Zwerchfellattacken und Stakkato-Beifall

Kolping-Theatergruppe mit Dreikönigs-Erfolg

von Liane Merkle

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Mudau. Für jede Menge Spaß und Erholung sorgte mit zwei sehr gut besuchten Vorstellungen um den Dreikönigstag die Theatergruppe der Mudauer Kolpingfamilie unter Regie von Roman Andres, dem es mit dem äußerst zeitgemäßen Dreiakter „der Wahlk(r)ampf“ von Wilfried Reinehr perfekt gelungen war, die ansteckende Begeisterung seiner Truppe für das Laientheater ins rechte Licht zu rücken. Er lobte die Spielbegeisterung der Akteure auf der Bühne ebenso wie die vielen unermüdlichen Helfer „im Hintergrund“, die in ihrer Bescheidenheit auch dort bleiben wollten, darunter auch Souffleuse Ursula Andres.

Die Charaktere wurden von den Darstellern so gekonnt in Szene gesetzt, dass neben den unüberhörbaren Zwerchfellattacken und nicht enden wollendem Stakkato-Schlussbeifall auch immer wieder lautstarker Szenenapplaus den Erfolg des Stückes in der Mudauer Odenwaldhalle dokumentierte.

Es war schon nicht ganz einfach für Wilhelm Haberkorn, dessen Wiederwahl zum Bürgermeister anstand. Amtsmüde war er, aber zu verantwortungsbewusst, um Widersacher Johannes Tölpel gern das Feld zu überlassen. Außerdem hatte er auch noch eine ehrgeizige Ehefrau, die auf keinen Fall als „Frau Bürgermeister“ zurücktreten wollte. Doch auch sie musste lernen, „denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Zunächst wurde Bürgermeister Haberkorn mit finanzieller Unterstützung des ebenso reichen wie skrupellosen Bauunternehmers Mühlbauer – gekonnt charakterisiert von Paul Scheuermann – von Johannes Tölpel (Mario Gaibler) und dessen Tochter Klara (Donebacher Jungprofi Caroline Walz) entführt und im Keller eingesperrt.


Das sah er noch locker, denn endlich hatte er mal seine Ruhe und die Verpflegung war wohl auch nicht zu überbieten. Allerdings wußte Wilhelm Haberkorn da zwei Dinge noch nicht. Erstens, dass sich in Tochter Karin (Nadine Heck) und deren große Liebe Thomas Tölpel (Daniel Herkert) – also dem Sohn seines Kontrahenten – ein Liebespaar gefunden hatte, das voll hinter ihm stand, und zweitens, dass er durch den Penner Wilhelm Lampe, seinem visuellen Double, im Rathaus ersetzt und politisch absolut unmöglich gemacht werden sollte. In der Doppelrolle Haberkorn/Lampe stellte Stefan Galm seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis, der neben Sekretärin Nagel sogar „Ehefrau Elise“ (perfekt besetzt durch Anette von Wedel) auf den Leim ging.

Als treu sorgende Amanda Nagel überzeugte hundertprozentig Gabi Link, die sich schon wenig wunderte über die neuen Verrücktheiten ihres Chefs, wobei ihr – vor allem im Umgang mit dem etwas einfältigen Ratsdiener Emil Flachmann (wunderbar dargestellt durch Gerald Hemberger) und der stets nörgelnden Bürgerin Martha Mager (gekonnt personifiziert durch Ursula Link) – ihre situationsgefällige Schwerhörigkeit zu Gute kam.

Als das Täuschungsmanöver endlich bekannt wurde, wendete sich alles doch noch zum Positiven: Johannes Tölpel war als potentieller Bürgermeister absolut undenkbar und Bauunternehmer Mühlbauer heimatlos geworden, als perfekter Bürgermeisternachfolger entpuppte sich Thomas Tölpel – der Schwiegersohn in spe – und Wilhelm Haberkorn durfte endlich – sogar mit Genehmigung von Ehefrau Elise – Pensionär werden.

Damit war der Kolping-Theatergruppe wieder einmal ein Dreikönigs-Erfolg auf der ganzen Linie beschieden, wie dem frenetischen Beifall der beiden hervorragend besuchten Vorstellungen zu entnehmen war.


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