Künstlerpaar Wagner verlässt Seckach

Schöpfer des Skulpturenparks zieht es ins Hessische.

(Foto: Liane Merkle)

Seckach. (lm) ,,Sie haben in unserer Gemeinde und im weiten Umland Spuren hinterlassen, die noch lange sichtbar bleiben werden“. So Bürgermeister Thomas Ludwig im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Rathaus zur Verabschiedung des bekannten Künstlerehepaares Marianne und Paul Wagner, die beschlossen haben, ihren Lebensabend und Unruhestand künftig im hessischen Odenwald bei ihrer Tochter verbringen zu wollen.

Entsprechend dem Bekanntheitsgrad und der künstlerischen Öffentlichkeitsrelevanz von Marianne und Paul Wagner gestaltete sich der Gästekreis bei der Verabschiedung, darunter auch Landrat Dr. Achim Brötel, Ehrenbürger Ekkehard Brand, Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsräte, Bürgermeister Bruno Stipp, Vertreter der Schulen und zahlreiche Freunde und Bekannte des Künstlerehepaares.

Die „Wagners“ wären nicht sie, wenn diese offizielle Verabschiedung im normal üblichen feierlich-steifen Ambiente abgelaufen wäre. „Die 4 vom Lande“ – bestehend aus dem Ehepaar Wagner selbst, Waltraud Hillmann-Goll und Lutz Ohl sorgten für schmissig jazzigen Sound und jede Menge Mitsingmöglichkeit. In die Kategorien ,,künstlerisch, gesellschaftlich, sozial und pädagogisch“ unterteilte Bürgermeister Ludwig die Spuren, die die Wagners im Laufe ihres über 23-jährigen Wirkens in Seckach und im Umland hinterlassen werden.

Das künstlerische „Aufmöbeln“ der Gemeinde begann am 21. November 1987 mit der offiziellen Eröffnung des in dreijähriger Eigenarbeit entstandenen Ateliers ,,Lichtung“ und der damit verbundenen Ausstellung mit Kleinplastiken von Marianne Wagner. ,,Heute befinden sich Kunstwerke aus diesem Atelier für jedermann sichtbar in unserer gesamten Gemeinde“, sagte Ludwig, der damit auch die künstlerische Aufbauarbeit seines Amtsvorgängers Ekkehard Brand würdigte.

Die Palette reiche von der Bronzeskulptur ,,Balance“ vor der Grundschule Großeicholzheim, über das Gemeinschaftswerk des Drachen ,,Mabkapau“ vor dem Kindergarten Großeicholzheim, die Holzfossile in der Seckachtalhalle und die Gedenktafel an der Klingebrücke bis hin zur ,,Familienaufstellung“ vor dem Seckacher Rathaus. Besonders ortsbildprägend sei aber auch die aus dem Jahre 1991 stammende ,,Dickmamsell“, oder auch ,,Altlasten-Trägerin“, beim Dienstleistungszentrum. Der schon längst zu einem geflügelten Wort gewordene Slogan ,,In Seckach keimt die Kunst“ sei oberhalb des Bahnhofes an der Heinrich-Magnani-Straße in Stein gehauen zu sehen und darüber hinaus grüßen viele Dachreiter von Privathäusern herab.

Doch besonders hervorzuheben sei der im weiten Umland einzigartige Skulpturenpark im Seckacher Gemeindewald, der in alle den Jahren durch Marianne und Paul Wagner sowie deren Freunde kreiert worden war und der in Obhut der Gemeinde als lebenslängliche Leihgabe weiter bestehen bleiben wird. Als weitere Meilensteine der sichtbaren Spuren nannte der Bürgermeister in seiner Laudatio die Schaffung von Kunstwerken im überregionalen Bereich, so in der Partnergemeinde Reichenbach, das wöchentliche gemeinsame Liedersingen im Seniorenzentrum in Limbach, die musikalischen Aktivitäten im Kinder- und Jugenddorf Klinge mit der Schaffung des ,,Klinge-Song“, sowie das gemeinsame Weihnachtsliedersingen auf dem Seckacher Weihnachtsmarkt.

Im Rahmen der pädagogischen Aspekte nannte er die Projekte der Wagners mit Schülerinnen und Schülern der Seckacher Schulen wie der Gestaltung der Rückfassade der Seckachtalhalle, die Führungen durch den Skulpturenpark, Workshops, Kurse und das ökumenische Jugendprojekt ,,Mahnmal“ in Baden, in Erinnerung an die Judendeportation.

Verbunden mit dem Dank der Gemeinde und den besten Wünschen für die Zukunft überreichte Bürgermeister Thomas Ludwig an Marianne und Paul Wagner ein Präsent und den Ehrenteller der Gemeinde und an die über Jahre hinweg am Entstehen und dem Aufbau des Skulpturenparks mit beteiligten Karin Ebert und Peter Hörr ebenfalls ein Präsent als Dank für deren Engagement.

Landrat Dr. Brötel bestätigte die Ausführungen seines Vorredners mit einem Liedtitel von Trude Herr: „Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt immer hier“. Gerade bei den Wagners bleibe viel und sie selbst ziehen ja auch nicht in unerreichbare Ferne, sondern nur vom Bauland in den Odenwald, von Baden nach Hessen, vom Most zum Äppelwoi, von der Lichtung zurück in den Wald. Und man könne den beiden Künstlern aus Leidenschaft mit Fug und Recht bestätigen: „Das Risiko vom Tausch Sicherheit gegen Freiheit, Büro gegen Natur, Notebook gegen Noten, Konformität gegen kreatives Denken und Schaffen, hat sich gelohnt.“ Vor allem, weil die Wagners ihren eigenen Lebensentwurf imponierend konsequent gelebt haben.

Diese Aussage bestätigte sich auch in den Abschiedsworten von Paul August Wagner. Zunächst erläuterte er die Entscheidung des Umzugs: „Wir sind älter geworden und suchen die Nähe der Familie“. Doch sie seien dankbar für die Unterstützung, die sie in Seckach von Seiten der Gemeinde, besonders von Bürgermeister Ekkehard Brand und H. Fischer vom Bauhof erfahren hatten. Es sei ihm einmal gesagt worden, dass Kunst zwar eine schöne Sache, aber nicht zum Überleben notwendig sei. Dies widerlegte Paul August Wagner in seinen Ausführungen anhand seiner Heimatstadt Berlin. Die Hauptstadt wäre ohne Kunst eine schmutzige und langweilige Stadt.

Ein wunderschöner Skulpturenpark verwandle sogar den an sich hässlichen Bezirk Kreuzberg in eine liebeswerte Gegend. „Ob Seckach als Kunst-Standort Bestand hat, liegt jetzt in der Hand der Seckacher und ich würde mich sehr freuen, wenn in Seckach die Kunst auch weiterhin keimt und gelegentlich wunderschöne Blüten zeigt.“ Dass gerade bei Marianne und Paul August Wagner ein Abschied als Neuanfang zu deuten ist, zeigte sich in dem anschließenden fröhlich-kurzweiligen Beisammensein im großen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses.

Infos im Internet:
www.skulpturenpark-seckach.de

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: