Erftaldomorgel – 2007 bis 2011

10 Jahre Konzertreihe auf der Vleugelsorgel

Hardheim. (bb) Nach Abschluss der umfangreichen Renovierung der neuromaischen Pfarrkirche in Hardheim  nahm sich die Kirchengemeinde St. Alban 1998 der Renovierung und Erneuerung der Vleugelsorgel aus dem Jahre 1968 an. Die Hardheimer Orgelbau-Manufactur Vleugels  restaurierte und erweiterte die bestehende  Orgel um ein Schwellwerk in das eine Anzahl  wertvoller Register aus dem Fundus der ortsansässigen Firma eingebaut wurden. Damit schloss die Vleugelsorgel im Hardheimer Erftaldom mit ihren 48 Registern und über 3.000 Pfeifen in die Reihe der größeren Instrumente zwischen Heidelberg und Würzburg auf.

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Schon in der Renovierungsphase bildete sich der Freundeskreis „Erftaldomorgel“. Neben der Sammlung von Spendengeldern machte er sich Gedanken, wie die „Königin der Musikinstrumente“ neben der musikalischen Begleitung von Gottesdiensten im Rahmen von Konzerten ihre wahre Klangfülle und Harmonie zeigen kann.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Reihe großer Orgelkonzerte in Hardheim blickt der Sprecher des Freundeskreises, Bernhard Berberich auf 27 Orgelkonzerte zurück, die in dieser Zeit organisiert und durchgeführt wurden.

Die von dem aus Hardheim stammenden Grafikdesigner Wolfgang Günter künstlerisch auf schwarztöne verfälschte Fotografie der Erftaldomorgel auf den Ankündigungsplakaten und den Jahresprogrammen, erreichte in diesen zehn Jahren einen hohen Wiedererkennungswert. Dazu trug auch die Plakatverteilung im Umkreis von bis zu 40 km durch die Orgelfreunde Walter Bechtold und Gerhard Bischof bei.

Dank der vorzüglichen Berichterstattung der regionalen Zeitungen, insbesondere der Fränkischen Nachrichten, der Rhein-Neckar-Zeitung und der Litfaß-Säule finden die Orgelkonzerte immer ein musikalisch interessiertes Publikum.


Der zweite Teil der Chronik beginnt im Jahre 2007. Die Konzerte dieses  Jahres stellte der Freundeskreis, zu dem neben Pfarrer Franz Lang  auch Hans-Georg und Silvia Vleugels sowie die Organisten Friedhelm Bräuer und Richard Leiblein, sowie Ortrud und Peter Biller zählen, unter das Motto „3-D Konzerte“.  Und die auf dem Jahresprogramm stehenden drei Domorganisten schafften es ihre Konzerte zu einem  3-D Erlebnis werden zu lassen. Mit einer opulenten Klangfülle begeisterte der Domorganist des Freiburger Münsters,  Prof. Klemens Schnorr und zeigte sein Können an der Vleugels-Orgel im Erftaldom. Er stimmte sein Konzert ganz auf die Passionszeit ab und wählte Stücke deutscher Komponisten wie J.S.Bach, K. Höller und J. Reubke aus, die in diese Zeit passten.

Beim zweiten Konzert in der Jahresreihe 2007 stellte Domorganist Josef Still von der Hohen Domkirche Trier sein instrumentales Gestaltungsvermögen an der Orgel unter Beweis. Gemeinsam mit Professor Stefan Geiger von der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg an der Posaune gestaltete er das Konzert im Juni in der Pfarrkirche St. Alban in Hardheim.

Mit seiner spektakulären und aufwühlenden Orgel-Improvisation zum Stummfilm „La Passion de Jeanne d’Arc“ („Der Leidensweg der Jeanne d’Arc“) von Carl Theodor Dreyer aus dem Jahr 1928 gelang dem Würzburger Domorganisten Stefan Schmidt eine optisch und akustisch gleichermaßen ergreifende Aufführung. Die Besucher zeigten sich von der Filmqualität und der Leistung des Organisten in höchstem Maße beeindruckt und gefühlsmäßig angesprochen. So schloss der Beifall am Ende auch den Dank an die Orgelmanufactur Vleugels und die katholische Kirchengemeinde ein, die dieses imposante Orgel-Kino möglich gemacht hatten.

