Zivil-militärischen Weiterbildung in Berlin

Vorschläge der Strukturkommission kritisch hinterfragt

(Foto: privat)

Neckar-Odenwald-Kreis/Berlin. (rt) Nach intensiver Vorbereitung und mit Genehmigung des Landeskommandos Baden-Württemberg hatte die Kreisgruppe Rhein-Neckar-Odenwald zu einem fünftägigen Berlin-Seminar eingeladen. Für die Vorbereitung und Organisation zeichnete auch dieses Mal Oberstleutnant d.R. Gerd Teßmer verantwortlich. Da dieses Seminar in allen Punkten den Anforderungen für zivil-militärische Weiterbildung entsprach, hatten die Reservisten eine Uniformtrage-Erlaubnis und die Anerkennung der Fahrt als Seminar erhalten und konnten somit in der Julius-Leber-Kaserne Quartier nehmen.

Da am ersten Seminartag gerade die Veröffentlichung „Vom Einsatz her denken – Konzentration, Flexibiltät, Effizienz“ der Strukturkommission erfolgte, gab es für alle aktiven Soldaten und Reservisten genügend Zünd- und Gesprächsstoff. Auch die von den Reservisten aus dem Odenwald vorgebrachten Argumente für eine Stärkung der Bundeswehr-Standorte im ländlichen Raum wurden ausgiebig diskutiert und abgewogen. Als Gesprächspartner hatte OTL d.R. Gerd Teßmer den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Kossendey gewinnen können. Das anschließende Briefing wurde von einem Korvettenkapitän geleitet.

Anschließend besuchte die Reservisten-Gruppe das neue Ehrenmal der Bundeswehr. Es ist allen Soldaten und Beschäftigten der Deutschen Bundeswehr gewidmet, die seit der Gründung im Jahr 1955 in Folge der Ausübung ihres ihrer Dienstpflichten im In- und Ausland ums Leben gekommen sind. Unter der Widmung „Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit“ wurde ein Kranz niedergelegt. Die Odenwald-Reservisten beteiligten sich auch an der Aktion des Verteidigungsministeriums, mit einer gelben Schleife am Revers ihre Unterstützung für die deutschen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz zu bekunden. Ein weiterer Ort stillen Gedenkens folgte dann im Innenhof des Bendlerblocks.

Am Nachmittag besuchten die Reservisten das Berliner Abgeordnetenhaus. Hier wurde die Gruppe von Vizepräsidentin Karin Seldel-Kalmutzki im Casino empfangen und erhielt einen Einblick in die Landespolitik der Bundeshauptstadt. Außer den Bemühungen des Landes Berlin, den hohen Anteil an Einwohnern mit Migrations-Hintergrund die Eingewöhnung zu erleichtern, spielte die Wohnungs-, Familien- und Bildungspolitik eine besondere Rolle im Referat der Vizepräsidentin und in der sich anschließenden Aussprache. Über die bewegte Geschichte des früheren Preußischen Landtages im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und zu DDR-Zeiten war dann beim Rundgang und beim Besuch im Berliner Plenarsaal mehr zu erfahren. Für die Besucher aus dem Neckar-Odenwald- und dem Rhein-Neckar-Kreis waren dabei die Verkehrsbewältigung und die als Bundeshauptstadt zusätzlichen Aufgaben des Landes Berlin weitgehend Neuland. Nach der Diskussion und der Parlamentsführung wird es zukünftig den teilnehmenden Reservisten leichter fallen, für die besondere Situation von Berlin Verständnis aufzubringen.

Ein Kennenlernen der Probleme Berlins als in Ost und West durch eine Mauer geteilten Stadt, die inzwischen für eine neue Generation von Deutschen Geschichte geworden ist und an die sich immer weniger erinnern können, war Inhalt des 2. Seminartages. An der neuen Gedenkstätte „ Berliner Mauer“ in der Bernauer Straße sind heute die grausamen Grenzhindernisse, der Alltag an der Mauer, die totale Überwachung an der damaligen „Sektorengrenze“ in einem Dokumentationszentrum anschaulich aufgearbeitet. Das Gedenken an die Opfer an der Mauer steht dabei im Mittelpunkt. Mit Filmdokumenten und Schautafeln, aber auch durch eigenes Begehen der ehemaligen „Todeszone“ wird den zukünftigen Generationen das wahre Ausmaß der menschenfeindlichen Grenzschutzmassnahmen erlebbar gemacht. Diese erst 1998 eingeweihte Gedenkstätte wird auch weiterhin noch ausgebaut.

Heimisch fühlen konnten sich die Teilnehmer dann in der Landesvertretung Baden-Württembergs in der Tiergartenstraße. Hier wurde vom Leitenden zunächst auf die Entstehung Baden-Württembergs eingegangen, dem einzigen Bundesland, das durch Volksentscheid entstanden ist. Wie vielfältig die Aufgaben der Landesvertretung gegenüber den anderen Bundesländern und dem Bundestag und der Bundesregierung heute sind, wurde in einem Informationsfilm und in einem Einführungsvortrag durch Ralf Widmann, einem Referatsleiter in der Landesvertretung, nähergebracht. Dass die Landesvertretung Baden-Württemberg auch ein Ort der Begegnung ist, wurde dadurch deutlich, dass man im Haus Baden-Württemberg mit dem zufällig auch dort weilenden Landesvorstand der Reservisten zusammentraf. Für die Führung dankte die Reservistengruppe mit einem herzhaft laut gesungenen Badnerlied, mitten in Berlin, aber auch heimischem Boden.

Der hohen Politik und der Arbeit des Deutschen Bundestages war der nächste Seminartag gewidmet. Von der Zuhörertribüne aus konnte das Flair des Bundestages erfahren werden. Auch die bewegte Geschichte dieses Parlamentsgebäudes, das nun schon die vierte Regierungsform miterlebt, ist naturgemäß direkt am Ort des politischen Geschehens leichter verständlich.

Die größte Graffiti-Mauer der Welt, die East-Side-Gallery“ und die immer noch erahnbaren „Schutzvorrichtungen“ gegen Republikflüchtlinge werden in Erinnerung bleiben. Die Bedeutung des Gendarmenmarktes für die Anfänge erster demokratischer Ideen in Deutschland im Jahre 1848, die heutigen Bundesministerien, die Neue Wache, als heutiger Gedenkstätte für die Opfer staatlicher und kriegerischer Gewalt rundeten diesen Tag ab.

Wie schon bei vorangegangenen Seminaren und Vorhaben hatten die Reservisten der Kreisgruppe RNO auch auf dieser Fahrt wieder französische Reservisten-Kameraden zur Teilnahme eingeladen. Die Partnerschaft mit den Kameraden aus dem Elsass hat in den 12 Jahren ihres Bestehens auch schon persönliche Freundschaften entstehen lassen. Diesem Berlin-Seminar komme damit, so der Leitende Gerd Teßmer, nicht nur ein Erweiterung der eigenen Geschichts- und Politikkenntnisse zu, sondern es kämen auch völkerverbindende Schwerpunkte hinzu. Für alle Teilnehmer sprach der Eberbacher RK-Vorsitzende Rudi Joho dem Organisator dieser Berlin-Reise Gerd Teßmer Dank und Anerkennung aus.

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(Foto: privat)

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