Köpfen mache. Auf jeden Fall waren die anwesenden Anlagenbetreiber aus dem Neckar-Odenwald- und dem Tauberkreis nicht nur bestens informiert, sondern auch couragiert genug, offen ihre Anliegen an die Fachleute heranzutragen.

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