Räuber – berüchtigt und gefürchtet

Wie lebte man früher im Odenwald als bitterarmer Mensch?

(Foto: privat)

Odenwald. Wie wurde man Räuber? Ging man zum Arbeitsamt und ließ sich über geeignete Berufe beraten, darunter auch Räuber? Oder hatte man einfach keine Lust zu arbeiten, wollte lieber faulenzen und sich vom Tisch der Reichen bedienen? Oder war es gar Auflehnung gegen soziale Missstände, die Menschen dazu brachten, als Räuber den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben? Nichts von alledem entspricht der bitteren Realität des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Räuberbanden des Odenwaldes waren Notgemeinschaften von Ausgestoßenen, Rechtlosen, Vogelfreien. Vogelfrei wurde man schon, wenn man in dem Dorf in dem man lebte, seine Schulden nicht mehr zahlen konnte oder wenn der Landgraf verfügte, dass man beispielsweise im unwirtlichen Britannien Tabak anzubauen habe. Viele Räuber waren schlicht Opfer der obrigkeitlichen (Selbst)gerechtigkeit, ihnen blieb gar nichts übrig, als zu rauben und im Verborgenen zu leben.

Den Räuberbanden haftete auch nichts Romantisches an, sondern es gab strenge Hierarchien und sehr raue Sitten. Jeder war sich selbst der Nächste, gleich ob Mann, Frau oder Kind. Und wer seine Aufgabe nicht erfüllte, der musste auch hier wieder verschwinden.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Räuber – berüchtigt und gefürchtet“ url=“//www.nokzeit.de“] Es war auch nicht so, dass die Räuber sich nur das nahmen, was sie fürs Leben brauchten. Oftmals wurden überfallene Höfe niedergebrannt, Bewohner umgebracht oder vergewaltigt und verschleppt. Berühmt wurde der Raubmord beim Hemsbacher Postkutschenüberfall, an dem die Hölzerlipsbande beteiligt war. Allerdings handelte es sich bei dieser ruchlosen Tat eigentlich „nur“ um Totschlag, denn der gestrenge Amtmann Pfisterer zu Heidelberg wollte an den Räubern der Hölzerlipsbande ein Exempel statuieren, zur Abschreckung. Er zögerte deshalb die ärztliche Versorgung des Überfallenen so weit hinaus, dass dieser an seinen Verletzungen starb. Und schon war aus einem Totschlag ein Raubmord geworden.

Die Hinrichtung der Hölzerlips-Räuber im Jahr 1811 führte dann auch wie gewünscht dazu, dass sich die Räuberbanden im Laufe der nächsten Jahre auflösten, zumal die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden – Deutschland war zu jener Zeit in unzählige kleine Verwaltungsbezirke aufgeteilt – immer besser wurde. So verschwanden die großen Banden ebenso wie ihre Unterschlüpfe, die „Kochemer Bayes“, Wirtschaften, die Räubern Schutz und Nachrichten boten.

Wie es bei Räubers zuging, kann jeder heutige Mensch dennoch hautnah erfahren bei einer Erlebnisführung mit Köhlers Bawweddsche am 09. April, dem Tag der Lärmfeuer. Bawwedd, eine arme Köhlersfrau eines genauso armen Köhlers, die nichts auf den Tisch bringen konnte als Kartoffeln mit Salz aber ohne Schmalz, und das Tagein Tagaus, berichtet, wie es sich vor zweihundert Jahren in den Wäldern des Odenwaldes lebte.

Die Köhler hausten einsam mitten im unwegsamen Wald und boten daher günstige Anlaufstellen für durchziehende Räuber. Wichtige Nachrichten konnten hier für nachfolgende Räuber hinterlassen werden, und gegen Herausgabe einer Speckseite erfuhren die Räuber von den Köhlern ihrerseits Nachrichten. Zuweilen schlossen sich Köhler auch einem Raubzug an, wenn ihnen die Armut gar zu sehr zusetzte.

Die Erlebnisführung am 09. April geht zunächst einmal zu einem alten Kohlplatz, einem Ort im Wald, an dem einst ein Kohlenmeiler gestanden hat. Weiter geht es zur Gersprenzquelle, einem verschwiegenen Räubertreffpunkt mitten im Wald auf der Neunkircher Höhe, und zum Kaiserturm. Dieser Turm jedoch hat gar nichts mit Räubern zu tun, er wurde auch erst 1905 erbaut, als es längst keine Räuber (im hier gebrauchten Sinne) mehr gab.

Aber da der 09. April der Tag der Odenwaldweiten Lärmfeuer ist, besteigen alle Teilnehmer den Turm, um von oben zuzuschauen, wie die Feuer in der Umgebung eins nach dem andern aufflammen. Mit Fackeln wird dann der Rückweg zum Ausgangspunkt angetreten. Die Tour beginnt um 19 Uhr und dauert zwei Stunden, vorher gibt es eine zünftige Räubervesper im Höhenhaus Odenwald, und anschließend kann das Feuer des Brandauer Heimatvereins in Neunkirchen besucht werden. Im Höhenhaus gibt es zum Abschluss einen heißen Räubertopf, damit alle Teilnehmer mit gut gefülltem Bauch nach Hause gehen können und nicht mit knurrendem Magen, wie dies Räubern und Köhlern oft genug geschah.

Anmeldung zu dieser Erlebnistour unter Telefon 06254-9403010 oder Mail mh@kieselbart.de, Teilnahme kostet 19,80 inkl. Räubervesper, Erlebnisführung mit Turmbesteigung und Fackelwanderung sowie Räubertopf, ohne Getränke.

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