„Zeit für sich und andere(s)“

Rolf Brauch referiert bei den Landfrauen

(Foto: Liane Merkle)

Reisenbach. (lm) „Viele sind da, weil sie ihre liebe Not mit der Zeit haben oder weil sie gerne wüssten, wie die 24 Stunden verlängert werden könnten. Weil sie Lösungen suchen oder sogar nach Erlösung“, Dipl-Ing. agr. Rolf Brauch wusste offensichtlich genau und aus eigener Erfahrung wie unglaublich kostbar und rar „Zeit für sich und andere(s)“ ist. Und er hätte sich kein aufmerksameres Publikum wünschen können bei seinem gleichnamigen Referat in dem bis auf den letzten Platz besetzten großen Nebenzimmer des Hotel „Zum Grund“ im Reisenbacher Grund.

War der Geräuschkegel vor der Begrüßung durch Gisela Scheuermann als 1. Vorsitzende der Mudauer Landfrauen auch gewaltig gewesen, so zeigte doch die schlagartig einsetzende Ruhe zum einen, dass Gisela Scheuermann recht hatte mit ihrer Aussage, man kenne den Regionalbeauftragen der Evangelischen Landeskirche in Baden für Bildungsarbeit auf dem Lande und seine qualitativ hochwertigen Vorträge. Zum zweiten hätte aber auch nicht deutlicher werden können, für wie viele Menschen dieses Thema überaus wichtig ist.

Und Rolf Brauch verlor keine Zeit, sondern versprach den anwesenden Landfrauen 13 bunte Lego-Baustein, die dazu verhelfen können, mehr Zeit zu haben für die eigene Person, für die Partnerschaft, für … . Die Zeit heile keine Wunden, nur wenn man sie nie habe – die Zeit, komme man um Wunden und Krankheiten nicht herum. Brauch war es wichtig zu betonten, dass die Anwesenden eine gute Haltung im Umgang mit der Zeit mit nach Hause nehmen können. Denn für ihn war eine gute Haltung gleichbedeutend mit gutem Verhalten.

Am Beispiel eines Glases, dass gefüllt mit Steinen immer noch Platz hat für Sand und danach auch noch für Wasser, machte er seinem aufmerksamen Publikum klar, „Wenn die wesentlichen Dinge in unserem Leben keinen Platz mehr finden, bleibt uns nur noch Geröll, Sand und Wasser übrig.“ Unser Alltag sei geprägt von Fastfood, Minutenterrinen und Sekundenkleber, „Wir leben in jeder Beziehung auf der Überholspur“ und dabei sei das allerschlechteste Argument das allgegenwärtige „Zeit ist Geld“. Früher sei man mit dem Hahnenschrei aufgestanden und auch zu Bett gegangen. Man habe Feste gefeiert, die so heißen, weil sie zu festen Daten stattfanden – meist waren es kirchliche Feste. Damals hat sicher keiner den anderen oder sogar sich selbst überholt. Die Wertigkeiten waren andere und es waren nicht die schlechtesten.

Denn mit den versprochenen 13 Lego-Bausteinen wurden einige dieser durchaus bewährten Philosophien von Rolf Brauch wiederbelebt. So die Weisheit „Manches im Leben verträgt keine Beschleunigung“. Zu diesem „manches“ gehören ganz sicher Beziehungen, die langsam wachsen, die gewartet und gepflegt sein müssen. Oder die Tatsache, dass wir klare Ziele für unser Leben brauchen. Denn in der zielgerichteten Verfolgung unserer Ziele spiegelt sich unser täglicher persönlicher Erfolg wider. Als weiteren Baustein empfahl Rolf Brauch „Leben sie ausgeglichen in der Balance ihres Lebens“. Damit meinte er, dass man regelmäßig etwas tun müsse für die vorher angesprochenen persönlichen Ziele, aber auch für Körper und Gesundheit und natürlich für die Beziehung. Weiter gehöre dazu, dass man sich nach dem Lebenssinn frage, also nach dem „woher komme ich“ und „wohin gehe ich“. Rolf Brauch hält das für elementare Dinge im Umgang mit der Zeit, die das Hinterfragen der Prioritäten, worin man seine Zeit investieren sollte, wesentlich erleichtern.

Natürlich könne auch Zeitmanagement eine Lösung sein, aber diese Technik berge die Gefahr, dass man ihr zu viel Raum im Leben lässt und die Grenzen nicht erkennt. Vom Umgang mit Stress war ebenso die Rede wie von zu anstrengenden Urlauben, die erst recht Urlaubsreife nach sich ziehen, oder vom „verheddern“ und der schlimmen Tagesabschlussfrage „was habe ich denn nur getan heute, warum bin ich so fertig“. Wenn es überhaupt dazu kommt und man nicht vollkommen erledigt vor dem Fernseher einschläft. Abschließend seiner Ausführungen empfahl der Referent: „Probieren sie morgen nicht gleich alle 13 Bausteine aus. Sie kommen sonst in Stress und Zeitnot“. So nach und nach würde sich schon für jeden der richtige Weg herauskristallisieren.

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