Begeisterter Applaus in „St. Sebastian“

26.07.10

Musikverein Seckach – Fünf Viertelstunden kurzweiligster Unterhaltung

Lukas Bender an der Orgel. (Fotos: Liane Merkle)

Seckach. (lm) Nachdem das Publikum in der sehr gut besuchten Seckacher Kirche „St. Sebastian“ den örtlichen Musikverein fast zwei Stunden mehr oder weniger „im Nacken“ sitzen und dennoch aufgrund des überragenden Konzerts schon zweimal Standing Ovations gegeben hatte, formierte es sich bei der wirklich gewaltigen Zugabe von Johann Sebastian Bachs „Toccata in d-Moll“ um den Orgelraum, um ja keinen der begnadeten Töne zu verpassen. Ein dritter lang anhaltender Applaus schallte danach durch den Kirchenraum und bestätigte die Entscheidung der Verantwortlichen, am Stelle des zweitägigen Sommerfestes ein Kirchenkonzert anzubieten.

Im Rahmen seiner Begrüßung erläuterte Hermann Schmitt als 1. Vorsitzender, dass sich der Musikverein im doch sehr beengten Orgelraum formiert habe, weil man einige Stücke zusammen mit der Orgel spielen wolle, und die Feinabstimmung nur funktioniere, wenn man beisammen sei.

Gerade die „Toccata“ überzeugte davon auch das Publikum. Als eines der bekanntesten Orgelwerke von Bach, war dieses Stück für den Musikverein eine echte Herausforderung. Martin Hess gab als musikalischer Leiter ohne Hemmungen zu „Da gibt es Passagen, die können wir Bläser einfach nicht bewältigen“, doch was machbar sei, werde man übernehmen und den Rest getrost und vertrauensvoll Lukas Bender an der Orgel überlassen. Und gerade dieser Kontrast zeigte die beeindruckende und unvergessliche Besonderheit dieser Komposition und veranlasste das Publikum zu Spontanapplaus, obwohl der verdiente Beifall erst am Ende des Konzerts aufbrausen sollte. Dem gingen fünf Viertel Stunden kurzweiligster Unterhaltung voraus.

Den Beginn machte die derzeit personell sehr geschrumpfte, doch qualitativ hochwertige Jugendkapelle unter der Leitung ihrer Dirigenten Gregor Kleine-Limberg und Dirigenten Gregor Kleine-Limberg mit de, Taizée-„Hallelujah“, dem Kanon „Oh wie wohl ist mir am Abend und dem Irischen Segenslied „Bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“. So eingestimmt konnte die Stammkapelle unter musikalischer Leitung gleich in die Vollen gehen und zunächst musikalisch die romantische und atemberaubende Schönheit „Jenseits von Afrika“ beschreiben. Bei diesem Stück von Glensek und Barry waren vor allem die Percussion gefordert. Im darauf folgenden „Flashing Winds“ von Jan van de Roost durften nicht nur die Bläser strahlen, sondern jedes einzelne Register.

Fotogalerie (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

[nggallery id=40]  (Fotos: Liane Merkle)

Und die Macht der Liebe verdeutlichte Martin Hess anhand einer reizenden Geschichte über die Selbstbestimmung von Gefühlen und Zeit bevor seine Musiker „The Power of Love“ (G. Mende, J. Grain) instrumental zum Leben erweckten. Nahezu explodierende Emotionen hörte man bei „Tournament“ von S. Bulla. Und die Erläuterungen des musikalischen Leiters luden das Publikum ein zu einer Reise ins Mittelalter, kurz vor einem entscheidenden Turnier zweier Ritter. Und das unblutige Ende wurde im letzten Moment durch die Tochter des Königs bewirkt. Sie warf ein weißes Tuch zu Boden bevor der Kampf beginnen konnte. „Gabriels Oboe“ (E. Morricone, F. Bernaerts) konnte in dem Film „The mission“ den Eingeborenen den christlichen Glauben näher und das Seckacher Publikum zum Träumen bringen, bevor die „Toccata in d-Moll“ die musikalischen und unmusikalischen Seelen im Innersten traf. Und schließlich beendeten die Aktiven des Musikvereins Seckach ihr anspruchsvolles Programm mit dem „Hallelujah“ aus dem Film des durch und durch zufriedenen „Shrek“.

Hermann Schmitt dankte abschließend allen, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Besonders aber Lukas Bender für seine Kooperation, den beiden Hausherren Pfarrer Drahtschmidt und Pfarrer Schneider sowie dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Matthias Nassellu. Dieser erläuterte, dass gerade die Arbeit des Musikvereins Gemeinde ausmache und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Musikverein dieses Konzert in seiner integrativen Funktion ins Jahresprogramm aufnehme und weiterhin zahlreiche Festgottesdienst so eindrucksvoll umrahme, bevor er die Gemeinde zu dem Schlusslied „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ aufforderte.

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