Kreative Spendenaktionen für Kirche

Die evangelische Kirche muss dringend saniert werden. Hierzu entwickelt die Großeicholzheimer Bevölkerung kreative Ideen.

von Liane Merkle

Großeicholzheim. Es ist noch nicht lange her, da wurden die Großeicholzheimer für herausragendes bürgerschaftliches Engagement von Ministerpräsident Stefan Mappus hoch dekoriert. Dass das für die Einwohner des Schnäischittler-Dorfes noch lange kein Grund ist, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, zeigt sich deutlich in ihrer Bereitschaft, die anstehende Renovierung der evangelischen Laurentiuskirche so weit wie möglich in die eigenen ehrenamtlichen Hände zu nehmen. Schon jetzt haben sich über 30 freiwillige Helfer für die unterschiedlichsten Arbeiten in die ausgelegten Listen eingetragen.

Pfarrvikar Ingolf Stromberger ist begeistert, wie sehr hier die Dorfkirche als Mittelpunkt der Gemeinde gesehen wird. Denn in Relation gesehen, ist das „Bürgerprojekt Laurentiuskirche“ durchaus eine ähnlich große Herausforderung wie es das „Bürgerprojekt Wasserschloss“ war. Der Zahn der Zeit hat seit der letzten Renovierung vor 30 Jahren kräftig genagt: Sandstein, Putz, Holzverkleidung Schallläden u.v.m. müssen komplett überarbeitet oder ganz und gar renoviert werden. Nach Kalkulation von ev. Oberkirchenrat, Denkmalamt und dem Diedesheimer Architekturbüro Franz Huber stehen zusammen mit den anstehenden Arbeiten für das Gemeindehaus Gesamtkosten in Höhe von 390.000 Euro im Raum.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Kreative Spendenaktionen für Kirche“ url=“//www.nokzeit.de“] Erfreulich sei allerdings, dass zumindest im Gemeindehaus alles in Eigenregie durchgeführt werden kann und dass die Fachbetriebe für die Arbeiten an der Kirche ihre Angebot so flexibel gestaltet haben, dass der „Abzug der möglichen Eigenleistungen“ kein Problem darstellt. Positiv merkte Pfarrvikar Stromberger auch den Weitblick des Kirchengemeinderates unter Vorsitz von Klaus Rinklin an. Da die Notwendigkeit der Renovierungsmaßnahmen schon seit einiger Zeit selbst für Laien nicht mehr zu übersehen war, hat man schon sehr früh innovative Ideen zur Spendensammlung entwickelt und kann stolz auf eine Summe von 25.000 Euro blicken.

So brachte das eigens kreierte Großeicholzheimer Kochbuch rd. 2.500 Euro, ein Sponsorenlauf ca. 8.000 Euro, der Kaffeenachmittag des Kindergottesdienstes erfreute mit 630 und das ev. Gemeindefest mit 600 Euro. Beim Preisschafkopfturnier des Männergesangvereins kamen 1.200 Euro zusammen und bei einem gesonderten Kreative Spendenaktion fuer Kirche jpgSpendenaufruf an die örtlichen Firmen zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Hinzu lobte Ingolf Stromberger die Initiative zahlreicher Jubilare im letzten Jahr, ihren Gratulanten nahe zu bringen, dass sie selbst auf Geschenke verzichten und man lieber für die Kirchenrenovierung spenden solle. Offensichtlich gehen den Großeicholzheimer die Ideen nicht so schnell aus. Und das ist auch gut so, denn es fehlen noch rd. 80.000 Euro, wenn man die 40-prozentige Unterstützung durch die Landeskirche berücksichtigt.

Doch Pfarrvikar Stromberger und Kirchengemeinderatsvorsitzender Rinklin sind zuversichtlich. Zum einen allein aufgrund der Mentalität der Großeicholzheimer und zum zweiten wegen der Tatsache, dass diese ihre Laurentiuskirche lieben und gerne wieder in „strahlendem Gewande“ sehen würden. Nicht umsonst haben sie ihren Dorfmittelpunkt als „ihr neues Bürgerprojekt adoptiert“.

Die Ersterwähnung Eicholzheims 775 n. Chr., als ein gewisser Ruthbertus seinen gesamten Besitz in „Heicholfesheimer Marca“ dem heiligen Nazarius schenkte (dessen Leib im Lorscher Kloster ruht) steht schon im Zusammen mit dem Christentum. Zwar wird eine Pfarrei erstmals für das Jahr 1393 im Klosterarchiv Amorbach urkundlich nachgewiesen, aber die Erbauung der Kirche als sog. Eigenkirche von der Ortsherrschaft ist weit vor dieser Nennung anzunehmen. Kein Wunder also, dass sie als unumstrittener Dorfmittelpunkt empfunden wird. Die Reformation wurde hier 1550 eingeführt und durch die Gegenreformation entstand dann wieder eine kleine katholische Gemeinde, die die Kirche zusammen mit den Reformierten benutzten. Bis in der Kurpfälzer Religionsdeklaration von 1705 dieses „Simultaneum“ aufgehoben wurde. Die Beschreibung aller Rechte und Pflichten, die kirchliche Dinge berühren, trägt im Renovationsbuch von 1676 folgenden Titel: „Beschreibung Aller des Heyligen Gefällen oder wie man von alters geheyssen St. Laurentii Pfründen zu Ober Eycholtzheimb“. Was grob besagt, dass diese Kirche einst dem Märtyrer Laurentius geweiht worden war. Nicht nur die Evangelischen freuen sich, wenn dieses geschichtsträchtige Kleinod wieder als schmucker Dorfmittelpunkt erstrahlt. Man steht in den Startlöchern für die Arbeiten und die Gemeinde freut sich über jede einzelne helfende Hand, die sich noch in die Freiwilligenliste im Pfarramt einträgt.

468Kreative Spendenaktion fuer Kirche jpg(Foto: Liane Merkle)

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