Ärztekontakte über Landesgrenzen hinweg

15.08.10

Werbung

Nachwuchsprobleme bei Neubesetzungen

Neben seiner Arbeit im Operationssaal und am Krankenbett verbringt Dr. Harlad Kirr, der Chefarzt der Visceral- und Allgemeinchirurgie an den Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach und Buchen, auch viel Zeit bei Besprechungen und am Schreibtisch. „Manchmal mehr, als mir lieb ist“, wie er bekennt. (Foto: LRA)

Mosbach. Ein Arzt muss sich um seine Patienten kümmern, in seiner Praxis, im Krankenhaus, als Chirurg auch im OP. Dieser landläufigen Vorstellung entspricht Dr. Harald Kirr, seit knapp 17 Monaten Chefarzt der Visceral- und Allgemeinchirurgie in den Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach und seit dem Ausscheiden von Dr. Evertz auch in Buchen. Mit sehr gutem Erfolg, wie Kirr anmerkt: die Fallzahlen sind enorm gestiegen. Wer aber glaubt, dass der Chirurg seinen Arbeitstag ausschließlich im OP oder am Krankenbett zubringt, der irrt. Tatsächlich verbringt er viel Zeit am Schreibtisch – mehr, als ihm manchmal lieb ist.

Tatsächlich steht ein Krankenhausbetrieb auf äußerst komplexen Beinen, ständig stehen politisch gewollte Änderungen an, Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen müssen geführt werden, „Deckel“ sollen sich dabei heben, freie Arztstellen gilt es zu besetzen und die Abteilungen an sich müssen natürlich auch geführt werden – ein weites Feld also für einen Chefarzt, der sich in all diesen Bereichen einbringt, dessen Spezialgebiet aber eigentlich die operative Behandlung der Schilddrüse und der Bauchorgane einschließlich der Speiseröhre ist. „Ich krieg das ganz gut geregelt“, erklärt Dr. Kirr erfreulich unaufgeregt zum Thema Arbeitspensum.

Im Moment konzentriert er sich in ärztlicher Hinsicht sehr auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Kollegen Dr. Rüdiger Mahler, der seit einigen Wochen als neuer Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, in Buchen arbeitet. „Die Klinik in Mosbach, aber auch die in Buchen entwickeln sich sehr gut. Ich habe speziell mit Dr. Evertz gut zusammengearbeitet, werde jetzt aber mit Dr. Mahler neue Schwerpunkte setzen. Wir sind eng verzahnt, ergänzen uns ideal und profitieren sehr voneinander, zum Wohle der Patienten.“ Beide sind Spezialisten, was die Bauchorgane einschließlich Darm betrifft. Während Dr. Mahler Erkrankungen mittels „interventionelle Endoskopien“ (Spiegelungen mit entsprechenden Eingriffsmöglichkeiten) behandelt, operiert Dr. Kirr die Patienten, bei denen es unumgänglich ist. Natürlich möglichst minimalinvasiv, also mit nur kleinen Schnitten, was sehr viel schonender für den Kranken ist.  „Da beraten wir uns intensiv, übernehmen und übergeben Patienten auf ganz kurzem Dienstweg. Das spart Zeit und unnötige Doppeluntersuchungen“. Mittelfristig soll so ein „Bauchzentrum“ an den Neckar-Odenwald-Kliniken entstehen.

Als problematisch sieht der Chefarzt die Besetzung frei werdender Arztstellen an. „Wir kriegen kaum Leute. Was nicht nur uns betrifft, selbst große, renommierte Häuser wie die Orthopädie in Schlierbach haben mittlerweile Nachwuchsprobleme.“ Trotzdem ist er zuversichtlich, dass bald ein neuer Gefäßchirurg an die Neckar-Odenwald-Kliniken kommt. Was besonders schwierig sei, denn „Gefäßchirurgen gibt es viel zu wenige“, weiß Dr. Kirr, der selber aus der Gefäßchirurgie kommt.

Trotz eines ausgefüllten Arbeitstages nimmt sich der Chirurg immer auch Zeit für die Kontaktpflege zu den niedergelassenen Ärzten, neuerdings sogar über die Landesgrenzen hinaus bis ins bayrische Amorbach oder, ganz zwanglos, bei regelmäßigen Stammtischen. „Da ist in der Vergangenheit vielleicht der Eindruck entstanden, dass da nicht viel zusammenläuft. Das kann ich aber überhaupt nicht bestätigen, meine Kontakte sind gut und sollen das auch bleiben. Daran arbeite ich, denn die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen ist ein Geben und ein Nehmen.“

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: