Bandenchef in Bukarest verhaftet

Bukarest/Mosbach. (sta) Zielfahndern des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg (LKA BW) und Beamten des Dezernats Sonderfälle / Organisierte Kriminalität (S/OK) des Regierungspräsidiums Karlsruhe ist ein jahrelang gesuchter mutmaßlicher rumänischer Bandenchef ins Netz gegangen.

Der von mehreren Staatsanwaltschaften mit internationalem Haftbefehl wegen des Verdachts des schweren Bandendiebstahls gesuchte Rumäne konnte bereits Ende September 2010 aufgrund des von der Staatsanwaltschaft Mosbach herausgegebenen Europäischen Haftbefehls in der Nähe von Bukarest festgenommen werden. Er wurde Anfang Oktober von den rumänischen Behörden ausgeliefert und von Zielfahndern des LKA Baden-Württemberg dem Haftrichter in Mosbach vorgeführt. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Seit Ende 2002 waren bundesweit, vorrangig in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie im angrenzenden Ausland, wie in Belgien, Luxemburg und der Schweiz, Diebstähle von Geldausgabeautomaten (GAA) aus Banken festzustellen.

Deshalb ermittelte von September 2005 bis Mai 2007 eine beim Dezernat S/OK der Abteilung Landespolizeidirektion des Regierungspräsidiums Karlsruhe ansässige gemeinsame Ermittlungsgruppe (EG) gegen eine rumänische Tätergruppierung wegen schweren Bandendiebstahls. Dabei arbeitete die aus Beamten der Polizeidirektion Mosbach, des Polizeipräsidiums Rheinpfalz und des Dezernates S/OK bestehende EG eng mit den Staatsanwaltschaften Mosbach, Heilbronn, Ludwigshafen und Heidelberg zusammen.

Der Kreis der Täter umfasste zehn Personen. Die Bande, deren Chef der nun Festgenommene sein soll, hatte sich darauf spezialisiert, Geldausgabeautomaten (GAA) aus Banken gewaltsam herauszureißen und zu entwenden.

Seine mutmaßlichen Tatgenossen, die unter anderem in Schweden und Frankreich sowie in Deutschland festgenommen werden konnten, wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Nach den bisher ergangenen Urteilen gegen die Bandenmitglieder gingen die Täter weitgehend nach dem gleichen Muster vor. Zunächst wurden umfassende Vorbereitungshandlungen getroffen. Zeitnah zur eigentlichen Haupttat wurde ein Fluchtfahrzeug gestohlen. Zum Herausreißen der GAA wurden in der Nähe der ausgesuchten Banken Traktoren oder LKW gestohlen, welche als Zugfahrzeuge verwendet wurden. An die Zugfahrzeuge wurden Stahlseile angehängt und mit dem GAA in der Bank verbunden. Anschließend rissen die Täter den GAA aus der Verankerung und transportierten ihn mit einem gestohlenen Transportfahrzeug (vorwiegend Kastenwagen) in ein nahegelegenes Waldgebiet ab. Das Zugfahrzeug ließen die Täter am Tatort stehen.

Mit Vorschlaghämmern, Äxten und Spaltkeilen, welche in der Regel aus Einbruchdiebstählen in Firmen stammten, wurden die GAA aufgebrochen oder mit Schweißbrennern aufgeschweißt. Das Transportfahrzeug sowie der geöffnete GAA blieben in der Regel im Wald zurück. Mit bereitgestellten Limousinen setzten sie anschließend ihre Flucht fort.

Der 36 Jahre alte rumänische mutmaßliche Bandenchef ist aufgrund der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dringend verdächtig, im Rahmen dieser Bandentaten in Deutschland neun GAA-Diebstähle aus Banken begangen zu haben. Darunter fallen auch die GAA-Diebstähle aus Banken in Fahrenbach und Billigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) im Oktober 2005, sowie 2 weitere Taten in Kirtorf (Hessen) und Rehburg-Loccum (Niedersachsen), wegen derer derzeit die Untersuchungshaft vollzogen wird. Zudem ist der 36-Jährige dringend verdächtig, über 20 Logistikstraftaten, wie Einbruchdiebstähle zur Beschaffung von Tatwerkzeugen und Fahrzeugdiebstähle, begangen zu haben.

Durch die Verwendung mehrerer Aliasnamen und falscher Pässe war es dem Tatverdächtigen gelungen, sich über mehrere Jahre hinweg seiner Festnahme zu entziehen. Durch eine intensive Zusammenarbeit mit den Zielfahndern des LKA BW und den rumänischen Behörden gelang schließlich dessen Festnahme.

Der Beschuldigte gilt bis zu einer etwaigen Verurteilung durch ein Gericht als unschuldig.

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