Frost, Hitze und Regen

Bauern brauchen starke Nerven bei der Ernte – Risiken in der Landwirtschaft steigen durch extreme Wetterereignisse

(pm) Das Anbaujahr 2017 war erneut geprägt von Wetterextremen. Die Ackerbau-Kulturen sind gut ins Jahr gestartet. Obst und Wein hatten durch die freundlichen Temperaturen im März einen Wachstumsvorsprung. Die Ernüchterung kam im April, als der Spätfrost zu großen Schäden im Obst- und Weinbau führte. Starke Hitze verbunden mit Trockenheit im weiteren Vegetationsverlauf machten den Ackerbaukulturen zu schaffen. „Die Ernte ist dieses Jahr erneut eine Zitterpartie für viele Landwirte gewesen. Pünktlich zu deren Start erschwerten regelmäßige Niederschläge die Erntearbeiten“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), beim heutigen Ernte-Pressegespräch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Tobias Briem in Filderstadt (Kreis Esslingen).

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Zu Wochenbeginn war nach Erhebungen des Landesbauernverbandes die Getreide- und Rapsernte durch die schwierige Wetterlage landesweit noch nicht überall abgeschlossen. „Die anhaltenden Niederschläge sind für uns Ackerbauern nervenaufreibend. Wir mussten dieses Jahr jede kleine Trockenphase nutzen, um das Getreide sprichwörtlich vom Feld zu stehlen“, erläutert Rukwied. In Spätdruschgebieten wie der Schwäbischen Alb oder Oberschwaben stehen Teile des Getreides immer noch auf dem Halm.

Mit dieser Zitterpartie wird ein Anbaujahr mit vielen Schwierigkeiten abgeschlossen. Dabei hatte es gut begonnen. Die Getreidebestände kamen gut aus dem Winter und entwickelten sich ordentlich im Laufe des Frühjahrs. „Anfang Juni, in einer für den Getreideertrag wichtigen Entwicklungsphase, hatten wir Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius. Diese Hitzeperiode hat uns richtig Ertrag gekostet“, ist Rukwied überzeugt. Vor allem der Weizen litt unter den sehr hohen Temperaturen. Andere Kulturen wie Winter- oder Sommergerste waren meist nicht so stark betroffen. Aufgrund der Wetterextreme schwanken die Ernteergebnisse dieses Jahr je nach Region stark. Trotz der schwierigen Vegetationsperiode und regenreichen Ernte konnte in Baden-Württemberg zumindest noch eine durchschnittliche Getreideernte eingefahren werden.

Raps in Baden-Württemberg mit blauem Auge davongekommen

Der Raps hatte schwierige Startbedingungen durch anhaltende Trockenheit im Herbst. Die Bestände sind nicht optimal aus dem Winter gekommen. Im Nachhinein ist der Raps im Land mit einem blauen Auge davon gekommen. „Trotz widriger Wachstumsbedingungen hat der Raps durch sein großes Kompensationsvermögen höhere Ertragsverluste verhindern können“, erklärt Rukwied.

Obstbau mit starken Einbußen durch Frostschäden

Obst und Wein hatten durch die freundlichen Temperaturen im März einen Wachstumsvorsprung. Die Ernüchterung kam im April, als der starke Frost zu regional großen Schäden im Obst- und Weinbau führte. „Im Obstbau dürfte die Menge so gering ausfallen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Wir gehen nur noch von 40 Prozent einer normalen Ernte aus. Einzelne Betriebe hat es teilweise noch viel härter getroffen. Sie ernten vielleicht noch zehn Prozent des Normalertrags“, sagt Rukwied. Im Weinbau lägen die Einbußen bei rund 25 Prozent.

Finanzielle Unterstützung für Betriebe sowie Risikoabsicherung nötig

„Um den vom Frost existenziell betroffenen Betrieben wirksam helfen zu können, muss der vom Land zugesagte Hilfsfonds mit ausreichend Mitteln ausgestattet werden. Außerdem muss endlich für alle landwirtschaftlichen Betriebe eine steuerlich begünstigte Risikovorsorge möglich werden“, fordert Rukwied. Mit dieser Vorsorgemöglichkeit könnten die Betriebe Einkommensschwankungen ausgleichen und so Risiken mindern.

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