Kroatische Polizei zu Besuch

Kriminalprävention im Neckar-Odenwald-Kreis steht Pate in Kroatien

Mosbach. (pol) Angeführt vom Abteilungsleiter Prävention der Generaldirektion der Polizei in Zagreb, Josip Pavlicek, besuchte eine sechsköpfige Delegation kroatischer Polizeiexperten die Polizeidirektion Mosbach. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ zielte der fünftägige Aufenthalt im Rahmen des EU-Projektes „Polizei in der Gemeinschaft“ darauf ab, Wissen und Erfahrungen zu Struktur, Organisation und aktuellen Handlungsfeldern der Verkehrs- und Kriminalprävention im Landkreis zu vermitteln, um den Auf- und Ausbau der Präventionsarbeit in Kroatien zu unterstützen. Organisiert und begleitet wurde der Besuch vom Leiter des Polizeireviers Buchen, Joachim Schneider, der im Auftrag des Landes Baden-Württemberg bereits seit einigen Jahren in Südosteuropa Schulungen für Führungskräfte und Beratungen zum Aufbau tragfähiger Strukturen für Kommunale Kriminalprävention durchführt.

Zu Beginn ihres Aufenthaltes wurde die Delegation vom Leiter der Polizeidirektion Mosbach Hans Becker begrüßt. Neben einem Überblick über Aufbau und aktuelle Herausforderungen der Polizeidirektion Mosbach stand insbesondere die Präventionsarbeit im Fokus. Hans Becker machte deutlich, dass eine wirkungsvolle und nachhaltige Präventionsarbeit nur dann gelingen könne, wenn das Thema auf der täglichen Agenda stehe und auch tatsächlich zur Chefsache gemacht werde.

Im Anschluss wurde die Delegation im Rathaus vom Oberbürgermeister der Stadt Mosbach, Michael Jann, empfangen. Bevor es gemeinsam in die luftige Höhe des Rathausturmes ging, stand ein Fachgespräch mit dem Stadtoberhaupt auf dem Programm. Am Beispiel des Projekts „Käfertörle“ und der in diesem Zusammenhang durchgeführten Bürgerbefragung machte Michael Jann deutlich, wie sehr ihm an gelebter Prävention gelegen ist. Als Erfolgsfaktor stellte er die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei heraus. Wie bedeutsam ein enger Schulterschluss der Sicherheitsakteure ist, machte er an Beispielen wie dem Mosbacher Frühlingsfest oder den Public Viewing Veranstaltungen während der Fußballweltmeisterschaft deutlich.

Am Nachmittag gaben der Leiter der Prävention bei der Polizeidirektion Mosbach, Werner Broßmann und der Persönliche Referent des Landrats, Peter Fieger, den kroatischen Besuchern Einblick in Struktur und Organisation der Kommunalen Kriminalprävention im Neckar-Odenwald-Kreis. Schwerpunkte lagen hierbei auf Planung, Umsetzung und Evaluation von Präventionsprojekten wie z.B. „Feste feiern-aber richtig“, „Neue Medien-Fluch oder Segen?“ sowie dem Projekt „Bäckertüte“. Ergänzend erläuterte Rüdiger Bäuerlein die Aufgaben der von ihm geleiteten Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle der Polizeidirektion Mopsbach, bei der neben Beratungen zur Einbruchssicherung insbesondere die Opfernachsorge zentraler Bestandteil ist.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des „Buchener Labors“ in Sachen Prävention, wie Bürgermeister Roland Burger bei seiner Begrüßung und dem anschließenden Fachgespräch mit den kroatischen Experten mit einem Augenzwinkern, aber durchaus stolz hervorhob. Er spannte den Bogen von der Bürgerbefragung in Zusammenarbeit mit dem kriminologischen Institut der Universität Heidelberg im Jahr 2005, der daran anknüpfenden ersten Sicherheitswoche im Landkreis, den Projekten „Streetwork“ und „Blockhaus“ bis hin zum aktuellen landesweiten Pilotprojekt „Interkulturell denken-lokal handeln“. Einer äußerst angeregten Fragerunde folgte eine Stadtführung mit Wolfgang Mackert, in der auch die Frage geklärt wurde, was es mit dem von Bürgermeister Burger überreichten Gastgeschenk, einem Buchener Blecker, auf sich hat.

Im Lehrsaal des Polizeireviers Buchen folgte am Nachmittag ein Workshop mit Präventionsakteuren aus Buchen. Nadine Heffner und Simone Fleckenstein vom Fachbereich Jugendhilfe des Landratsamtes, Wolfgang Mackert und Elisabeth Hell von der Stadt Buchen, Seda Uzun-Baldede -in vielen Projekten engagierte Bürgerin und angehende interkulturelle Trainer- und Beraterin in Buchen- sowie dem Jugendsachbearbeiter und Präventionsspezialisten Günther Ebert vom Polizeirevier Buchen stellten das Präventionsnetzwerk Buchen und einige der zahlreichen Projekte vor. In einer angeregten Diskussion standen sie den kroatischen Gästen bis in die Abendstunden Rede und Antwort.

