„Die Region deckt den Tisch“

05.08.10

Buchen/Adelsheim. Sonntag, Zeit zum Mittagessen. Der Tisch wird gedeckt und allerlei Gutes wartet darauf, verzehrt zu werden: Rumpsteaks aus argentinischem Rindfleisch, Zwiebeln aus Neuseeland, der Blumenkohl aus Italien, die Kartoffeln aus Israel – weil die heimischen Frühkartoffeln doch noch so teuer sind. Zum Nachtisch einen Obstsalat aus brasilianischen Mangos, chilenischen Äpfeln und griechischen Trauben. Und der Wein kommt aus Südafrika.

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Wer „unkritisch“ einkauft, der wird ganz schnell Produkte aus aller Herren Länder in seinem Korb finden, von denen er definitiv nicht weiß, unter welchen Bedingungen und mit welchen „Hilfsmitteln“ sie produziert und frisch gehalten wurden. Ein Zeichen gegen dieses Verbraucherverhalten wollen die katholische und die evangelische Kirche im Kreis mit einer Veranstaltung am Erntedanksonntag, dem 3. Oktober 2010, setzen: mit einem gemeinsamen Essen unter dem Namen „Die Region deckt den Tisch“ in Buchen und in Adelsheim. Erntedankgottesdienste beider Konfessionen werden vorausgehen.

Die Idee zu dieser Veranstaltung hatte Landrat Dr. Achim Brötel, eingebunden sind folgerichtig der Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes, der Kreisbauernverband und die Ländliche Heimvolkshochschule Neckarelz. „Unserer landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich zum Teil in schwierigen Situationen und brauchen neue Perspektiven. Die Direktvermarktung heimischer Produkte kann eine dieser Perspektiven sein“, erklärt der Landrat dazu. Der aus ähnlichen Beweggründen eingeführte „Brunch auf dem Bauernhof“, der kürzlich zum dritten Mal durchgeführt wurde, erfreut sich im Übrigen ebenso großer Beliebtheit wie die Direktvermarkterbroschüre, die alle Direktvermarkter im Kreis auflistet und die vor wenigen Wochen neu erschienen ist. Tatsächlich gibt es immer mehr Verbraucher, denen die Herkunft und die Qualität ihrer Lebensmittel nicht egal sind und die Wert auf einen sowohl regionalen als auch saisonalen Einkauf legen. Was bedeutet, dass es Erdbeeren eben nur im Juni geben kann und nicht im Dezember.

Die Verbindung mit dem christlichen Erntedankfest ist naheliegend und die Idee wurde von den Dekanen beider Konfessionen Dirk Keller, Rüdiger Krauth und Johannes Balbach gerne aufgenommen und weiterentwickelt. Rolf Brauch, Bildungsreferent der Ländlichen Heimvolkshochschule Neckarelz, macht sich dazu folgende Gedanken: „Am Erntedankfest bekennt die christliche Gemeinde, dass sie ihr Leben und auch die Lebensmittel nicht der eigenen Leistung, sondern allein Gott zu verdanken hat. Als „Mitarbeiter Gottes“ sorgen die Bäuerinnen und Bauern trotz aller Technik noch immer im Schweiße ihres Angesichts für eine große Vielfalt. Die allerdings müssen sie zu Preisen verkaufen, die kaum ihre Zukunft sichern kann. Da braucht es Solidarität und Unterstützung, gerade von uns Christinnen und Christen, aber auch von der ganzen Gesellschaft.“

Im besten ökumenischen Sinn laden die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden gemeinsam zu den parallel laufenden Veranstaltungen in Buchen und Adelsheim ein, bei denen einzelne landwirtschaftliche Betriebe ein attraktives Angebot bieten werden, das das komplette Spektrum eines reich gedeckten Frühstücks- und Mittagstisches umfasst und auch bei den Getränken klare Akzente auf regionale Produkte legt – also heimische Milch und Apfelsaft statt  Rooibos-Tee und Maracuja-Nektar.

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