Kochen wie im Mittelalter

25.05.10

Satt werden ohne Kartoffelprodukte – Museums-Combiticket gilt

(Foto: Adventon)

Osterburken. Kochen wie im Mittelalter, das ist viel schwerer, als man sich das vorstellt. Eine Vielzahl von Feuerstellen, eine Vielzahl von Personen und eine rechte Menge an Utensilien sind dafür erforderlich. Ein kleiner Einblick gefällig? Am 29. Und 30 Mai gastieren die Darsteller des mittelalterlichen Templer-Ordens auf der Marienhöhe und die Mitglieder des Siedler-Vereines zelebrieren mittelalterliches Kochen.

Am Samstag, wenn die Templer sich in Exerzitien üben, ihren Andachten nachgehen, die Waffen pflegen und die Besucher unterhalten, stehen Mägde und Knechte, Köche und Küchenhilfen nicht maulfaul daneben. Geschält, gehackt, ausgeblasen, geknetet und gewalkt wird da auf allen Brettern und Theken, was das Zeug hält. Es gilt zu zeigen, dass die Kartoffel nach 1492 Ersatz wurde für eine Vielzahl von Gerichten und Zutaten, die das Leben bereicherten. Die Eigenschaften der Kartoffel als Beilage zu ersetzen ist ein Ziel der Vorführungen im Erlebnismuseum von Osterburken. Ein anderes natürlich auf die alten Techniken, Rezepte und Verfahren zu verweisen und Geschichte so anfassbar und lebendig werden zu lassen.

Vier Speisen und vier Soßen, scharf, süß, salzig und fruchtig-pikant und die Variationen daraus stehen am Samstag im Mittelpunkt der kulinarischen Betrachtungen. Der Sonntag steht dann ganz im Zeichen der Eierspeisen. Neben einem Blick über den geschichtlichen und kochkünstlerischen Blick über den Tellerrand hinaus nach Italien und Frankreich gibt es den Spiegelei-Vergleich von der Wachtel bis zum Strauß. Nicht mittelalterlich? Na dann hören sie mal, was Holger Lauerer und sein Team zu erzählen hat.

An der Hauptbühne bei den Birnenbäumen betreut Holger Lauerer die Feuerstelle. Am Samstag wird hier die Herstellung einer  Johannisbeersoße zelebriert, am Sonntag werden Eier befüllt. Die ausgeblasenen Kalkhüllen werden mit einer Teigmischung befüllt und zum Garen ins Feuer gelegt.

Die Feldküche bei der Köhlerparzelle sieht richtig mittelalterlich aus. Solche Feldküchen hatte man immer gleich neben dem Haus, um zu vermeiden, dass die ganze Burg, die Hütte oder das Haus abgefackelt wurden, wenn die Funken des Feuers oder der Kohle in die Dachdeckung aus Stroh wehten. Wie krumme Krapfen aussehen,  und was diese mit Knoblauchsoße zu tun haben erläutert Beate Lauerer. Kleiner Tipp: Aus Käseteig geformte Hufeisen in Fett ausgebacken.

Die Zugvögel, Aves peregrina oder auch Reisemeisen, wie sie die Mitglieder des Siedlervereines Adventon nennen kümmern sich über einer anderen Feuerstelle um Abtsknödel in feiner Dijonsenfsauce. Sie sind in etwa zu vergleichen mit heutigen Serviettenknödeln aus Hefeteig, der in Dampf gegart wird. Für den Sonntag haben sich die Odenwälder und Bauländer ein Eierragout vorgenommen.

Im Hof der Marienhöhe, gleich rechts vom Eingangstorhaus kocht Clare Goldstein. Auf dem Dreibein und in der Glut garen Probstsemmel und Weichselsoße. Klar, dass hier nicht jeder gleich weiß, was damit gemeint sein kann. Am Samstag den 29. Mai kann man das im Hof des Museumsdorfes erfahren – und probieren.

Rose Waschek kocht hinter dem Herrenhaus. Semmeltortem, das hört sich noch immer exotisch an und nach Torte. Aber zum einen ist das inzwischen auf der Marienhöhe wohl probiert und schmeckt den Besuchern der Abendveranstaltungen regelmäßig. Zum Anderen hat es nichts mit einer Torte im neuzeitlichen Sinne gemein, sondern ist eher deftig. Ein Kuchen, knusprig gebacken aus geriebenen Semmeln. Was es mit diesem Gericht genau auf sich hat erklärt sie an ihrem Backsteinofen. Am Sonntag zeigt sie die reine Lehre vom Spiegelei: Wachteleier, Enteneier, Hühnereier und das große Straußenei. Macht es nur die Größe, oder schmecken die Eier auch unterschiedlich?

Bei der Familie Kaiser gibt es Eierteigstäbchen mit Knoblauchsoße. Auch dies ist nur für den Laien etwas Neues. Die Mittelalterlichen fliegen auf diese wie Pommes aussehenden Stäbchen, die man übrigens genauso garnieren kann: rot-weiß. Allerdings hatten die Menschen vor 500 Jahren es nicht so mit Majonaise und Ketchup, weshalb man eher Pflaumentunke und Chilipaste oder eben Knoblauchsoße als Dipp nutzte.

Alle Feuerstellen funktionieren über die historischen Garquellen. Dabei verzichtet man heute weitgehend auf den Appetit zügelnde Brennmittel wie etwa getrocknete Kuhfladen. Selbst Torf ist heute ein dem Geschmack abträgliches Heizmittel. Allein um das Brennholz für die zwei Tage aufzubereiten haben zwei Knechte zwei Tage lang gehackt und gesägt, Holz zu Kohle verschwelt und Feuerstellen vorbereitet.

An allen Vorführaktionen kann man Fragen stellen und mehrmals am tag hält Holger Lauerer Vorträge darüber, wie die Menschen damals Essen und Gesundheit verstanden. Am Samstag endet alles in einer großen Tafel der Köche und Siedler an der Bühne, bei der die Besucher nach allem Probieren und Kosten „Zaungäste“ sind. Am Sonntag läuft es bei den Eierspeisen auf „Fingerfood“ hinaus. Am Backofen, im Spießbürger und im Karfunkel-Café gibt es herkömmliches neuzeitliches Essen für alle, die satt werden wollen. Wer die Rezepte selbst ausprobieren will, kann im Büchercafé unter zahlreichen Büchern und Zeitschriften, Rezeptsammlungen und klösterlichen Empfehlungen auswählen und alles daheim nachkochen. Übrigens gibt es ab Herbst dieses Jahres Kochkurse im Erlebnismuseum.

Wer Zeit und Lust hat, kann die Chance nutzen und sowohl das Limesmuseum, als auch das Erlebnis Museum Adventon mit dem neuen Combiticket besuchen. Das Ticket gibt es im Bürgerbüro und in beiden Museen an der Tageskasse. Geöffnet ist Adventon von 11 – 19 Uhr.

Infos im Internet:
www.adventon.de

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