Frischer Wind im Parfümregal:

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Düfte aus Japan


Bildrechte: Flickr Perfume otodo CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
Richtig parfümieren will gelernt sein. Allzu schnell wird aus einer dezenten Note eine exzessive Nebelschwade, was bei den Umgebenden einen eher zweifelhaften Eindruck hinterlässt. Aus diesem Grund bleiben viele Deutsche lieber ganz geruchlos – bis aufs Deo natürlich. Die japanische Duftkultur könnte das ändern.

Laut Adriano Sack, Redakteur bei „Die Welt“ verwenden bedauerlicherweise immer weniger Deutsche Parfüm. Eine Studie der VuMA aus dem Jahr 2016 stützt diese Behauptung: So parfümieren sich in Deutschland 6,11 Millionen Frauen mehrmals pro Woche und 7,43 Millionen sogar täglich; 13,18 Millionen greifen allerdings niemals zum Flacon. Mit jeweils knapp 4,7 Millionen Anwendern pro Woche beziehungsweise pro Tag interessieren sich Männer sogar noch weniger für Parfüms; 13,61 Millionen von ihnen verzichten ganz darauf. Laut dem Marktforschungsunternehmen IRI hat der Handel mit Damendüften seit 2008 jedes Jahr einen Umsatz von etwa 1 Milliarde Euro erzielt, die Herrendüfte generierten im Zeitraum von 2010 bis 2016 Umsätze zwischen 480 und 540 Millionen Euro.

Sack begründet das geringe Interesse an den angenehmen Düften mit der Schwierigkeit, das richtige Maß zu finden. Allzu schnell wirke die eigentlich feine Note exzessiv, billig oder gar aufdringlich. Aus diesem Grund verzichten viele Menschen in jedweder beruflichen Position lieber ganz darauf. Für den Stil-Redakteur ein echter Missstand. Denn Parfüms können, richtig eingesetzt, als „Eigenwerbung“ oder als „Entertainment“ dienen.

Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Japanern

Vielleicht kann ja ein Schnupperkurs in japanischer Duftkultur unsere von französischem Eau de Toilette, Schweizer Riechessenzen und italienischem Profumo gelangweilten Nasen wieder sensibilisieren. Denn der Heidelberger Kulturwissenschaftlerin Dinah Jung zufolge wissen die meisten Menschen gar nicht, welche große Rolle Düfte in asiatischen Kulturen spielen – und wie sehr diese zu der Entstehung einer Duftkultur in Europa beigetragen haben.

Die Japaner beispielsweise wissen schon seit Langem – seit 15 Jahrhunderten wohlgemerkt –, worauf es ankommt: Sie kreieren Parfüms mit genau jenen Eigenschaften, die deutsche Frauen mögen: Für die exotischen, fruchtigen und blumigen Aromen verwenden die Japaner einheimische Zutaten wie Ingwer, Bambus oder Nashi-Birne. Die typischen Düfte des Landes sind so leicht und dezent, dass man sich keine Sorgen darum zu machen braucht, eventuell zu viel Parfüm zu tragen –stattdessen riecht man wie frisch gebadet. Beliebt bei den Japanern sind zum Beispiel „Pleats Please“ von Issey Miyake, aber auch ausländische Marken wie „Five o’clock au gingembre“ von Serge Lutens.

Duftkultur mit langer Tradition

Tatsächlich wurde Parfüm im alten Japan weniger dazu benutzt, den eigenen Körpergeruch zu überdecken, da man sich im Gegensatz zu den Europäern regelmäßig wusch. Einen viel größeren Stellenwert hatte duftendes Räucherwerk, was auch der Wortbedeutung des lateinischen „per fumare“, übersetzt „durch Räuchern“, entspricht. Bei Festen, in daoistischen und buddhistischen Tempeln sowie bei der atmosphärischen Raumgestaltung spielt Rauch aus Hölzern, Kräutern, Ölen und Gewürzen auch heute noch eine Rolle, weshalb beispielsweise die Düfte von Kenzo, einer bekannten einheimischen Parfümmarke, solche olfaktorischen Elemente enthält.

Besondere Anerkennung wird der japanischen Duftkultur bei der Zeremonie des „Kôdô“ (zu Deutsch: „Weg der Räucherdüfte“ oder auch „Duftspiel“) zuteil, bei der der Zeremonienmeister verschiedene Räucherwaren entzündet und zusammen mit seinen Gästen dem „Klang des Duftes“ „lauscht“. Ziel dieser Kunst ist es, einen feineren Geruchssinn zu entwickeln. Oft werden die Teilnehmer im Rahmen eines Spiels dazu aufgefordert, die Zutaten zu erraten. Eine solche Übung könnten auch unsere von industriellen Schwerölen und künstlichen Derivaten unterforderten Nasen gut gebrauchen.


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