Kühler Kopf, ruhige Hand, warmes Herz

19.08.10

Wie wird ein Gips fachmännisch angelegt? Praxisstunden wie diese sind neben umfangreichen Theorieblöcken Teil der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, die in den letzten 49 Jahren – 2011 steht ein Jubiläum an –  knapp 700 junge Leute in Mosbach durchlaufen haben. (Foto: LRA)

Mosbach. 1961 gab es einen akuten Mangel an Schwestern im Kreiskrankenhaus Mosbach – die Geburtsstunde der damaligen Schwesternschule. Die nannte sich bald um in Krankenpflegeschule, später in Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Mittlerweile marschiert das „Bildungsinstitut für Gesundheits- und Krankenpflege“ – so der Name ab dem 01. Oktober 2010 – stramm auf den 50. Geburtstag zu, der im Oktober 2011 gefeiert wird. Knapp 700 examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger und –pflegerinnen werden dann diese Schule durchlaufen haben. Und ähnlich wie beim sich stetig wandelnden Namen erinnern nur noch wenige Lerninhalte an die aus den frühen sechziger Jahren.

62 Ausbildungsplätze stehen an dieser zu den Neckar-Odenwald-Kliniken gehörenden Schule zur Verfügung. Mit den sonstigen Lehrberufen, die die Kliniken anbieten, stellt man damit einen der größten Ausbildungsbetriebe im Kreis. „Damit erfüllen wir einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag und stellen uns der sozialen Verantwortung“, betont die Leiterin der Schule, Brunhilde Marquardt, Lehrerin für Pflegeberufe und examinierte Krankenschwester – so hieß die Berufsbezeichnung zu „ihrer“ Zeit. Niemand sonst könnte den großen Wandel, den die Ausbildung durchgemacht hat und dem sie auch weiterhin unterliegt, besser beurteilen als sie, die betont: „Der Pflegeberuf hat sein „schwesterliches Dienen“ hinter sich gelassen.  Pflege beinhaltet heute unter anderem Anleitung, Schulung und Beratung zur Selbsthilfe. Auch die Rolle des Kranken hat sich verändert. Er kann heute selbst bestimmen und aktiv an seiner Genesung arbeiten.“ Umfangreiche Handlungskompetenz erlangen die Auszubildenden über drei Jahre durch anspruchsvolle Ausbildungsinhalte, gegliedert in Theorie (2.100 Stunden) und Praxis (2.500 Stunden) und vermittelt über moderne Unterrichtsmethoden von entsprechenden Fachlehrern und Dozenten.

An Bewerbungen mangelt es der Schule nicht; nach einem sorgfältigen Auswahlverfahren können allerdings nur 25 junge Menschen eine Zusage erhalten. Natürlich sind Schulnoten wichtig, aber auch auf soziale und persönliche Kompetenzen wird großer Wert gelegt. Wer durchhält und die staatliche Prüfung schafft, der kann  beim Eintritt ins Berufsleben auf eine fundierte Ausbildung zurückgreifen. „Unsere Abgängerinnen und Abgänger genießen einen guten Ruf“, erklärt die Schulleiterin nicht ohne Stolz.

Immer wieder kommt sie auf die „Pflege im Wandel“ zu sprechen; als Stichworte nennt sie die stetig steigende Zahl älterer Menschen, die ebenfall wachsenden Zahlen chronisch, psychisch oder gerontopsychiatrisch Kranker. Demenz ist ein Thema ebenso wie die „Grenzen der Familienpflege“, die früher selbstverständlich war. Auch schonende OP-Verfahren und die kürzere Verweildauer im Krankenhaus verlangen vom Pflegepersonal eher „eine Beratung über geeignete Hilfsmittel zuhause als die reine Wundversorgung“. Und natürlich sind auch die Ansprüche der Kranken gestiegen. „Zu Recht“, wie Brunhilde Marquardt bestätigt.

Wer sich für den Pflegeberuf entscheidet und diese Entscheidung mit vollem Herzen mitträgt, dem verspricht die Schulleiterin trotz teils durchaus schwieriger Rahmenbedingungen einen „interessanten und spannenden Beruf“. Mit Betonung auf „Beruf“: „Einfach ein Job kann das nie sein, sonst läuft was falsch.“ Mit kühlem Kopf, ruhiger Hand und warmem Herz halt, womit sie Bezug auf das aussagekräftige Logo des künftigen Bildungsinstitutes nimmt, das im Übrigen auch die Fortbildung der Pflegekräfte an den Neckar-Odenwald-Kliniken organisiert. Mögliche Arbeitsfelder gibt es außer den Krankenhäusern genug: ambulante Pflegedienste, Kur- und Reha-Kliniken, Altenheime, Hospize, aber auch Behinderteneinrichtungen, Arztpraxen, Krankenkassen oder Beratungsstellen. Und auch diejenigen, die eine Weiterbildung oder ein Studium draufsatteln, werden die Ausbildung nicht bereuen, erklärt Brunhilde Marquardt überzeugt.

Die Pläne für die Jubiläumsfeier 2011 jedenfalls hat die innovative Schulleiterin, die sehr viel Herzblut in „ihre“ Schule und in „ihre“ Auszubildenden legt, schon in der Schublade. Sie wird auch dann nicht versäumen, eine Sanierung und einen Ausbau der Räumlichkeiten der Schule anzumahnen – ein Anliegen, das sie seit  der Auslagerung in die Wohnheime umtreibt, weil die räumlichen Möglichkeiten dadurch tatsächlich sehr eingeschränkt wurden.

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