Das erste Mal in der Luft

25.08.10

Bewohner der Johannes-Diakonie Mosbach hoben ab

Renate Dunkel und Rolf Moser sind aufgeregt. Trotzdem haben sie es sich nicht nehmen lassen wollen, einmal das Wohnheim „Zum kleinen Roth“ aus der Vogelperspektive zu sehen. (Foto: D. Adler)

Buchen. (da) Als das Flugzeug abhebt, lacht Renate Dunkel freudig auf. Doch dann legt sich die Maschine in die Schräge. Renate Dunkel stockt der Atem. Schnell ergreift sie die Hand von Rolf Moser, der neben ihr sitzt. Die beiden sind neben acht weiteren Bewohner des Buchener Wohnheims „Zum kleinen Roth“ der Johannes-Diakonie Mosbach zum ersten Mal im Leben gen Himmel gestartet. Dazu lud der Flugsportclub Odenwald Walldürn sie dieser Tage ein.

„Herzlich willkommen an Bord. Mein Name ist Bernd, und ich bin Ihr Pilot“, begrüßt Bernd Axenbeck die Fluggäste. Doch die kennen ihn bereits. Zusammen mit ihm haben sie den 500 PS starken Sechssitzer aus dem Hangar geschoben und den Vorflug-Check gemacht: Reifen und Wartungsklappen überprüft und die Propeller gedreht, damit sich das Öl im Motor besser verteilt. Dreimal hebt die „Maxholste Broussad“ danach mit Bewohnern und Betreuerinnen ab.

„Der hat bestimmt Spaß“, ist sich Renate Dunkel sicher gewesen, als ihr Freund Helmut Paar im Flugzeug über ihr im Himmel gekreist ist. Sie hat recht behalten. „Klasse, es hat im Bauch gekribbelt!“ berichtet er nach der ersten Flugrunde. Nach der zweiten Runde begeistert sich Adolf Krüger: „Ich habe die Werkstätten für behinderte Menschen von oben gesehen!“ Davon will er seinen Kollegen dort am nächsten Tag unbedingt berichten. Wie jeder Rückkehrer wird auch er mit Applaus empfangen.

„Wo fliegen die hin?“, „Wer sitzt in dem Flugzeug?“ oder „Was sehen die von dort oben?“ haben die Bewohner des „Kleinen Roth“ wieder und wieder gefragt, als Flugzeuge über das Wohnheim gedüst sind. Schließlich haben einige Senioren gedrängt: „Wir wollen auch fliegen!“ Diesen Wunsch hat Seniorenbetreuerin Marion Pföhler für nicht erfüllbar gehalten. Deshalb ist sie mit den Frauen und Männern zum Flugplatz in Walldürn gefahren, damit sie die Fliegerei wenigstens aus der Nähe beobachten können. Auf dem Flugplatz aber hat der 71-jährige Bewohner Udo Klein gleich einen Zuständigen angesprochen: „Was kostet ein Flug?“ Zufällig ist Berufspilot Dieter Hotz dazugekommen und hat zugesagt: „Ich kümmere mich darum.“ Im Namen des Flugsportclubs hat er die Besucher zu einem Rundflug eingeladen.

„Andere Senioren haben ihren Mitbewohnern beim Flug über das Heim zugewinkt“, berichtet Heimleiterin Kirsten Mißbach, als sie die Mitflieger nach der dritten und letzten Runde vom Flugplatz abholt. Mit wieder festem Boden unter den Füßen strahlt Renate Dunkel: „Das Fliegen war schön!“ „Wir sind sicher auf dem internationalen Flugplatz Walldürn gelandet“, hieß Pilot Axenbeck die Fluggäste wieder auf der Landebahn willkommen. Ob international oder regional – die Bewohner des „Kleinen Roth“ haben die Welt von oben gesehen.

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