Mitte Februar 2008 präsentierte der Orgelsachverständige im Bistum Trier, Organist Klaus Evers aus Bad Kreuznach in einem außergewöhnlichen Konzert „Orgel und Vogelstimmen“. Er zauberte ein facettenreiches Klanggemälde und die Zuhörer durften die Vleugels-Orgel wieder einmal in all ihrer Vielseitigkeit erleben, als multifunktionales und multiplexes Konzertinstrument.

Ein prominenter Gast in Hardheim war der weltweit bekannte Komponist, Organist und Improvisator Professor Dr. Naji Hakim aus Paris im Juni 2008. In seinem Programm präsentierte Hakim abwechselnd eigene Kompositionen und Werke anderer französischer Komponisten. Schon im ersten Stück seines Programms, dem „Bach’orama“, einer Orgelfantasie über Themen von Johann Sebastian Bach zeigte Hakim, auf  eindrucksvolle Weise, wie er sein Programm konsequent in eine unter die Haut gehende Klangfülle zur Aufführung bringen kann.

Das dritte Konzert des Jahres 2008 führten der Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg in Eberbach, Godehard Weithoff zusammen mit dem Heidelberger Saxophonisten Ralf Schweizer auf. Kraftvoll und klanggewaltig erfüllten die beiden Ausnahmemusiker mit dem Originalsatz von Harald Heilmanns „Pastorale“ die Hardheimer Pfarrkirche. Genauso pompös wie es der Name schon verrät, erklang Edward Elgars populärer Marsch „Pomp & Circumstances, D-Dur“. Von König Edward VII als Begleitmarsch für Krönungsfeierlichkeiten ausgewählt, sorgte dieses Werk auch im Erftaldom für Gänsehautatmosphäre und ließ erahnen, wie der Marsch in der St. Paul’s Kathedrale in London wirken muss.


Die Konzertreihe 2009, zu der erstmals ein farbiger Programmflyer aufgelegt wurde begann mit zwei jungen Organisten denen ein sehr guter Ruf als Preisträger des Heidelberger Philipp Wolfrum-Wettbewerbs voraus ging. Die ausgewählten Werke gestalteten die jungen Künstler in zwei aufeinander folgenden Blöcken. Zunächst wartete Balázs Szabó mit Praeludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, von Johann Sebastian Bach auf. Er verstand es in überzeugender Weise, die verschiedenen musikalischen Charakterisierungen prägnant herauszuarbeiten. Natalia Ryabkova bewies gleich beim ersten ihrer drei Auftritte mit der 1. Sonate b-Moll, op. 1 /I „Ziemlich bewegt“ von Philipp Wolfrum, dass sie bereits eine Virtuosin von Format ist. Ein brillantes „Orgelfeuerwerk“ entzündete Professor Friedemann Winklhofer im Juli 2009 auf der Vleugels-Orgel.  Der Professor der Hochschule für Musik und Theater in München und Orgelsachverständige der Erzdiözese München-Freising erwies sich als exzellenter, technisch versierter und äußerst einfühlsamer Organist und wahrer Orgelspielkünstler. Ausdrucksstark, zart und einfühlsam hat Prof. Alexander Fiseisky gemeinsam mit dem Moskauer Gnessin-Barock-Orchester die sechs Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel interpretiert. Nach diesem Konzertes im September  erhoben sich die rund 200 begeisterten Besucher von den Bänken und forderten mit anhaltendem Applaus Zugabe. Das Abschlusskonzert 2009 mit dem Limburger Domorganisten Prof. Markus Eichenlaub wurde, begleitet von der Sopranistin Dorothee Laux, einmal mehr zu einem Genuss für die Sinne. Besondere Atmosphäre zauberte im März 2010 das Zusammenspiel von Kirchenmusikdirektor und Kantor Siegfried Petri an der Orgel mit Kantorin Sabine Petri, beide von der St. Petri Schlosskirche in Chemnitz, beim Musizieren mit unterschiedlichen Arten von Blockflöten. In den musikalischen Abend eingestimmt wurden die Besucher, als Sabine Petri die Musik der Pavane für Einhandflöte und Trommel von Tilman Susato mit diesem langsamen, rhythmisch geprägten Schreittanz bei ihrem Einzug in die Kirche erklingen ließ. Mit renommierten Organisten und außergewöhnlichen Klangkompositionen von Orgel, Instrumentalsolisten und Gesang setzten die Veranstalter der Konzertreihe im Hardheimer Erftaldom seit Jahren Akzente. Erneut für Aufsehen sorgten die katholische Pfarrgemeinde und der Freundeskreis „Erftaldomorgel“ im Juli 2010 mit einem fast schon experimentellen Projekt unter dem Titel „Orgelkonzert zu vier Händen und vier Füßen“. Mit Diözesanmusikdirektor Gregor Frede und Regionalkantor Stefan Walter, beide aus Würzburg, griffen nicht nur zwei ausgewiesene Könner ihres Fachs gleichzeitig in die Manuale und Pedale der Vleugels-Orgel, ihr virtuoses Spiel wurde auch über zwei Kameras live auf eine Großbildleinwand im Altarbereich übertragen.

