Zwillinge überfallen drei Banken

04.08.10

Miltenberg/Asbach. Nach sehr intensiven Ermittlungen ist es der Kriminalpolizei Aschaffenburg in enger Zusammenarbeit mit ihren Kollegen der Kripo Mosbach gelungen, drei Banküberfälle in den Landkreisen Miltenberg und Neckar-Odenwald-Kreis aufzuklären. Als dringend tatverdächtig wurden Zwillinge aus Baden-Württemberg am Dienstagmorgen festgenommen. In einer Wohnung stellten die Beamten eindeutige Beweismittel und Teile des geraubten Geldes sicher. Die Männer werden im Laufe des Mittwochs dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

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Wie bereits mehrfach berichtet, hatte ein Unbekannter am 08. Juni 2010 die Raiffeisenbank-Filiale im Klingenberger Ortsteil Trennfurt überfallen. Der mit einem Motorradhelm maskierte Mann hatte eine Angestellte mit einer Waffe bedroht und sich mehrere tausend Euro in eine mitgebrachte Plastiktüte einpacken lassen. Bevor der Bankräuber flüchtete, sperrte er die zwei Bediensteten in einen Nebenraum. Dort wurden die Frauen kurze Zeit später von einer Besucherin der Bankfiliale entdeckt.

Am 16. Juli lief dann in Kirchzell ein Banküberfall nach dem gleichen Muster ab. Erneut war es ein Unbekannter, der bei der Tatausführung einen Motorradhelm trug und einer Bediensteten eine Pistole vorhielt. Dem Mann wurden wiederum einige tausend Euro ausgehändigt. Auch diesmal gelang dem Bankräuber trotz einer sofort eingeleiteten Großfahndung die Flucht.

Den Ermittlern der Kriminalpolizei Aschaffenburg war schnell klar, dass man es aufgrund der fast identischen Tatausführung und der auffallenden Übereinstimmung bei der Beschreibung – insbesondere der auffallende Bauchansatz und der jeweils getragene Motorradhelm – offensichtlich mit demselben Täter zu tun hatte.

Zahlreiche Zeugenvernehmungen und äußerst intensive Ermittlungen, die in enger Absprache mit der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg geführt wurden, brachten den Sachbearbeiter nach und nach auf die Spur eines Mannes aus Baden Württemberg. Bei den weiteren Recherchen erhärtete sich nicht nur der Tatverdacht gegen ihn. Vielmehr gab es deutliche Anzeichen dafür, dass auch dessen Zwillingsbruder bei den Banküberfällen aktiv mitgemischt hatte, indem er als Fahrer des Fluchtautos fungierte.

Zudem stellte sich heraus, dass die Brüder auch in Baden-Württemberg für einen Banküberfall mit einigen tausend Euro Beute verantwortlich waren. Bereits am 26.03.2010 war eine Volksbankfiliale in der Gemeinde Obrigheim – Asbach im Neckar-Odenwald-Kreis überfallen worden. Auch hier war eine Waffe benutzt worden und erneut spielten der verräterische Bauchansatz und ein Motorradhelm bei der Beschreibung eine wichtige Rolle.

Nachdem sich die Verdachtsmomente konkretisiert hatten, ergingen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg Durchsuchungsbeschlüsse gegen die beiden Männer. Am Dienstagmorgen tauchten Kripobeamte aus Aschaffenburg und Mosbach an den Wohnungen der Beschuldigten auf. Die völlig überraschten Tatverdächtigen ließen sich widerstandslos festnehmen.

Bei den Wohnungsdurchsuchungen stellten die Polizisten bei einem der Männer die Tatwaffe sicher, bei der es sich um eine täuschend echt aussehende Schreckschusspistole handelte. Außerdem fielen den Fahndern eine bei den Überfällen verwendete Motorradüberziehhaube, ein Motorradhelm und mehrere tausend Euro des geraubten Geldes in die Hände.

Die Festgenommenen wurden anschließend nach Aschaffenburg gebracht. Dort legte einer der Beschuldigten ein Geständnis ab, während sein Bruder zu Beginn seiner Vernehmung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte. Es ergaben sich Hinweise darauf, dass die Bank in Kirchzell schon Anfang Juni überfallen werden sollte. Allerdings hatte der Täter in dem Geldinstitut offenbar kalte Füße bekommen und sein Vorhaben damals aufgegeben. Außerdem stellte sich heraus, dass die Kriminalpolizei durch ihre Festnahmeaktion weitere Banküberfälle, die bereits geplant waren, rechtzeitig verhindern konnte. Das Motiv für die Straftatenserie liegt vermutlich in der schlechten finanziellen Situation der Brüder.

Die Nacht zum Mittwoch verbrachte das Duo in einer Arrestzelle der Aschaffenburger Polizei. Die Zwillingsbrüder wurden am Mittwochvormittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Ermittlungsrichter in Aschaffenburg vorgeführt. Gegen beide Männer erging Haftbefehl. Anschließend wurden die Beschuldigten in Justizvollzugsanstalten eingeliefert.

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