6. „Kinderhochschule Medizin“

Vier Vorlesungen, über 200 junge Studierende und ein ungeborenes Baby als Leinwandstar


Live-Ultraschall mit Blick in den Babybauch – ein echtes Highlight bei der diesjährigen Kinderhochschule. (Foto: pm)
Buchen/Mosbach.  (pm) An den ersten beiden Ferientagen freiwillig lernen? Für mehr als 200 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren war das keine Frage, und viele kamen zum wiederholten Mal zu den beiden Vorlesungstagen der „Kinderhochschule Medizin“ in Buchen und Mosbach. Zu den Veranstaltungen konnte Privatdozent Dr. Harald Genzwürker, Ärztlicher Direktor der Neckar-Odenwald-Kliniken und Organisator der Kinderhochschule, die jungen „Studierenden“ begrüßen: „Ich freue mich jedes Jahr auf diese Veranstaltungen – und natürlich auch darüber, dass es uns immer wieder gelingt, wichtige medizinische Themen altersgerecht rüberzubringen.“ Interessierte Eltern, Großeltern und andere Verwandte konnten die Vorlesungen an beiden Veranstaltungsorten per Live-Übertragung verfolgen, „damit sie hinterher auch mitreden können“.

Den Auftakt machte Genzwürker als Chefarzt der Anästhesie selbst und erklärte in seinem Vortrag „Wie macht der Narkosearzt, dass man schläft?“ die Abläufe rund um einen operativen Eingriff aus Sicht seines Fachgebietes. Viele der Teilnehmer konnten schon auf eigene Erfahrungen mit Operationen zurückblicken und meldeten sich deshalb eifrig, wenn der Mediziner seine Zuhörer mit Fragen einband. Eines wurde im Rahmen des Vortrags klargestellt: „Wir machen vielleicht „Hammer-Narkosen“, also richtig gute, aber mit einem Hammer arbeiten wird nicht!“

Vielmehr kommen moderne Medikamente zum Einsatz, und das Anästhesieteam aus Ärzten und Pflegkräften wird mit reichlich Medizintechnik bei der Arbeit unterstützt, sodass weit über 8.000 operative Eingriffe jedes Jahr in Buchen und Mosbach mit hoher Sicherheit durchgeführt werden können. Kleiner Wermutstropfen: ohne einen „Pieks“ geht es leider nicht – aber für Kinder kann der mit einer „Zaubersalbe“ erträglicher gemacht werden. Wichtig war auch die Botschaft, dass nicht jeder Patient im OP schläft, sondern auch mit Teilnarkosen Eingriffe beispielsweise an Armen oder Beinen durchgeführt werden können.

Bereits in der Pause trafen die jungen Studierenden auf die Referentinnen des nächsten Vortrags, die Hygienefachkräfte der Neckar-Odenwald-Kliniken Tanja Hautzinger und Ilona Schwenk. Das Thema „Kampf den Keimen“ wurde unmittelbar vor den Toiletten ganz praktisch mit Tipps zum richtigen Händewaschen eingeführt. Mit einer speziellen Creme und Schwarzlicht-Boxen konnte überprüft werden, ob tatsächlich alle Bereiche der Hände mit genügend Wasser und Seife in Kontakt kamen.

Keime, also Bakterien & Co, werden von vielen Menschen als „klein und gemein“ bezeichnet. Tatsächlich finden sich einige fiese Krankmacher unter diesen Winzlingen, aber die beiden Referentinnen brachten den Kindern nahe, dass Bakterien auch überlebenswichtig sind. Jeder Mensch trägt auf und in sich etwa 1,5 kg kleiner Helfer, ohne die beispielsweise der Darm gar nicht richtig funktionieren könnte. Entscheidend ist das Gleichgewicht, und „die Untermieter müssen am richtigen Platz in der richtigen Menge untergebracht sein“, damit keine Krankheiten entstehen.

Am zweitem Tag begannen die Vorlesungen auch mit einem sehr kleinen Wesen: etwa 0,2 mm groß ist die Eizelle, die sich zu Beginn der Schwangerschaft in der Gebärmutter einnistet, wusste Dr. Winfried Munz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Buchen und Mosbach, zu berichten. Sein Thema „Wie wächst das Baby im Bauch?“ stellte er anschaulich mit zahlreichen Bildern dar, in welchen die Entwicklung eines kleinen Wesens über neun Monate nachvollzogen werden konnte.

Allerdings blieb es nicht beim Vortrag, sondern die Kinder konnten gemeinsam mit dem engagierten Geburtshelfer sogar einen Blick auf ein echtes Baby werfen. Dazu war ein Ultraschallgerät bereitgestellt worden, und Chris Marquardt, Mitarbeiterin in der Personalverwaltung der Neckar-Odenwald-Kliniken, gewährte den Studierenden einen Blick in ihren Babybauch in der 28. Schwangerschaftswoche. Mit großen Augen und offenen Mündern verfolgten die Teilnehmer dann via Leinwand die Bewegungen des kleinen Stars der Veranstaltung im Mutterbauch. Unter der Anleitung des Chefarztes durften einige sogar selbst bei der Untersuchung helfen.

Wie es mit dem Wachstum weitergeht, erklärte Dr. Bernd Gritzbach, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie oder „Knochen-Doc“ danach in seinem Vortrag. „Vom Baby zum Erwachsenen“ durchläuft der Körper viele Veränderungen, aus wenigen Knochenkernen und Knorpeln entwickelt sich das knöcherne Skelett, wie er an Röntgenbildern veranschaulichte. Er wusste aber auch von Rekorden zu berichten: der 24-jährige Junrey Balawing von den Philippinen ist mit 59,9 cm der kleinste lebende Erwachsene, und der 34 Jahre alte Sultan Kösen aus der Türkei mit 251 cm der größte.

Trotz Ferien gab es dann eine Rechenaufgabe: wer wissen möchte, wie groß sie oder er wird, zählt die Größe von Mutter und Vater zusammen und teilt das Ergebnis durch zwei. Für Mädchen werden dann noch 6,5 cm abgezogen, für Jungen dazugezählt, und schon kann man abschätzen, wie lange das Wachstum voraussichtlich noch andauert. Natürlich durften Tipps für eine gesunde Ernährung zur Abrundung des Knochenwachstums nicht fehlen.

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„Das Interesse und die Begeisterungsfähigkeit sowie die tollen Fragen unserer Nachwuchsstudenten sind jedes Jahr großartig“, zog PD Dr. Genzwürker ein Resümee der 6. Kinderhochschule Medizin. Die Termine für 2018 stehen bereits fest, am 26. und 27. Juli laden die Mediziner der Neckar-Odenwald-Kliniken wieder in die Stadthalle Buchen und ins Ärztehaus Mosbach ein. „Die Themen geben wir rechtzeitig bekannt!“, verspricht Genzwürker – Infos rund um die Organe Lunge und Herz sind auf jeden Fall dabei.

Die erhobenen Eintrittsgelder oder vielmehr Spendenbeiträge kommen in vollem Umfang dem Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis zugute, dessen Vorsitzender Jürgen Kriege sich wieder über Spende von 1000 Euro freuen konnte. Eine Ferienaktion für Kinder unterstützt damit auch wieder andere schwerkranken Kinder und deren Familien.

Bilder und Informationen rund um die „Kinderhochschule Medizin“ gibt es auf der Homepage unter www.kinderhochschule-medizin.de oder auf Facebook unter fb.me/KinderhochschuleMedizin

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