Hoffnung durch „Leben braucht Wasser“

Unterstützen Sie NOKZEIT!

Seckach hilft Campesinos in Peru

Wasser, für uns Mitteleuropäer eine Selbstverständlichkeit, ist auf der Welt ungleich verteilt.

Für die Campesinos (Kleinbauern) in Mocupe in der Region Lambayeque, 40 Kilometer südlich von Chiclayo ist Wasser ein kostbares und seltenes Gut. In den Anden regnen sich die Wolken aus, während es in der Sandwüste von Mocupe sieben Monate und mehr im Jahr trocken ist. Die Lebensverhältnisse dieser Bevölkerung sind nicht nur bedrohlich, sondern katastrophal: Krankheiten und hohe Kindersterblichkeit sind die Folge.

Aber die Landbevölkerung schöpft Hoffnung, weil man auf Bernhard Heilig aus Seckach baut. Der Vorsitzende des Fördervereins „Leben braucht Wasser“ e. V. hat ehrgeizige Ziele: Die Bauern sollen sich mit dem Pilotprojekt „200 Pumpen für Mocupe“ selbst helfen. Er will sie nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ dazu bringen, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen und aus eigenem Antrieb ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. 100 Einfachstwasserpumpen sind dank der Solidarität und der Unterstützung vieler Menschen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis in Peru bereits installiert und liefern das lebensspendende Nass in die ausgetrockneten Gärten, Viehtränken und Haushalte.


Im August dieses Jahres zog Bernhard Heilig Zwischenbilanz vor Ort. Er nutzte seinen Jahresurlaub, um mit seinen Söhnen Funktion und Effektivität der Pumpen zu überprüfen und Erfahrungsaustausch mit den Campesinos von Mocupe vorzunehmen. Die neu entwickelten Betongießformen wurden in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Frankfurt konstruiert und von der Firma Vogt aus Sindolsheim gefertigt. Zugute kommt Bernhard Heilig, dass seine beiden Söhne Thomas und Konrad, beide Ingenieurstudenten, von der Ausbildung her wie geschaffen für dieses Projekt sind und ihren Vater vorbildlich unterstützen.

Von den 100 Pumpen, die Bernhard Heilig mit seinen Helfern in Südamerika bereits installiert hat, wurden 64 gründlich inspiziert und auf ihre Funktionsfähigkeit kritisch überprüft. Es zeigte sich, dass die fachliche Schulung der Mitarbeiter und die Fertigung der Bohrvorrichtungen vor Ort eine notwendige  Voraussetzung für das Gelingen des Projektes war.


Als weitere wichtige Basis hatte sich die Zusammenarbeit mit dem Maschinenbaustudenten  Dominik Dörr von der Technischen Universität Karlsruhe erwiesen, der eine Einfachstbiegvorrichtung konstruierte. Die  Firma Imtech Frankfurt übernahm  die Logistik und den Transport der neuen weiterentwickelten Betongießformen. Alle Pumpen waren funktionsfähig. Und so sah man an den strahlenden Gesichtern der Peruaner, dass das Projekt für eine einfach, effektive Wasserversorgung angekommen ist und von den Campesinos mit ihren Familien dankbar angenommen wird. Freilich galt es für Bernhard Heilig angesichts der fehlenden Maschinen, angesichts des fehlenden Stroms und wegen des Mangels an Fachkräften, sowie der nicht vorhandenen Infrastruktur des Landes Berge von Problemen zu bewältigen.

So kamen die optimierten Betongießformen Infolge einer bürokratischen Administration des peruanischen Zolls erst mit zweiwöchiger Verzögerung an. Aber Heilig ließ sich nie entmutigen. Er schulte die heimischen Mitarbeiter in der Handhabung der neuen Gießformen und fertige mit bescheidenen Mitteln Einfachstbohrvorrichtungen. Somit konnte die Qualität und Effektivität beim Fertigen der Pumpenkörper gesteigert werden. Schließlich hatte man im Vorfeld alles sorgfältig geplant In Zusammenarbeit mit dem Sportanglerverein Seckach, der seine Anlage für einen Testlauf zur Verfügung gestellt hatte, wurde die Effektivität unter den Augen kritischer Ingenieure des Braun-Werksengineering Walldürn im Rahmen einer After-Workparty getestet und unter Beweis gestellt.

