Vom Wetterschutz zum Statussymbol

Der Hut


(Foto: pm)

Buchen. (pm) Zu Beginn der Kulturgeschichte trugen die Menschen im zivilen Leben kaum Kopfbedeckungen. Nur der Krieger setzte sich einen Helm auf, um seinen Kopf beim Kampf vor schlimmeren Verletzungen zu schützen.

Die ersten Darstellungen von Hüten stammen aus der Hallstatt- und Latènezeit. Die alten Griechen gingen meist barhäuptig. Nur für die Reise oder bei der Jagd trugen sie den breitrandigen Strohhut_ (petasos_) oder die _kausia _aus Filz, die auch an einer Schnur befestigt auf dem Rücken hängen konnte.

Die Römer kannten den Hut in runder und spitzer Form vor allem als Attribut von Göttern oder Herrschern, und sie erhoben ihn zum Freiheitssymbol. Die Darstellungen des Priesters mit dem capite velato, _des mit einem Tuch verhüllten Hauptes, sind zahlreich. Römische Frauen stülpten sich einen Zipfel der _palla über, des wollenen Umhangs, der sie beim Verlassen des Hauses vor Wind und Wetter schützte. Erst nach der Regierungszeit Neros (+ 68 n. Chr.) eroberte der Hut langsam die Straßen Roms.

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Doch beginnt die eigentliche Geschichte des Hutes erst im Mittelalter mit dem kegelförmigen Filzhut, der eine kleine Krempe hatte. Zunächst nur von der bäuerlichen Bevölkerung als Schutz gegen Nässe und Kälte genutzt, wurde er, mit Pfauenfedern und anderem exotischen Dekor aufgehübscht, bald auch von Standespersonen oder als Merkmal der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe getragen. Im 15. Jahrhundert kam schließlich der Strohhut in Mode.

Der Judenhut, lateinisch pileum cornutum, war eine trichterförmige Kopfbedeckung, die durch das Wiener Konzil 1267 eingeführt und später auch durch die weltliche Gesetzgebung als Judenabzeichen zur Pflicht gemacht wurde. Er musste über Jahrhunderte in der Öffentlichkeit zur Unterscheidung von der christlichen Bevölkerung getragen werden. Erst unter dem Einfluss der Aufklärung wurde er abgeschafft.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschwand der Hut fast völlig. Er wurde durch das Barett ersetzt, eine kecke, weiche Kopfbedeckung in flacher Form, die von Personen beiderlei Geschlechts getragen wurde. Meist wurde es aus Samt gefertigt und mit Federn, Agraffen oder Stickereien geschmückt. Das Barett hielt sich aber nur etwa fünfzig Jahre. Im 19. Jahrhundert wurde es von Künstlern wiederentdeckt. Es gehört bis heute zur Amtstracht von Professoren, Geistlichen und Richtern und zur militärischen Kleidung der Bundeswehr.

Im 17. Jahrhundert schmückten vor allem Landsknechte ihre Ungetüme von Hüten mit riesigen Federn, und ähnlich herausgeputzter Kopfschmuck ergänzte die Kleidung der Frauen. Doch blieb bis ins späte 18. Jahrhundert der Hut überwiegend ein Kleidungsstück des Mannes. In der weiblichen Bevölkerung herrschte die Haube vor, die auch über Herkunft, Stand und gesellschaftliche Stellung ihrer Trägerin Auskunft gab.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts kam auch der Dreispitz in Mode, der sich bald zum Zweispitz wandelte und zur Hoftracht unter Napoleon gehörte. Auch der Zylinder setzte sich ab 1800 als Kopfbekleidung für Herren allmählich durch.

Aus England kommend, hielt noch vor 1900 der Damenhut in Mitteleuropa Einzug. Er hatte einen breiten Rand, war aus Stroh gefertigt und sollte die begehrte „vornehme Blässe“ seiner Trägerin bewahren. Immer aufwändiger wurde dieser Hut gestaltet und mit Bändern, Rüschen, Federn und Blumen reich dekoriert, sodass er bald zum Schmuckhut aufstieg.


Als im ausgehenden 19. Jahrhundert die Kleider schlanker wurden, kamen endlich die riesigen Damenhüte auf („Wagenräder“), die reich mit Blüten, Spitzen, exotischen Früchten und den Federn von Strauß und Paradiesvogel verziert wurden. Je einzigartiger und auffälliger der Hut war, desto höheren Ranges durfte sich seine Trägerin erfreuen – eine Regel, die bei Hochzeiten in Adelshäusern und Pferderennen wie in Ascot oder Baden-Baden noch heute Gültigkeit hat.

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte eine radikale Wende des aufwändigen Kopfputzes mit sich. Was noch wenige Jahre zuvor üppig und ausladend gewesen war, wurde nun angesichts der gesellschaftlichen Umbrüche einfach und schlicht. Vor allem alltagstauglich musste die neue Mode sein. Hüte in Topf- oder Glockenform herrschten nun vor und harmonierten mit den schlichten Röcken und Kleidern, die gerade noch das Knie bedeckten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfuhr die Mode wiederum eine starke Veränderung. Die Röcke wurden weit und stoffreich, die Längen variierten. Fantasievolle und formenreiche Hüte ergänzten die neue Eleganz. In den 1960er und 1970-er Jahren sah man öfter den Turban, doch verschwand der Hut allmählich ganz aus dem Bild unserer Straßen. Nicht zuletzt hatte die 68er Bewegung dazu beigetragen, die den Hut als Symbol der biederen Adenauer-Ära ablehnte.

Besondere Hüte trugen und tragen heute noch Fürsten und hohe geistliche Würdenträger, und noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte es zu guten Ton, bei Begegnungen als Devotionsgeste den Hut zu ziehen.

Infos im Internet:

www.bezirksmuseum.de

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