Straffälligenhilfe war sein Anliegen

24.04.10

An sozial engagierten Juristen erinnert

Übergangswohnheim für Haftentlassene heißt nun „Peter-Krattinger-Haus“ (Foto: privat)

Mosbach. (bd) Mehr als ein Viertelahrhundert existiert das Heim schon, nun wurde dem  Übergangswohnheim für Haftentlassene ein Name gegeben: Peter Krattinger-Haus.

Das Haus in der Mosbacher Böhmerwaldstraße wurde 1983 vom Bezirksverein für soziale Rechtspflege ersteigert. Der 1961 gegründete Verein – einer von zwei Dutzend in Baden – hat es sich zur Aufgabe gemacht, Straffällige wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Federführend bei der Konzeption und Realisierung des Übergangsheimes war der seinerzeitige Vorsitzende des Vereins, Dr. Peter Krattinger. Der im Februar vergangenen Jahres verstorbene Jurist, Vizepräsident des Mosbacher Landgerichts Ende der 1980er Jahre, war maßgeblicher Initiator des Projekts – die Straffälligenhilfe war sein Anliegen in besonderem Maße. Seit der Inbetriebnahme  finden Menschen dort eine vorübergehende Bleibe, die aus der Haft entlassen werden oder eine Bewährungsstraße verbüßen und unter akutem Wohnraumverlaust leiden.

Heute hat Hendrik Gaude, Richter am Mosbacher Amtsgericht, den Vorsitz des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege inne. Mit der Anbringung der Namenstafel wolle der Vorstand das „große Engagement unseres Kollegen ehren und Verbundenheit demonstrieren“, so Gaude bei der Enthüllung der Namenstafel zu den Gästen. Zu denen zählten neben Juristen (u.a. der frühere Präsident des Landgerichts Mosbach Dr. Burkhard Kühn), Sozialarbeitern und  Bewährungshelfern, auch die Witwe und der Sohn des Verstorbenen, Dr. Irmgard Hannak-Krattinger und Wolfram Krattinger.

Das Namens-Schild aus Messing wurde in der Justizvollzugsanstalt Adelsheim gefertigt, von wo zahlreiche Anfragen für eine Aufnahme im Übergangsheim kommen. Maximal sechs straffällige junge Erwachsene können in dem Zweifamilienhaus Unterkunft erhalten. In Einzelzimmern – teils mit eigener Küche – sollten die Männer und Frauen möglichst nicht mehr als ein halbes Jahr leben. Für diese Zeit schließen sie einen Betreuungsvertrag mit der Verpflichtung, dass sich der Bewohner zusammen mit einem Sozialarbeiter darum bemüht, die jeweilige Lebenssituation positiv zu verändern. Stefan Kruse ist Sozialarbeiter in den Diensten des Vereins und leitet das Heim seit Mitte der 1990er Jahre. Er unterstützt gemeinsam mit Sozialarbeiterin Claudia Beintner die Probanden dabei, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und eine Wohnung zu finden, erstellt Bewerbungsunterlagen, vermittelt bei der Staatsanwaltschaft, der Bewährungshilfe oder vor Gericht. Das Prinzip, nach dem beide handeln: „Im Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe.“

Dass ein Haus, in dem Strafentlassene leben und wo häufig Bewohnerwechsel stattfinden, kritisch beäugt wird, ist für die Leiter erklärbar. In den vergangenen 25 Jahren sei die Akzeptanz jedoch stetig gewachsen, unvermeidliche Konflikte „konnten wir stets intern klären.“ Wo auf engem Raum unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zusammenkommen, könne es nur in gegenseitiger Rücksichtnahme funktionieren, sehen die Sozialarbeiter im Zusammenleben bereits guten Lernstoff für das Ziel, ein selbständiges, straffreies Leben.

Peter Krattinger stand nicht nur dem Bezirksverein für soziale Rechtspflege viele Jahre und bis in die Zeit des Ruhestands vor, als Mitgründer und Gründungsvorsitzender des Kunstvereins Neckar-Odenwald hat er sich auch im Kulturleben der Region bleibende Verdienste erworben. Im Jahre 2007 war ihm dort der Ehrenvorsitz verliehen worden.

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