„Best Ager“ trinken sich ins Koma

Statistik der AOK Rhein-Neckar-Odenwald zeigt: Männer und Frauen zwischen 50 und 54 Jahren besonders stark betroffen – Hohe Dunkelziffer

(pm) Für viele Betroffene ist es nach wie vor ein Tabu-Thema – und deshalb begeben sie sich auch nicht in ärztliche Behandlung. Folglich ist die Dunkelziffer hoch. Aber auch bereits die jetzt ermittelten fundierten Zahlen, die die AOK Baden-Württemberg aufgrund ihr vorliegenden Daten veröffentlicht hat, geben Anlass zur Sorge. Danach waren im zurückliegenden Jahr im Südwesten insgesamt 19.435 Versicherte wegen alkoholbedingter Störungen in stationärer Behandlung – und fast die Hälfte davon war über 50 Jahre alt.**
Wie diese erschreckenden Fakten deutlich machen, ist das so genannte Koma-Trinken also durchaus nicht nur ein Problem bei jungen Erwachsenen und Heranwachsenden – sondern bei allen Altersgruppen. Am stärksten betroffen sind offenbar ältere Menschen ab 50 Jahren. Wegen alkoholbedingter Störungen wurden laut AOK-Statistik fast 0,5 Prozent aller Versicherten über 50 Jahre stationär behandelt – wobei Männer mit 0,8 Prozent etwa viermal so viel betroffen waren wie Frauen (0,2 Prozent). Generell besteht die Problematik außer in der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen im Übrigen bei Männern zwei- bis viermal so oft wie bei Frauen – und bei beiden Geschlechtern ist die Altersgruppe zwischen 50 und 54 Jahren am häufigsten betroffen.
Die Statistik der AOK zeigt weiter, dass im Verlauf der zurückliegenden zehn Jahre immer mehr ältere Menschen wegen einer alkoholbedingten Erkrankung in stationäre Behandlung mussten. Im Jahr 2008 etwa waren es in Baden-Württemberg pro 100.000 Versicherte noch 776 Männer und 171 Frauen in dieser Altersgruppe. Bis 2014 gab es dann einen Anstieg auf 866 Männer und 208 Frauen. Seitdem waren die Zahlen wieder leicht rückläufig, sind aber nach wie vor vergleichsweise hoch: 2016 waren statistisch von 100.000 Versicherten 825 Männer und noch immer 208 Frauen betroffen.


Der Blick auf die detaillierte Entwicklung der Problematik im Neckar-Odenwald-Kreis weist zumindest bei Männern eine ähnliche Tendenz auf wie im Land. Bei ihnen stieg dort die Anzahl stationärer Behandlungsfälle wegen alkoholbedingter Störungen bei über 50-Jährigen zwischen den Jahren 2008 und 2016 von 62 auf 81. Für betroffene Frauen weist die Statistik lediglich für einzelne Jahre zwischen 2010 und 2016 detaillierte Zahlen auf; diese lagen in dieser Zeit zwischen 20 und 24.

Die AOK Rhein-Neckar Odenwald rät in jedem Fall dringend dazu, sich beim Verdacht auf alkoholbedingte Störungen an eine Beratungsstelle zu wenden. Im Neckar-Odenwald-Kreis kooperiert sie dabei mit der Fachstelle Sucht Mosbach des baden-württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation. Wer unsicher ist, ob er selbst oder ein Angehöriger ein Alkoholproblem hat oder sich bereits in Abhängigkeit befindet, wendet sich an die Fachstelle in der Friedrich-Ebert-Straße 1, 74821 Mosbach, Telefon 06261/64386-0, Email fs-mosbach@bw-lv.de.

Die AOK betont mit Blick auf die jetzt vorgelegten Zahlen ausdrücklich, dass die Dunkelziffer der von alkoholbedingten Störungen betroffenen Männer und Frauen wahrscheinlich deutlich höher ist als die jetzt vorgelegten Zahlen. Bei der Erhebung konnten lediglich Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Patienten mit alkoholbedingten Störungen bleiben erfahrungsgemäß nämlich häufig sehr lange unbehandelt oder sind ihrerseits erst sehr spät zum Arzt gegangen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Alkoholismus auch weiterhin ein starkes Tabu-Thema in der Gesellschaft ist und die Erkrankung bei Betroffenen fast immer erhebliche Scham-Gefühle erzeugt. Zudem konnten in die jetzt vorliegende Analyse nur stationäre Diagnosen einbezogen werden.

Aufgrund der nach wie vor zunehmenden Problematik von Koma-Trinkern befindet sich die AOK Baden-Württemberg derzeit in Gesprächen mit der Landesstelle für Suchtfragen und arbeitet an einer Kooperation für verschiedene Präventionsprojekte.

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