Karnele – Zensur an Schulen im Kreis?

In Zusammenarbeit mit der in Steinbach lebende Autorin Nele Tabler erscheint die Kolumne “Karnele” in unserem Magazin. Darin widmet sich die Autorin, die durch ihren Karnele – “Blog über Lesben und lesbisches Leben, Feminismus und Alltagswahnsinn” bundesweit bekannt geworden ist, künftig dem “normalen Alltagswahnsinn” im Odenwald und darüber hinaus. Passend zum Wahnsinn, wird es keine Regelmäßigkeit und thematisch keine Vorgaben bzw. geben.

Heute geht es Nele Tabler um Zensur an Schulen:

Die Zeitschrift »Emma« wird sicher auch Menschen bekannt sein, die sie selbst nicht lesen. Außer der alle zwei Monate erscheinenden Printausgabe gibt es – wie mittlerweile bei allen Zeitungen und Zeitschriften üblich – zusätzlich noch ein Onlineportal mit Vorankündigungen, Blogbeiträgen und einem Forum.

Das Internetmagazin »Mädchenmannschaft« ist einer breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht ganz so bekannt die »Emma«, obwohl beide sich mit den vielen Aspekten des Feminismus beschäftigen.

Seit einiger Zeit eint sie noch eine weitere Gemeinsamkeit: Die Filtersoftware von vielen Schulen, öffentlichen Büchereien usw. hält das Thema Feminismus für jugendgefährdend und hat deshalb den Zugang zu diesen Internetadressen gesperrt. Diese Art der Zensur betrifft allerdings nicht nur die Emma und die Mädchenmannschaft, sondern z. B. auch das Missy Magazine (Feministisches Magazin für junge Frauen), den LSVD (Bürgerrechts-, Selbsthilfe- und Wohlfahrtsorganisation für Lesben und Schwule in Deutschland), FemBio (Biographische Datenbank von über 30.000 bedeutenden Frauen) und sogar so kleine Lichter wie meinen Blog Karnele.


Bundesweit wird nicht immer und überall auf dieselbe Art gefiltert/zensiert. Was an der einen Schule erlaubt ist, kann im Nachbarort bereits verboten sein. Anscheinend haben diese Unterschiede damit zu tun, welche Software von welcher Firma eingesetzt wird, welche Administrator_innen damit arbeiten und welche eigenständigen Entscheidungen den jeweiligen Lehrer_innen, Bibliothekar_innen usw. vor Ort eventuell zugestanden werden.

Auffällig dabei ist jedoch, dass immer wieder Seiten, die sich mit Themen wie Feminismus und/oder sexuelle Identität beschäftigen, von den Sperrungen betroffen sind, während »Gegenseiten« unbehelligt bleiben. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Heilbronner Frauenbeauftragte beschwerte sich beim Werberat über das sexistische Plakat eines Friseurs aus Heilbronn. Überraschenderweise wurde tatsächlich sogar einmal eine Rüge erteilt, was den Friseur allerdings wenig störte. An einer hessischen Schule können die Berichte und Stellungnahmen von Feminist_innen über diesen Vorgang nicht gelesen werden. Hingegen sind die sogenannten Maskulistenseiten der MännerRechtsbewegung, wo zur Hatz auf die Frauenbeauftragte geblasen wurde, frei zugänglich.

Mich würde interessieren, wie im Neckar-Odenwald-Kreis an den Schulen und in sonstigen öffentlichen Einrichtungen, die einen Internetzugang haben, mit solchen Filtern umgegangen wird? Welche Software wird eingesetzt? Wer trifft welche Entscheidungen? Ist hier der Feminismus auch gleichbedeutend mit Pornografie?

Weitere Texte unserer Kolumnistin Nele Tabler gibt es unter:
www.karnele.de

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