Wertheim fürchte um Polizei-Akademie

Wertheim. (pm) Unverständnis und Empörung löst in Wertheim das am Mittwoch veröffentlichte Eckpunktekonzept zur Landespolizeireform aus (NZ berichtete). Die seit 1993 in Wertheim angesiedelte Akademie der Polizei wird darin als „verzichtbar“ bezeichnet. Es droht die Aufgabe des Standorts Wertheim zugunsten von Freiburg. Oberbürgermeister Stefan Mikulicz wertete dies heute vor der Presse als „unausgegoren“. Er appellierte im Schulterschluss mit allen Fraktionen des Gemeinderats an das Land, „zunächst die Folgen eines solchen Schritts abzuwägen und erst dann zu entscheiden.“

Erst im Oktober 2011 hatte Mikulicz dem Innenminister ein ausführliches Argumentationspapier zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Akademie der Polizei am Standort Wertheim zugeleitet. Darin waren die vielen guten Gründe, die für den Erhalt der Einrichtung sprechen, dargelegt. Oberbürgermeister Mikulicz empfindet es heute als „herben Schlag, dass diese guten Argumente, ohne mit uns zu sprechen, offenbar ignoriert werden sollen.“ Die Polizei-Akademie Wertheim sei eine gut funktionierende und international anerkannte Einrichtung und für Wertheim eine wichtige Infrastruktureinrichtung im Konversionsgebiet Reinhardshof.

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Die Landeseinrichtung belegt dort etwa drei Hektar Fläche und sieben Gebäude mit einer Nutzfläche von 10.000 Quadratmeter. Als Außenstelle der Polizeiakademie Freiburg hat sie in Wertheim eine Kapazität von 160 Betten und sichert 53 Arbeitsplätze. Pro Jahr besuchen etwa 6.000 Kursteilnehmer die Lehrgänge und Seminare der Akademie. Seit dem Jahr 2000 bereitet sie schwerpunktmäßig Polizeibeamte des Bundes und der Länder auf Auslandseinsätze vor. Die zentrale Lage Wertheims hat sich dabei besonders bewährt.

Als „völlig unreflektiert“ bezeichnete das Stadtoberhaupt im Pressegespräch das Vorhaben, „diese gut funktionierende Einrichtung zugunsten des Standorts Freiburg zu zerschlagen.“ Dort müsste ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden, während Wertheim ausreichende und erweiterungsfähige Kapazität hat. Und gleichzeitig bliebe bei einer Verlagerung nach Freiburg in Wertheim eine „Millionenruine“ zurück, deren Folgenutzung völlig ungeklärt sei. „Das kann man doch nicht wollen dürfen,“ so Mikulicz.


Oberbürgermeister Mikulicz äußerte die Hoffnung, „dass das Land im weiteren Nachdenken noch zu besseren Erkenntnissen kommt.“ Die Frage der Wirtschaftlichkeit scheint bislang nicht berücksichtigt, auch Alternativen seien nicht geprüft. „Wir in Wertheim werden alle Hebel in Bewegung setzen, dass diese offensichtlich vorschnell formulierte Tendenz zur Aufgabe unserer Akademie noch revidiert wird.“ Stefan Mikulicz baut dabei auf den von der neuen Landesregierung wieder und wieder proklamierten Politikstil des Dialogs, der Transparenz und der Beteiligung.

„Ich setzte auf die Dialogfähigkeit der Landesregierung“, so Oberbürgermeister Stefan Mikulicz abschließend. Der Gemeinderat wird bereits am Montag, 30. Januar, eine Resolution verabschieden. Die weitere Vernachlässigung des ländlichen Raums werde man nicht einfach hinnehmen.

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