Gwennyn eröffnet Kulturkommode 2010

18.03.10

(Foto: Michael Pohl)

Osterburken. (hu) Das dreizehnte Jahresprogramm der Kulturkommode eröffnete die aus der Bretagne stammende Sängerin Gwennyn Louarn mit ihrem Konzert in der Alten Schule in Osterburken. Gwennyn ist eine der jungen bretonischen Sängerinnen, die derzeit als ganz neues Phänomen auf den Bühnen in deren Region, aber auch immer häufiger außerhalb der Bretagne musizieren.

Auf dem fruchtbaren Boden des traditionellen keltischen Repertoires, jedoch versetzt mit modernen Akzenten aus dem anglo-sächsischen Pop-Rock, und in ihrer bretonischen Muttersprache, komponiert Gwennyn Chansons, die alle einen Bezug zu ihrer eigenen Gegenwart haben, seien es die Traditionen ihrer Heimat oder globale, politische Ereignisse, die sie berühren.

So hat sie „Bugale Belfast“ den Kindern von Belfast und „Bosko hag admira“ einem Liebespaar, das im Krieg in Sarajevo gefallen ist, gewidmet. Als Kontrapunkt singt sie Lieder, die Märchen und Geschichten erzählen und die Phantasie heraufbeschwören, auch die, dass ein anderes Leben jenseits von Krieg und Gewalt möglich ist. Es dreht sich in Gwennyns Konzerten auch um die bretonische Gesellschaft und ihren Alltag. In „Cyber fest noz“ beschreibt sie die Tanzfeste am Ende eines Tages harter Feldarbeit und bei „We can plinn“ gelingt es Gwennyn sogar, das Publikum zum Mittanzen zu bewegen.

Die Sprache stellt für Gwennyn einen ebenso wichtigen Bestandteil ihrer Musik dar wie die Melodie, die instrumentale Begleitung oder der Einsatz ihrer Stimme. Denn „jede Sprache bietet ganz bestimmte, eigene tonale Möglichkeiten, sich musikalisch mit ihr auszudrücken“. Glücklicherweise erläuterte die sympathische Künstlerin die Hintergründe zur Entstehung der Songs in einer charmanten Mischung aus Deutsch und Französisch, was es für das Publikum möglich machte, die Inhalte ihrer Musik besser zu erfassen.

An der Gitarre begleitet wurde Gwennyn von ihrem Lebensgefährten Patrice Marzin, einem hochkarätigen und deshalb in der französischen Folkszene sehr geschätzten Instrumentalisten, der auch für die Arrangements der von Gwennyn selbst getexteten Lieder und die Produktion ihrer aktuellen CD „Mammenn“ verantwortlich zeichnet. In einer Solo-Improvisation bewies er, wie unendlich vielseitig dieses Saiteninstrument ist: vom melancholischen Balladenklang bis zum wilden Freudentaumel erschuf Marzin eine mitreißende musikalische Reise.

Gwennyn singt ihre persönlichen, teilweise sehr poetischen Geschichten mit klarer, heller Stimme und nimmt die Zuhörer sowohl mit ihrem Charme als auch mit ihrer engagierten Vortragsweise von Anfang an für sich ein. Dass diese einen zauberhaften Abend mit zwei großartigen Musikern erleben durften, zeigte der deutlich geforderte Wunsch nach mehreren Zugaben.

Infos im Internet:
www.kulturkommode.de

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