Erste Sportbegegnung im Landkreis Görlitz

Die Sportkreise Mosbach und Buchen zu Gast beim Kreissportbund Görlitz

Unser Bild zeigt von links: Werner Mohr (Sportkreisjugendleiter Buchen), Christian Wiesner (Vizepräsident Kreissportbund Görlitz), Dr. Dorothee Schlegel (Sportkreisvorsitzende Mosbach), Karl-Heinz Bruntsch (Präsident Kreissportbund Görlitz), Diana Metz (Frauenbeauftragte Sportkreis Mosbach), Peter Schäfer (Vorsitzender SV Koweg Görlitz). (Foto: privat)

Neckar-Odenwald-Kreis/Görlitz. Vier Mitglieder der beiden Sportkreise des Neckar-Odenwald-Kreises besuchten zu einem ersten Kennenlernen die Sportverantwortlichen des Partnerlandkreises Görlitz. Der Präsident des Oberlausitzer Kreissportbundes e.V. Karl-Heinz Bruntsch begrüßte die Delegation unter Leitung der Sportkreisvorsitzenden Dr. Dorothee Schlegel zum zweitägigen Informationsaustausch, der neben Gesprächen auch den Besuch von Sportstätten und Vereinen umfasste.

Die Entwicklung des Sports in den neuen Bundesländern seit der politischen Wende war ein überaus spannendes Thema. Für die Neugestaltung des Breiten- und Spitzensports verglichen seinerzeit die Vertreter des Sports die Strukturen in den alten Bundesländern und begründeten nach anfänglich kleineren Sportbundeinheiten in den vormaligen drei Landkreisen noch vor Bildung des heutigen Landkreises Görlitz den Oberlausitzer Kreissportbund, der heute 363 Sportvereine mit über 40.000 Mitgliedern umfasst. Vergleichbar weisen die beiden Sportkreise im Neckar-Odenwald-Kreis über 74.000 Mitglieder in 277 Vereinen auf. Um die ehrenamtlichen Vereine optimal zu unterstützen, stehen neben dem Geschäftsführer sieben Hauptamtliche zur Verfügung, die neben den Aufgaben der Verwaltung und Finanzen, der Beratung beim Sportstättenbau und dem Veranstaltungsmanagement die Aus- und Fortbildung für Vereinsvorsitzende und Übungsleiter durchführen. Viele dieser Tätigkeiten werden für die Sportkreise in Nordbaden vom Badischen Sportbund Nord e.V. übernommen, während der Kreissportbund direkt dem Landessportverband in Sachsen unterstellt ist. Die Vereinsbetreuung in Görlitz, Zittau und Weißwasser umfasst dieselben Aufgaben wie in Buchen und Mosbach.

In der Geschäftsstelle in Görlitz, die sich beim Niederschlesischen Athletenclub Görlitz e.V. in einem ehemaligen Kindergarten mit Turnhalle eingemietet hat, stellte Geschäftsführer Marko Weber Räume und Mitarbeiter vor. Beim anschließenden Besuch des ersten Görlitzer Karatevereins erfuhr die Delegation, dass Karate bis vor 20 Jahren verboten war, der Verein dann neu gegründet wurde und die von einer früheren Betriebssportgruppe überlassenen Räume in Eigenarbeit zu einem Sport- und Fitnesszentrum ausgebaut hat – mit einer großen Übungshalle für die Karatesportler. Voller Stolz präsentierte der Vorsitzende des SV Kaweg Görlitz e.V. die neu erbaute Schul- und Vereinssporthalle, in denen der Verein auch seinen Geschäfts- und Gesellschaftsraum hat. Der vor allem im Handball, Tischtennis und Orientierungslauf erfolgreiche Verein betreibt ein intensives Sponsoring und vertreibt zudem eigene blau-gelbe Fanartikel. Gelder für den Sportstättenbau sind zwar auch nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung. Da jedoch viele Bauten sehr marode waren, und der Sport einen sehr hohen Stellenwert hat, trägt jede gut ausgestattete Halle zur Förderung des Schul- und Vereinssports bei. Auch in den Berufsschulen wird Sport groß geschrieben, berichtete der Präsident und Berufsschullehrer Bruntsch aus seinem beruflichen Alltag.

Über 5000 Schritte mussten wir tun, anstelle nach dem Mittagessen auszuruhn. Und so startete die Gruppe zu einem kurzweiligen Stadtrundgang durch die restaurierte Görlitzer Altstadt, bei der auch auf die großen Hochwasserschäden im Sommer hingewiesen wurden. Deren Behebung wird noch Monate dauern, so Sportpressereferentin Wittig, die hauptamtlich im Landratsamt für diese Aufgabe zuständig ist.

Unterwegs nach Zittau im Süden des Landkreises waren die in die Luft ragenden Eisenbahnschienen zu sehen, verursacht durch die unvorstellbar großen Wassermassen. In Zittau stand das gesamte Stadion vollständig unter Wasser, das mit staatlicher Hilfe erst verzögert zu einer Sportarena ausgebaut wird, um 2012 Austragungsort der Leichtathletikeuropameisterschaft der Senioren zu sein. Der ungebrochene Wille von Horst Seifert, früher aktiver Leistungssportler, lässt sich auch vom mehrere Meter hohen Hochwasser nicht schrecken, dieses Ziel zu erreichen. Auch ohne Schnee und Wintersport war das Zittauer Gebirge einen Besuch wert, der in der Eislaufhalle in Jonsdorf seinen Abschluss fand, kurz bevor dort über 1000 Besucher zum Eishockeyspiel eintrafen.

„Wir sind über die politische Wende sehr froh und über die großartige ideelle und materielle Hilfe durch die alten Bundesländer und freuen uns über den Beginn dieser Sportpartnerschaft“. Mit diesen Worten fasste Präsident Bruntsch nicht nur die letzten 20 Jahre zusammen, sondern bedankte sich bei der Sportkreisvorsitzenden Dr. Schlegel für die Initiative zu diesem Treffen, an dessen Ende erste konkrete Überlegungen für sportliche Begegnungen getroffen wurden.

Zum Eishockey in Weißwasser kann gesagt werden – einmalig die Leistung, nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der Nachwuchsförderung. Der Geschäftsführer, der die alte und die derzeitige Anlage erklärte, betonte: „Jedes Kind in Weißwasser und Umgebung soll bei uns Schlittschuh laufen lernen. Dafür holen wir auch mit Kleinbussen die Kindergartenkinder persönlich zum Sport in die Eislaufhalle ab.“ Für die erfolgreichste Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland wurde der Verein nun ausgezeichnet. Der Besuch endete beim Sportverein Trebendorf, der eigentlich aus Langeweile von jungen Menschen des kleinen Ortes vor ca. 15 Jahren gegründet, zu einem der Vorzeigesportvereine wurde. Die enge Zusammenarbeit mit der Kommune, die aktiven Mitglieder, 52 Sponsoren und immer neue Aktivitäten, auch bei Behindertenprojekten, ließen die Vereinsfinanzen und Verwaltungsaufgaben um das Tausendfache ansteigen. „Begegnungen sind auch immer Austausch von Erfahrungen, regen zur Reflexion vor Ort an und motivieren für Neues“, fasst Dr. Schlegel die Kurzreise zusammen. „Auch wenn der Weg nach Görlitz nicht der kürzeste ist, sind wir guten Mutes,  zu einem Dialog und zum sportlichen Kräftemessen einen großen Schritt weitergekommen zu sein – Mauern bestehen nur in den Köpfen, die nicht bereit sind, sich auf Neues einzulassen“.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: