Inklusion auch in der Berufsvorbereitung

An der Eberbacher Theodor-Frey-Schule startet die Berufsvorbereitende Einrichtung in Kooperation mit der Schwarzbach Schule

Eberbach/Schwarzach. Junge Menschen mit einer geistigen Behinderung werden bislang hauptsächlich in Sonderschulen auf das Berufsleben vorbereitet. Eine Erweiterung bildet die Berufsvorbereitende Einrichtung, kurz BVE. Eine solche wird zum Schuljahr 2011/2012 in Eberbach eingeführt. Träger dieses Kooperationsmodells sind hier die Theodor-Frey-Schule und die Schwarzbach Schule der Johannes-Diakonie Mosbach. Mit ihren Unterschriften gaben dieser Tage die künftigen Kooperationspartner den Startschuss für die BVE, die der in der UN-Behindertenrechtskonvention formulierten Forderung nach Inklusion in der Schule nachkommt.

In der BVE erfüllen die Kooperationspartner die Aufgaben einer beruflichen Schule. Sie orientieren sich dabei an anerkannten Berufsfeldern und führen in einem ganzheitlich-integralen Ansatz zur Arbeits- und Sozialreife. Zeugnisse und Beurteilungen werden von den beteiligten Schulen gemeinsam erstellt. Der Integrationsfachdienst übernimmt die Prozessbegleitung. Die BVE gliedert sich in ein Jahr Orientierungsphase und ein zweites Jahr Erprobungsphase. Optional kann ein drittes Jahr als Verlängerung angehängt werden.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Polizeibericht vom 02.03.11″ url=“//www.nokzeit.de/?p=9838″] „Wir beschreiten mit der BVE neue Wege“, gab Martin Staniczek, Leiter der Theodor-Frey-Schule, ein gewisses „Kribbeln im Bauch“ zu. Man sei aber zuversichtlich, mit der Schwarzbach Schule „ein gutes Tandem zu bilden“. Staniczek appellierte an die umliegenden Förderschulen, das Angebot zu nutzen. Ihre Unterschriften unter die Kooperationsvereinbarung als abgebende Institutionen haben bislang die Dr.-Weiß-Förderschule (Eberbach) und die Erich-Kästner-Schule (Neckargemünd) gesetzt.

Monika Reimelt, Leiterin der Schwarzbach Schule, zeigte sich sehr dankbar, in der Theodor-Frey-Schule sofort offene Türen vorgefunden zu haben. Ihr Konrektor Steven Reres stellte die BVE kurz vor, deren Räumlichkeiten direkt neben denen des Berufsvorbereitungsjahrs (BVJ) liegt. Dies ermögliche den BVE-lern bei Bedarf eine Rückzugsmöglichkeit. Aufgenommen werden können Schüler aus Sonderschulen, dem BVJ sowie Schüler, die noch keine Ausbildungsreife erlangen konnten.

Artur Bossert vom Regierungspräsidium Karlsruhe äußerte sich sehr zufrieden, dass mit der BVE Eberbach, die 2013 in eine Schulform der Allgemeinen Schule überführt werden soll, einer der letzten weißen Flecken auf der Landkarte des RP getilgt sei. Bürgermeister Bernhard Martin räumte noch eigenen Fortbildungsbedarf in Sachen Inklusion ein, stellte aber aus Erfahrung fest: „Es hat immer allen Beteiligten gut getan, wenn Schulen und Institutionen näher zusammengerückt sind.“

Informationen erteilt die Schwarzbach Schule unter Tel. 06262/22-360.

Inklusion in der Berufsvorbereitung

Mit ihrer Unterschrift unter der Vereinbarung gaben die künftigen Kooperationspartner den Startschuss für die Berufsvorbereitende Einrichtung an der Eberbacher Theodor-Frey-Schule. Im Bild leisten Martin Staniczek (re.), Leiter der Theodor-Frey-Schule, und Jörg Huber, Vorstand der Johannes-Diakonie Mosbach, ihre Unterschriften, wohlwollend beobachtet von Bürgermeister Bernhard Martin (3.v.li.), Schulrätin Britta Lorenz (Mitte), Monika Reimelt, Leiterin der Schwarzbach Schule (4.v.re.), Artur Bossert vom Regierungspräsidium Karlsruhe (4.v.li) und weiteren Vertreterinnen und Vertretern. (Foto: A. Peters)

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1 Kommentar

  1. Die große Herausforderung der Inklusion

    Eine Kultur, in der jeder Mensch einen Platz hat – das ist die Idee, die hinter dem Inklusionsanspruch steht. Und das bedeutet: nicht die Defizite sind das Ausschlaggebende, sondern die Ressourcen, die in jedem Menschen sind. Darum geht es letztlich: Kindern und Jugendlichen Rahmenbedingungen schaffen, ihre Fähigkeiten und Gaben zu entwickeln. Jeder und jede ganz unterschiedlich.
    Alle Menschen brauchen einander, ergänzen einander. Niemand ist überflüssig, jede und jeder ist wichtig. Jeder Mensch hat Würde, er ist wichtig, so wie er ist.
    Deshalb sollten Kinder und Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen, Bedürfnissen und Beeinträchtigungen miteinander und voneinander lernen, und zwar nicht mit gleichen Zielen, sondern mit unterschiedlichen. Wer allerdings glaubt, man könne mit der Abschaffung von Sondereinrichtungen Haushaltsmittel sparen, hat nicht verstanden, welch hoher personeller, pädagogischer und architektonischer Aufwand getrieben werden muss, um Gemeinsamen Unterricht zu ermöglichen.
    Lehrerinnen und Lehrer brauchen für diese Aufgabe die Unterstützung, die nötig ist, um Inklusion gut zu machen. Das bedeutet für die Schule aber auch, dass sie sich neu einlassen muss auf zieldifferenten Unterricht. Sie muss nicht nur zu berücksichtigen, dass Kinder unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten haben, sondern dass auch je und je andere Ziele erreicht werden.
    Es ist normal, verschieden zu sein. Beeinträchtigungen sind nicht das Besondere, sondern das Normale. Dass wir auf Hilfe angewiesen sind, ist eine menschliche Konstante. Wir brauchen Ergänzung, Hilfe, Unterstützung. Alle! So ist es auch dann, wenn wir uns einreden, wir seien stark, unabhängig, klug, souverän. Die große Herausforderung der Inklusion ist es, Schule so zu gestalten, dass jeder einen Platz hat und dass jeder mit seinen Ressourcen zum Zuge kommt. Niemand ist dabei überflüssig.
    Am Ende der Inklusion stehe eine neue Schule, die wir noch nicht kennen.

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