Landwirte mit FIONA gegen Papierkrieg

05.03.10

Noch ist Bernhard Schäfer aus Mudau-Scheidental skeptisch: Auch bei FIONA, einem Online-Antragsverfahren für Landwirte, das viel Papierkrieg, Zeit und Aufwand sparen soll, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Schulungen, wie sie derzeit im Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes angeboten werden, helfen hier gewaltig. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis/Buchen. (sch) Roland Röcker aus Adelsheim ist kein blutiger Anfänger mehr. Schon 2009 hat der junge Landwirt, der auf dem Wemmershof einen Betrieb mit Milchvieh und Getreideanbau betreibt,  das Flurstücksverzeichnis des „Gemeinsamen Antrags“ mit Hilfe des Online-Antragsverfahrens FIONA am Computer erstellt. Abgeschickt hat er es indes nicht: „Das war mir dann doch noch zu heiß, ich war einfach unsicher, ob´s stimmt.“ Also hat er mit viel Aufwand auch die Papierversion ausgefüllt und eingereicht. Das soll ihm 2010 nicht mehr passieren. Weshalb er einer der ersten ist, die sich im Rahmen des FIONA-Pilotverfahrens im Landratsamt, Fachdienst Landwirtschaft hat schulen lassen.

Beinahe alle Computerplätze im Schulungsraum sind besetzt, Landwirte aus dem gesamten Kreis, von Aglasterhausen bis Schweinberg, haben sich zur ersten Schulung gemeldet. Der nach dem erklärten Willen von Volker Noe, Peter Müller und Gerhard Bundschuh vom Landratsamt noch viele, gerne auch individuell den Wünschen der Landwirte angepasst, folgen sollen. „So gut wie in diesem Jahr werden sie nie mehr geschult“, erklärt Bundschuh den Teilnehmern und begründet diese besonderen Anstrengungen mit dem FIONA-Pilotverfahren, an dem der Neckar-Odenwald-Kreis mit drei anderen Landkreisen in Baden-Württemberg teilnimmt. 500 Antragsteller aus 14 Gemeinden wurden zur freiwilligen Teilnahme ausgewählt. „50 Prozent plus ist unser Ziel. 50 Prozent der Antragsteller oder aber 50 Prozent der Fläche sollen bereits 2010 über FIONA gehen“, erklären die Verantwortlichen.

Zum Hintergrund: Der „Gemeinsame Antrag“ ist ein umfangreiches Formularpaket, das verschiedene Förderverfahren zusammenfasst und mit dem jeder Landwirt in Deutschland einmal jährlich seine Ausgleichsleistungen anmeldet. Die Beratung, die Annahme der Anträge und die entsprechende Abarbeitung bedeuten sowohl für die Landwirte als auch für die Mitarbeiter der Landwirtschaftsverwaltung immer wieder eine besondere Herausforderung.  Speziell bei der Flurstücksbearbeitung müssen regelmäßig viele, viele Fehler im Nachgang manuell berichtigt werden. FIONA steht für Flächeninformation und Online-Antrag und soll hier eine Vereinfachung bringen. Über das Internet können sich die Landwirte im System anmelden und direkt auf ihr Flurstücksverzeichnis zugreifen. Die flurstücksbezogenen Daten für den Gemeinsamen Antrag  können dort eingetragen werden, gleichgelagerte Flurstücke werden zu Sammelbuchungen zusammengefasst. Alle Flurstücke lassen sich auch als Luftbild abrufen. Am Bildschirm können Entfernungen oder Teilflächen ermittelt sowie erforderliche Skizzen erstellt und ausgedruckt werden. Verschiedene Auswertungsmöglichkeiten erleichtern dem landwirtschaftlichen Unternehmer die Antragstellung und ein Prüfsystem macht vorab auf Fehler aufmerksam, die ansonsten erst nach der Antragstellung erkannt würden. Dadurch kann unter Umständen eine Prämienkürzung, in jedem Fall aber zusätzliche Arbeit für alle Beteiligten vermieden werden.

Dennoch war und ist die Skepsis bisher groß unter den Landwirten, die, zumindest in großen Betrieben, mit Computerarbeit durchaus vertraut sind. “Hör mir bloß auf damit“ oder „lass die Finger davon“ hat auch Theo Schadt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und selbst Schulungsteilnehmer, bisher überall von seinen Berufskollegen gehört. Die Vorurteile, nach denen FIONA anwenderunfreundlich sei, stimmen indes nicht. Probleme macht lediglich die Schnelligkeit der Datenverarbeitung, die merklich geringer wird, wenn viele am Netz sind. Diese und weitere Schwachstellen sollen im Verlauf des Pilotprojekts aufgedeckt und behoben werden. „Ansonsten macht das sogar richtig Spaß“, weiß Schadt mittlerweile, der die Bearbeitung seines Antrages inzwischen abgeschlossen hat.

Auch Bernhard Schäfer schwitzt am Computer und versucht, die Anweisungen Volker Noes und seiner Kollegen über knapp drei Stunden – so lange dauert die Schulung – umzusetzen. Noch gibt es auf seinem Hof in Mudau-Scheidental keinen Internetzugang über DSL, zwingende Voraussetzung für die Nutzung von FIONA. Aber der soll kommen und dann ist auch Schäfer gerüstet. Wer ebenfalls am Ende sagen will „Im Prinzip hab ich´s kapiert, da mach ich mit“ und vor allem bei Folgeanträgen viel Papierkrieg, Zeit und Aufwand einsparen will, der kann sich beim Fachdienst Landwirtschaft weiter informieren und zu einer Schulung – es stehen zahlreiche Termine zur Verfügung –  anmelden unter 06281-52121600.

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