Ein Besuch beim Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises Dr. Achim Brötel rundete das Bild der Präventionsaktivitäten im Landkreis für die kroatischen Experten am nächsten Tag ab. In seinen Ausführungen betonte der Landrat den hohen Stellenwert der Kommunalen Kriminalprävention in der Sicherheitsarchitektur im Landkreis. Als Meilenstein bezeichnete er die Einrichtung der gemeinsamen Koordinierungsstelle für Prävention im Landratsamt gemeinsam mit der Polizei. Dass die Koordinierungsstelle direkt beim ihm angegliedert sei und die Aufgaben durch seinen persönlichen Referenten Peter Fieger wahrgenommen würden, sei für Dr. Brötel eine entscheidende Voraussetzung für gelingende Prävention.

Zusammen mit dem Polizeichef im Neckar-Odenwald-Kreis, Hans Becker, stellte Landrat Dr. Brötel im Anschluss den Förderverein für Prävention „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ vor. Gerade in Zeiten knapper Kassen gelte es, die Ressourcen zu bündeln und nicht an sondern durch Prävention zu sparen, machten die beiden Vorsitzenden des Fördervereins deutlich. Der Verein ist inzwischen gefragter Kooperationspartner für die Durchführung von Präventionsprojekten im Landkreis. Es folgte eine rege Diskussion über die Aufgaben des Fördervereins und die Erfordernis von Evaluationen -wissenschaftliche Untersuchungen zur konkreten Wirkung- von Präventionsprojekten.

Großes Interesse bei den kroatischen Experten weckte im Anschluss die kurzweilige Präsentation von Angelika Bronner-Blatz, Fachbereich Gesundheitsförderung und Prävention beim Landratsamt, die Ziele und aktuelle Projekte der Arbeitskreise „Suchtprophylaxe“ und „Rote Karte für häusliche Gewalt“ vorstellte.

Den Tagesabschluss bildete ein Besuch des Einsatztrainingszentrums der Polizei in Dallau. Die Einsatztrainer Michael Ellwanger und Manfred Röckel stellten das Trainingszentrum und die Ausbildungsinhalte insbesondere im Blick auf das Phänomen AMOK vor.

In einer gemeinsamen Reflexion des Aufenthaltes zeigte sich der Leiter der kroatischen Delegation, Josip Pavlicek, beeindruckt von Umfang und Qualität der Präventionsarbeit im Neckar-Odenwald-Kreis, die Vorbildfunktion für die Gespanschaften (vergleichbar den hiesigen Landkreisen) in Kroatien hätten. Mit seinem Dank für die facettenreichen Einblicke und die herzliche Gastfreundschaft verband er den Wunsch auf eine weitere enge Zusammenarbeit.

Diese wird bereits im November ihre Fortsetzung finden. Denn dann reist unter Leitung des Leiters des Polizeireviers Buchen, Joachim Schneider, eine Delegation deutscher Experten nach Zagreb, um Führungskräfte der kroatischen Polizei in einem einwöchigen Seminar in Sachen Prävention zu schulen.

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Besuch der kroatischen Delegation beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises.  Leiter der Polizeidirektion Mosbach, Leitender Polizeidirektor Hans Becker (2.v.li.) ,  Leiter der kroatischen Delegation, Josip Pavlicek (4.v.li.), Polizeioberrat Joachim Schneider (4.v.re.) und beim Besuch des Landratsamts, wo sie von Landrat Dr. Achim Brötel (re.) empfangen wurden. (Foto: Polizei)

Hintergrundinformation zum EU-Projekt

Bereits seit einigen Jahren ist Polizeioberrat Joachim Schneider in das multinationale Projekt des Bundesministerium des Innern „Polizei in der Gemeinschaft“ involviert. Das vom Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder beim Bundesministerium des Inneren, Herrn IBPdL Jürgen Schubert, geleitete Projekt basiert auf dem Stabilitätspakt Süd-Ost-Europa. Dieser wurde als politische Initiative der Staatengemeinschaft unter deutscher EU-Präsidentschaft 1999 gegründet. Der Pakt eröffnet den Staaten Südosteuropas eine Perspektive zur Integration in die westliche Staatengemeinschaft und schlägt gleichzeitig über Europa hinaus eine Brücke in den transatlantischen Raum.

„Polizei in der Gemeinschaft“ umfasst ganz verschiedene Facetten des polizeilichen Aufgabenspektrums. So gehören neben den Themenfeldern Ausbildung und Ausstattung von speziellen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, Führungsmanagement, Kontaktbereichspolizei und Einsatzlehre auch Ausbildungs- und Ausstattungshilfen im Bereich Kriminalprävention und Kommunale Kriminalprävention zu den Teilprojekten. In beiden letzteren hat das Landes Baden-Württemberg die Federführung übernommen.

Durch jährliche Fachseminare, Workshops, Hospitationen, Multiplikatorenschulungen sowie durch konzeptionelle Beratung bei der Einrichtung von Präventionszentren und gezielte Ausstattungshilfen, wird beim Aufbau von Strukturen zur deliktsorientierten bzw. sozialraumbezogenen Kriminalitätsvorbeugung praxisorientierte Unterstützung geleistet.

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