Radioaktivität im normalen Bereich

Keine erhöhte Radioaktivität – Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 vom Netz genommen

Stuttgart. (pm) Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg hat auf seiner Internet-Homepage einen Link eingestellt, mit dem sich Bürgerinnen und Bürger selbst über die Strahlenmesswerte an den baden-württembergischen Radioaktivitätsmessstationen informieren können.

Die aktuell gemessenen Werte entsprechen dem normalen natürlichen Strahlenpegel und sind nicht erhöht.

Durch die Ereignisse in Japan werden – falls die radioaktiven Luftmassen Europa erreichen – infolge der starken Verdünnung aufgrund der großen Entfernung keine nennenswerten Erhöhungen erwartet, heißt es beim Ministerium.

Im Rahmen der Kernreaktor-Fernüberwachung Baden-Württemberg (KFÜ) wird ein umfangreiches Netz von Messsonden betrieben, das tagtäglich mehr als 200.000 Messwerte erfasst. Die Sonden überwachen im 24-Stunden-Betrieb insbesondere auch die Umgebung der Kernkraftwerke in Baden-Württemberg und der grenznahen Anlagen in der Schweiz und in Frankreich. Bei Grenzwertüberschreitungen wird automatisch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr über seine rund um die Uhr erreichbare Rufbereitschaft alarmiert.

Gleichzeitig teilte das Umweltministerium mit, dass seit gesterb Abend gegenüber der EnBW schriftlich angeordnet wurde, die Kernkraftwerke Neckarwestheim I (GKN I) und Philippsburg 1 (KKP 1) vom Netz zu nehmen. Mit der Anordnung wird das von der Bundesregierung verfügte Moratorium umgesetzt, wonach die bundesweit sieben ältesten Atomkraftwerke für drei Monate ihren Betrieb einstellen. „Wir gehen davon aus, dass die EnBW bereits dabei ist die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Reaktoren zeitnah herunter zu fahren“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Begründet wird der Schritt damit, dass nach dem Atomgesetz (§ 19 Absatz 3) ein Gefahrenverdacht vorliege, der eine einstweilige Betriebseinstellung recht-fertige. Ein derartiger Verdacht sei nach geltender Rechtslage bereits dann gegeben, wenn sich wegen begründeter Unsicherheiten im Rahmen der Risikovorsorge Schadensmöglichkeiten nicht völlig ausschließen lassen, so der Sprecher.

In den kommenden Monaten solle eine von der Landesregierung eingesetzte fünfköpfige Expertenkommission die Ereignisse in den japanischen Kernkraftwerken analysieren und bewerten. Auf dieser Grundlage solle danach von der Kommission eine mögliche Übertragbarkeit auf die hiesigen Kraftwerke überprüft und gegebenenfalls Empfehlungen für weitergehende Sicherheitsanforderungen ausgearbeitet werden, so der Sprecher. Insbesondere für die beiden älteren Kernkraftwerke im Land sei nach den Ereignissen in Japan zu überprüfen, inwieweit bisher nicht berücksichtigte Szenarien wie Naturkatastrophen eine neue Bewertung erforderlich machten. Den älteren Anlagen waren mit der zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Änderungen des Atomgesetzes im Vergleich zu jüngeren Anlagen nur geringere Stromkontingente zugewiesen worden, die einen Weiterbeitrieb von bis zu acht Jahren ermöglichen sollten. Die vorübergehende Stilllegung sei Ausdruck äußerster Vorsorge, der sich das Ministerium schon bisher verpflichtet fühle.

Infos im Internet:
Aktuelle Radioaktivitätsmesswerte der Kernreaktor-Fernüberwachung (KFÜ)

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