Martin Götzinger aus Buchen holte mit Hilfe der Pedalen und seiner Muskelkraft in drei Minuten 172 Liter aus dem See. Hinter all dem Aufwand, dem Einsatz der Helfer und mit Hilfe der Spenden der hiesigen Bevölkerung steht das Ziel, der Trockenheit den Kampf anzusagen und vorhandene Möglichkeiten auszuschöpfen. Durch den Einsatz dieser Pumpen wird eine sparsame Tropfenbewässerung beim Gemüseanbau, bei der Tränke des Viehs und der hauswirtschaftlichen Nutzung erst möglich. Nahrungsgrundlage und Hygiene durch fließendes Wasser schaffen für die Peruaner Nahrungssicherheit und ein bescheidenes Einkommen wird durch den Verkauf von Gemüse auf dem Markt gesichert. Der Armutskreislauf wird auf diese Weise durchbrochen. So verkörpert Bernhard Heilig gelebte Entwicklungshilfe, die den Menschen zwischen Pazifik und Anden ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Die Pedalpumpe (PEP) ist somit ein nachhaltiges Instrument der Hilfe zur Selbsthilfe gegen Hunger, Krankheit und Armut.

Für den Förderkreis „Leben braucht Wasser“ ist das Erreichte jedoch kein Ruhekissen. Weitere 50 Pumpen sind in Vorbereitung. Rohrbrunnen und Wasseraufbereitung mit „SODIS“ kosten Geld. Der Vorsitzende wirbt beständig für sein Projekt. Einige Mitarbeiter der Firma Braun verzichteten auf eine Feier anlässlich ihres 25-jährigen Betriebsjubiläums. Dafür spendete die Firma  einen entsprechenden Betrag für dieses Projekt. Neben dem Bau von Rohrbrunnen ist das Umsetzen von „SODIS“ der nächste Schritt. Mit diesem Prinzip wird innerhalb von sechs Stunden sauberes Trinkwasser hergestellt. Es ist ein sehr einfaches und kostengünstiges Verfahren, das mit Hilfe einer solaren Wasserdesinfektion die Keime im Trinkwasser abtötet. Diese Methode verhindert  Darminfektionen und Durchfall, was dazu beiträgt, Menschenleben zu retten.

Wenn der Vorsitzende des Förderkreises aus Seckach im kommenden Jahr wieder seinen Jahresurlaub in Entwicklungshilfe umfunktioniert, möchte er das Pflänzchen „Leben braucht Wasser“ in Peru als starke und lebensspendende Pflanze vorfinden. Seine Pumpen stehen im ökologischen Gleichgewicht durch den CO2-neutralen Einsatz von körperlicher Energie beim Pumpvorgang. Das Nutzungskostenverhältnis ist hoch und damit ökonomisch rentabel. Der soziale Ausgleich infolge der gleichmäßigen Verteilung schafft Einkommen und beseitigt die Wurzeln der Armut.

Eine Idee nimmt Form an, die Kompetenz  aller Beteiligten hat sich bewährt und das Engagement, die Beharrlichkeit und die Verbundenheit mit dem südamerikanischen Land gewähren einen fundamentalen und effizienten Beitrag zu mehr Solidarität unter den Menschen. Bernhard Heilig hat sich „Mocupe“ zur Lebensaufgabe gemacht, eine Aufgabe, die ihn fordert, die ihm aber auch Zufriedenheit und Erfüllung schenkt.

Leben braucht Wasser
Unser Bild zeigt eine junge Familie mit einer Pumpe.Sie ist eine aus dem Projekt „100 Pumpen für Mocupe“. Mit der Pumpe wird der Garten bewässert, das Vieh getränkt und die Hauswasserversorgung sichergestellt. (Foto: privat)

Infos im Internet:
www.lebenbrauchtwasser-ev.de

Artikel teilen:

Werbung

Zum Weiterlesen: