KVBW und Gemeindetag auf Landkreis-Tour

Konzepte gegen Ärztemangel im ländlichen Raum vorgestellt

Stuttgart/Aglasterhausen. Mit einer gemeinsamen Informationsveranstaltung haben Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und Gemeindetag Baden-Württemberg am vergangenen Freitag rund 30 Bürgermeister über die Situation der ärztlichen Versorgung im Landkreis Neckar-Odenwald informiert. Dort ist jeder vierte niedergelassene Hausarzt älter als 60 Jahre und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Nachfolger zu finden, wird immer schwieriger, denn junge Mediziner scheuen die Risiken einer Niederlassung.

„Die KVBW hat ein umfassendes Maßnahmen-Paket geschnürt, um dem Ärztemangel zu begegnen. Über die Niederlassungsberatung hinaus organisiert die KVBW Praxisbörsen und informiert zu Möglichkeiten der Anstellung, Vertretungstätigkeit sowie Teilzeitbeschäftigung in Arztpraxen. Weiter verfolgt die KVBW auch den langfristigen Ansatz, mehr junge Menschen für den Arztberuf zu begeistern. Dies wird insbesondere durch Informations-, Unterstützungs- und Förderungsmaßnahmen für Abiturienten und Medizinstudenten erfolgen“, erklärte Dr. Peter Hinz, stellvertretender Geschäftsführer der KVBW und für den Bereich Sicherstellung verantwortlich. Hinz warb bei den Gemeinden um Unterstützung: „Die Kommunen sollten künftig mehr kooperieren und für geeignete Rahmenbedingungen sorgen, die eine Niederlassung auf dem Land auch für junge Ärztinnen und Ärzte wieder attraktiv macht. Konkret könnten die Gemeinden Arztpraxen wie mittelständische Unternehmen fördern, zusammen mit den kommunalen Krankenhäusern die Weiterbildung von Ärzten durch eine organisierte Verbundweiterbildung erleichtern sowie Angebote zur Kinderbetreuung schaffen“, so Hinz.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“KVBW und Gemeindetag auf Landkreis-Tour“ url=“//www.nokzeit.de/?p=10465„] Die ortsnahe medizinische Versorgung ist ein entscheidender Standortfaktor für die Zukunftsfähigkeit der Städte und Gemeinden. „Da wir allerdings nur bedingt Einfluss auf die Niederlassung von Landärzten nehmen können, ist es von uns von großer Bedeutung, dass die Kassenärztliche Vereinigung und das Land uns unterstützen“, sagte Erich Dambach, Bürgermeister von Aglasterhausen und stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags Baden-Württemberg. Das Aktionsprogramm der Landesregierung bewertet er dabei als einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Auch Landrat Dr. Achim Brötel forderte eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Die heutige Bedarfsplanung ist nicht geeignet, um der Versorgungsrealität in ländlichen Regionen gerecht zu werden. Wir müssen neue Modelle ausprobieren, um die ärztliche Versorgung in unserem Landkreis zu stabilisieren.“

Ein gut organisierter Notfalldienst und damit eine Reduzierung der Dienstbelastung des einzelnen Arztes ist ein wichtiger Baustein, um die ärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum wieder attraktiver zu machen. Die Gründung von zentralen Notfallpraxen wird von der KVBW deshalb unterstützt. „Wir fordern alle Beteiligten auf, diese Projekte der niedergelassenen Ärzte positiv zu begleiten“, so Dr. med. Christoph Kaltenmaier, Sprecher des Bezirksbeirates der Bezirksdirektion Nordbaden. Er beklagte die zunehmende Bürokratiebelastung der Ärzte und die weitgehende Reglementierung des ärztlichen Handelns sowie der Therapiefreiheit.

Neben den Bürgermeistern aus dem Landkreis waren auch der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Peter Hauk, und der Landtagsabgeordnete Georg Nelius (SPD) mit von der Partie. Sie brachten sich engagiert in die Diskussion ein und belegten mit ihrer Teilnahme, die Bedeutung des Themas ärztliche Versorgung in der Politik.

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