Neue Perspektiven in der Wundversorgung

09.02.10

Wundsymposium in Mosbach bestätigt die Dynamik eines wichtigen Pflegebereichs

Wundexpertin Karin Protz macht sich für eine flächendeckende Fortbildung zum Thema Wundversorgung stark. Die Mitglieder der AG Wunde von den Neckar-Odenwald-Kliniken freuen sich als neue Arbeitsgruppe der ICW e.V. auf weitere Aktivitäten im Rahmen einer zeitgemäßen Wundversorgung. Foto Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH. (Fotos: Neckar-Odenwald-Kliniken)

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Mosbach. (hb)Trotz Eis und Schnee kamen am 3. Februar mehr als 300 Teilnehmer/innen zum „3. Wundsymposium Neckar-Odenwald-Kreis“ nach Mosbach in die Alte Mälzerei. Die Veranstaltung hatte zwei Zielsetzungen: Der „Arbeitsgruppe Wunde“ des Gesundheits- und Pflegenetzes Neckar-Odenwald-Kreis wurde nach fünf Jahren erfolgreicher Aufbauarbeit der Status einer „ICW-Arbeitsgruppe“ erteilt, während der inhaltliche Fokus der Veranstaltung auf wichtige Aspekte einer zeitgemäßen Wundversorgung gerichtet war.

Nach den einleitenden Grußworten von Dr. med. Sibylle Nägele, leitende Oberärztin der Allgemein und Gefäßchirurgie der Neckar-Odenwald-Kliniken am Standort Buchen, zeichnete Andrea Maden den Werdegang der 2005 gegründeten  „Arbeitsgruppe Wunde“ des Gesundheits- und Pflegenetzes nach. Die in der Pflegeüberleitung arbeitende Wundexpertin wies dabei darauf hin, dass die von ihr mitinitiierte Arbeitsgruppe von Beginn die interdisziplinäre Zusammenarbeit von ambulanter Pflege, Pflegeheimen, der klinischen Pflegeüberleitung, Ärzten, einer Altenpflegeschule, Physiotherapeuten, dem Sanitätsfachhandel und Podologen herstellte. Die offizielle Aufnahme der AG Wunde an den Neckar-Odenwald-Kliniken als Arbeitsgruppe der „Initiative Chronische Wunden e.V.“ (ICW e.V.) nahm Werner Sellmer vor. Der Schatzmeister der ICW stellte dabei die 1995 ins Leben gerufene und inzwischen bundesweit arbeitende Initiative als anerkannten Kompetenzträger und Motor einer fachlich qualifizierten Wundversorgung vor. Die Aufnahme der in Buchen gegründeten „AG Wunde“ in den Kreis der offiziellen ICW-Arbeitsgruppen bezeichnete er als „weiteren wichtigen Baustein zur Durchsetzung einer zeitgemäßen Wundversorgung und zu einem erhöhten Engagement hinsichtlich der zunehmenden Ausbildung von Wundexperten.


Im ersten Referat des Nachmittags erörterte Karin Protz zahlreiche Details einer „praxisnahen Wundversorgung“. Die Fachautorin und ausgewiesene Expertin rückte zu Beginn ihrer Ausführungen die Relevanz des Symposiums mit folgenden Zahlen ins richtige Licht: Etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter schlecht heilenden Wunden. Nur 30 Prozent aller Wundpatienten seien in Deutschland richtig versorgt. Und jährlich würden in Deutschland 42.000 Amputationen diabetischer Füße erfolgen, was in diesem hohen Ausmaß bei richtiger Wundversorgung nicht zwangsläufig sei.

Die Referentin wies auch darauf hin, dass bisher als „nicht heilbar“ eingestufte Wunden durch zeitgemäße Therapien zum Teil in relativ kurzer Zeit heilen.

Im Hauptteil ihres Referates bezeichnete Frau Protz die „feucht-warme Wundversorgung“ als generelle Leitlinie des aktuellen Wissensstandes. Diese Versorgungsform erweise gegenüber traditionellen Wundauflagen als klar wirksamer. Die Referentin machte dies an zahlreichen Fallbeispielen sichtbar. Als grundsätzliche Voraussetzungen für einen allgemeinen Fortschritt in der Wundbehandlung nannte sie unter anderem ein interprofessionelle Zusammenarbeit  sowie die Verbreitung und Vertiefung des in diesem Zusammenhang dynamisch gewachsenen Wissens.

Das nächste Referat, vorgetragen von Werner Sellmer, beschäftigte sich mit wirtschaftlichen Aspekten der Wundversorgung. Der Referent ist Fachapotheker für klinische Medizin und unterstützt die Arbeit der ICW e.V. im Beirat. Detailliert ging er auf die Erstattungsfähigkeit der Wundversorgungsprodukte durch die gesetzlichen Krankenkassen ein, die sich als sehr eingeschränkt und zum Teil widersprüchlich zeige. Erhellend war auch die vom Referenten vorgenommene Gegenüberstellung der Kosten traditioneller Therapien und moderner Therapien für einen niedergelassen Arzt. Ein Jahr Salbentherapie koste demnach den Arzt 2500 Euro pro Patient, während für die moderne Therapie pro Patient 1800 Euro anfallen. Hinsichtlich der allgegenwärtigen Sorge von niedergelassenen Ärzten, bei aufwendigen Wundversorgungen in Regress genommen zu werden, wies Werner Sellmer Wege auf, wie Budgetüberschreitungen zu begründen sind, dass sie einer Richtgrößenprüfung standhalten.

Das Referat von Thomas U. Keller bildete den Abschluss der Vorträge. Es beschäftigte sich mit der Thematik „Silber in der Wundbehandlung“. Der Biochemiker erläuterte die Wirkweise von Silber, das in jüngster Zeit bei der Wundversorgung immer häufiger eingesetzt wird.  Der Referent warnte dabei vor einer unsachgemäßen „Verpulverung“ diese Waffe gegen Bakterien. Mit dem Verweis auf die inzwischen häufig festzustellende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika sprach sich Herr Keller für den gezielten und restriktiven Einsatz von Silberprodukten aus.

Gruppenbild AK Wundversorgung

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