„Eltern wollten perfekte Hausfrau“

Mariana Römer ist Laboringenieurin an der DHBW Mosbach – Workshops zum Girls‘ Day

Mosbach. (pm) Wenn Mariana Römer als Kind den Staubsauger in die Hand nahm, dann nicht, um zu Hause sauber zu machen. „Ich wollte wissen, wie er funktioniert“, sagt die heute 47jährige. Sie ist die einzige Laboringenieurin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach. Frauen in technischen Berufen sind immer noch selten. Zum Wintersemester 2011/12 begannen zusammen mit 70 Männern nur neun Frauen ihr Mechatronik-Studium an der Dualen Hochschule. „Wer ein echtes Interesse an Technik hat, sollte sich das nicht nehmen lassen. Ich kann nur jedem technikbegeisterten Mädchen raten, auf seine innere Stimme zu hören“, meint Römer.

„Ich war kein typisches Mädchen“, blickt sie zurück auf ihre Kindheit in Târgu-Jiu in Rumänien. „Meine Eltern wollten die perfekte Hausfrau aus mir machen, aber das ging nicht. Ich wollte immer nur wissen, warum sich etwas bewegt oder leuchtet. Baustellen und kaputte Alltagsgegenstände haben mich fasziniert!“ Der Besuch eines technischen Gymnasiums mit den Schwerpunkten Physik und Mathematik kam diesem Interesse entgegen. „Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich meinen Weg gehen ließen“, sagt sie.


Mariana Römer hat in Rumänien bis 1988 Elektrotechnik studiert. Die Liebe führte sie nach Mosbach. Einen Job zu finden, war kein Problem, allerdings bekam sie auf einer Baustelle auch mal zu hören, wo denn „der Kollege“ bleibe. Eines Tages stand sie vor der Entscheidung: Familie oder Führungsposition. 1995 wurde Nathalie geboren, zwei Jahre später Daniel. „Ich wollte in den ersten Jahren die meiste Zeit mit meinen Kindern verbringen“, sagt Römer, „aber ich wollte auch arbeiten. Das war gar nicht so einfach.“ Sie reduzierte die Arbeitszeit und engagierte eine Tagesmutter, bis die Kinder in den Kindergarten gingen. Seit vier Jahren arbeitet Römer an der DHBW Mosbach. „Die Kinder finden das super. Bei uns helfen im Haushalt alle mit,  natürlich auch mein Mann.“

Der zweifachen Mutter liegt sehr daran, Mädchen zu fördern. Am Girls‘ Day bietet sie an der DHBW Mosbach zusammen mit sieben Kollegen Workshops an. „Ohne Technik funktioniert so gut wie gar nichts mehr. Aber immer seltener haben Kinder die Gelegenheit, selbst zu löten oder etwas zu bauen. Was kaputt ist, wird weggeworfen. Das ist schade.“

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In allen Workshops geht es deshalb um sehr praxisnahe Technik. Mariana Römer baut mit den Mädchen eine „elektronische Entscheidungshilfe für den Fall, dass ich morgens nicht weiß, ob ich das rote oder blaue Kleid anziehen soll“. Dabei muss erst mal erforscht werden, welche elektronischen Bauteile benötigt werden und wie sie funktionieren. „Das ist den meisten völlig unbekannt. Sie werden staunen, wie einfach es ist. Ich hoffe, dass die Mädchen dadurch offen für die Technik werden.“

Wie überall ist es wichtig, dass beim Löten der elektronischen Schaltung ein Funke der Begeisterung überspringt. Bei Mariana Römer kein Problem. „Die Kinder dürfen dann nur nicht ausgebremst werden. Wer für sich erkennt, dass Technik spannend ist, sollte sich nicht reinreden lassen. Sie warnt aber davor, Technikberufe nur wegen des großen Bedarfs an Fachkräften zu wählen: „Das funktioniert – meistens –  nicht. Eine Ausbildung und ein Studium haben nur Sinn, wenn man es selbst will.“ Wer sich für einen technischen Beruf entscheiden möchte, sollte logisch denken und abstrahieren können. Um Mathematik kommt man nicht herum. Schade findet sie, dass der Physikunterricht an allgemeinbildenden Gymnasien erst so spät beginnt und nur als Nebenfach gewertet wird.  Ein Leistungskurs biete gute Voraussetzungen für das Studium, sei aber nicht das Entscheidende: „Für mich ist der Spaß an der Technik das Wichtigste, und ein eindeutiges „Ja“ bei der Vorstellung, dass man damit sein ganzes Berufsleben verbringen möchte.“ Mariana Römer ist mit ihrer Entscheidung glücklich und würde „es wieder so machen“.


Info: Am Zukunftstag für Mädchen, dem Girls‘ Day, stehen an der DHBW Mosbach, Lohrtalweg 10, von 9 bis 13.15 Uhr die Türen zu den technischen Laboren weit offen. Vorträge und Rundgänge weisen Mädchen den Zugang zu einem spannenden Berufsfeld von der Elektrotechnik bis zur Mechatronik, das immer noch überwiegend von Männern besetzt ist. Jedes Mädchen kann am Girls‘ Day an der Dualen Hochschule teilnehmen und bis zu zwei Workshops besuchen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen nimmt Jutta Heidecke per E-Mail entgegen: heidecke@dhbw-mosbach.de. Weitere Informationen auf www.dhbw-mosbach.de.

Eltern wollten perfekte Hausfrau

Mariana Römer ist Laboringenieurin an der DHBW Mosbach. (Foto: DHBW Mosbach)

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