Freudenfeuer am Limes

16.03.10

Osterburken erhält Alarm-Warnung aus Miltenberg und gibt sie an Merchingen weiter

(Foto: Adventon)

Osterburken. Feuer verheißen meist nichts Gutes. Oft entstanden sie aus Krieg und Verwüstung, durch Überfälle benachbarter Städte, Völker und Stämme. Für Europa ist das glücklicherweise bereits eine ganze Weile lang her. An die Feuer in der Geschichte, als Zeichen gegen jegliches Vergessen und als Freudenfeuer umgedeutet mahnen im vierten Jahr die Lärmfeuer im Odenwald.

Experimentelle Archäologie heißt eine historische Forschungsrichtung, der sich auch im Odenwald und Bauland immer mehr Menschen verschreiben. Beispielsweise gibt es in Osterburken das Römermuseum mit seinen Limes-Cicerones und den Museumspark Adventon, in dem historische Gebäude in Technik und mit Werkzeug des Mittelalters nachgebaut werden und auch die Landsknechte in Merchingen, die in Lagern der Zeit Wallensteins Geschichte aufleben lassen zählen sich dazu. So haben Untersuchungen am praktischen Beispiel die Annahme bestätigt, dass eine Nachricht vom Odenwald-Limes binnen zwölf Stunden zum Kapitol in Rom gelangen konnte..

Mit Licht- und Rauchzeichen verständigten sich die Menschen überall auf der Erde schon früh, auch im Odenwald. Zum ersten Mal ist für den Dreißigjährigen Krieg wörtlich das Alarmfeuer belegt. Nach den Ergebnissen vertiefender Erkundungen war diese Odenwälder Signallinie Teil eines großen Nachrichtennetzes, das die Rheingebiete mit dem Innern Deutschlands verband. Es diente zur Alarmierung der Bevölkerung beim Anmarsch feindlicher Truppen.

Zwar heißt nur ein einziger Berg im deutschen Sprachraum wie dieses Feuer, allerdings erinnern zahlreiche Berg- und Flurnamen an solche Funktion. 502 Meter hoch ist „der“ Lärmfeuer in der Gemarkung des Mossautaler Ortsteils Ober-Mossau.

Andere Berge dieser Art heißen Wachenberg, Wartberg, Spielberg (Spiegelberg) und Signalberg – all diese Titel deuten auf die frühere Funktion als Signalstationen durch Feuer, Rauch oder Spiegel zur Weiterleitung von Nachrichten hin.

Eine Alarmkette aus römischer Zeit ist der Limes, an dem sich von Wachturm zu Wachturm die Informationen Richtung Nord und Süd entlang hangeln konnten. Wie schnell mag sich die Nachricht, dass das Osterburkener Kastell um 400 überfallen wurde verbreitet haben? Sein neuzeitliches Zeichen erhalten die Römer am 27. März allerdings aus dem Miltenberger Stadtteil Wenschendorf. Weil zwischen Osterburken und Wenschendorf noch weitere Signalfeuerstationen fehlen, ist es wahrscheinlich nicht wirklich von „Borke“ aus zu sehen und bleibt ein Konstrukt. Aber weil die Wenschendorfer schon in alter Zeit um die „schlechte Sicht“ wussten, bedienten sie sich eines Tricks, wie viele andere Dörfer auch: Sie entfachten eine Signaltanne. Noch vor wenigen Jahren stand in Wenschendorf eine Baumruine, die vom Sturm gefällt wurde. Sie trug den Namen Signaltanne. Als der Baum umfiel, entdeckte man an seinem obersten Ende einen geschmiedeten Eisenreif, an dem vermutlich ein brennender Pechkranz oder Feuerkorb hochgezogen wurde und der weithin sichtbar war und durch emporsteigenden Rauch oder Feuer auch bei Nacht die Bevölkerung und die bewaffnete Zentmannschaft in Alarmbereitschaft versetzte.

Diese Tanne war also ein Glied der Signalkette, die vom Main in den Spessart und das südöstliche Bauland und somit nach „Ostburgheim“ reichte. Am 27. März nehmen hier die Living-History-Darsteller aus Auxiliaren, Cicerones und Populares das Signal auf, tragen es als Fackellauf auf die vier Kilometer entfernte Marienhöhe, die mehr als einmal in der Geschichte selber überfallen wurde und so unfreiwillig als Lärmfeuer diente. Hier wird ein großes Alarmfeuer gegen 20.30 Uhr entfacht und so die Bieringer Höhe verständigen, wo die Landsknechte ihren Alarm gerne wie in alten Zeiten auch in den Kraichgau weiterreichen würden. Hier allerdings endet vorläufig die Geschichte, denn Richtung Süden sind die Landsknechte die letzte Station in 2010.

Alle zwei Minuten wird am 27. März zwischen Spessart, Bergstrassee, Neckartal und Jagsttal ein Alarmfeuer in einer festgelegten Reihenfolge entzündet. Die Bevölkerung ist eingeladen, die Fackelwanderung vom Römermuseum vorbei an der Limesrekonstruktion bis zur Marienhöhe mit zumachen, oder erst am Zielort in Adventon dem Entzünden des Feuers beizuwohnen. Teilnahme an der Limeswanderung wie am „Feuerabend“ sind kostenlos, es wird kein Eintritt erhoben. Fackeln für die Wanderung können am Römermuseum erstanden werden.

Infos im Internet:
www.roemermuseum-osterburken.de
www.mittelalterpark.de.

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