Romantisch, stimmungsvoll, beeindruckend, das waren die Prädikate für das letzte Orgelkonzert des Jahres 2010. Der Lichtkünstler Thomas Leonard aus Würzburg interpretierte die Orgelvorträge des Bad Kissinger Organisten Peter Rottmann visuell. Heraus kam ein unvergessliches Gesamtkunstwerk, das die gut 200 Besucher in Staunen versetzte.

Mal erklang die Vleugels-Orgel kraftvoll und mächtig, mal zart und spielerisch. Die Harmonien waren dramatisch, schwer, dann wieder hell und leicht. Den akustischen Wechsel der Gefühle und Stimmungen setzte Thomas Leonard gekonnt in visuelle Effekte um. Ausgehend von einem Lichtschimmer im Tabernakel breitete sich mit den Orgelklängen das Licht wie ein Meer im Altarraum aus. Dann wieder setzte der Künstler Säulen und Altarraum schlagartig ins Licht, wenn die Musik einen kräftigen oder fanfarenhaften Charakter annahm.
Das optisch-visuelle Kunstwerk ergänzte der Hardheimer Gemeindepfarrer Franz Lang mit religiösen Texten des seliggesprochenen Liborius Wagner, der im 17. Jahrhundert ein Jahr lang in Hardheim als Kaplan gewirkt hatte.

Mit einem Jubiläumskonzert zum 200. Geburtstag von A.Cavaillé-Coll begann das Konzertjahr 2011.
Dr. Natalie Sander beeindruckte durch ihre gefühlvollen Interpretationen Erinnerung an Aristide-Cavaillé-Colls „Musikalische Reise von Frankreich nach Moskau“.

Zu einem einzigen Loblied auf Gott und die Schönheiten seiner Schöpfung in der Natur, besonders im Frühling und Maimonat, ließ der ehemalige Domorganist vom Hohen Dom in Mainz, Albert Schönberger, am Sonntag das Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Alban werden. Dieses stand unter dem Motto „Chant de Mai“. Äußerst versiert führte er mit seinen theologischen Betrachtungen in die Thematik des Konzerts ein und leitete auch jeweils zu den einzelnen Werken über. Die mächtigen Klänge des Finales aus der „Saint-Wilfried’s Suite“ von Andrew Carter sprachen die Zuhörer ebenso nachdrücklich an wie die „Phantasie f-Moll“, KV 608, für das Orgelwerk in einer Uhr mit schweren Akkorden und zarten Melodien. Dabei kam auch die Bedeutung des „Kreuzes“ im menschlichen Leben und auf dem Weg Mozarts deutlich zum Ausdruck.

Ein weiteres „Orgel-Kino“ mit dem Stuttgarter Domorganisten Johannes Mayr im Oktober 2011 verdeutlichte die Szenen des Faust-Stummfilmes von Friedrich W. Murnau musikalisch. Bei seiner meisterlichen Orgel-Improvisation zum dramatischen Geschehen im Stummfilm vermochte der Organist mit seinen beeindruckenden, aufwühlenden Klängen die Filmszenen höchst überzeugend zu charakterisieren.

Hinweis:  Nächstes Orgelkonzert im Erftaldom: Sonntag, 29. Januar 2012 um 18.00 Uhr. Heike Ittmann, Lampertheim, Orgel, Falk Zimmermann, Mannheim, Trompete.
Infos im Internet:
www.erftaldomorgel.de

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