„Lichtabdrücke des Lebens“

Kunstvereinssaison in Mosbach beginnt

von Tim Krieger

Mosbach. Das  Mosbacher Alte Schlachthaus – als Domizil des Kunstvereins Neckar-Odenwald ist es wohlbekannt. Bekannt ist auch den meisten Kunstfreunden, dass die Räumlichkeiten dieses denkmalgeschützten geschichtsträchtigen Bauwerks bisher nicht beheizt werden konnten und der Kunstverein daher seine Ausstellungssaison auf die warmen Monate beschränken musste.

Nun zeigte sich die Stadt Mosbach als Vermieter äußerst großzügig und stattete die bei Künstlern hochgeschätzten Ausstellungsräume mit einer modernen Gasheizung aus – der Kunstverein wird dadurch von nun an in seiner Planung unabhängig von den Witterungsbedingungen sein.

Für den Vorsitzenden des Vereins Werner Zeh geht damit ein lang gehegter Wunsch in  Erfüllung. Vor allem für die Übergangszeiten verspricht er sich einen bedeutenden Gewinn. Auch für das Gebäude selbst betrachtet er die Heizung als einen großen Nutzen – die Gefahr der Schädigung der Bausubstanz in den Wintermonaten durch Feuchtigkeit und Kälte sieht er gebannt.


Auch ist der Spielraum für andere kulturelle Veranstaltungen im Alten Schlachthaus wie Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen mit der Heizungs-Installation deutlich gewachsen – die erfolgreiche Aufführung  der Szenischen Lesung „Camille Claudel“ durch die Badische Landesbühne im vergangenen Jahr braucht ja kein Einzelfall gewesen sein.

Der Kunstverein wird natürlich seinem Kernanliegen treu bleiben – der Vermittlung moderner Kunst in Ausstellungen regionaler und überregionaler Künstler. Im Buchener Kulturforum, dem zweiten Schauplatz der Kunstvereinsarbeit, ist bereits seit Anfang März die Auseinandersetzung mit modernen Kunstkonzepten möglich, zuletzt in der Ausstellung  der beiden jungen Künstlerinnen Margarethe Kollmer und Patrizia Kaiser, die am vergangenen Sonntag zu Ende ging.

Die erste Kunstschau in Mosbach wird nun einer Malerin gewidmet sein, der es vor allem um den großen Dreiklang von Zeit – Raum – Licht geht.  Christa Wirth zeigt uns in der Ausstellung „Hier und da und anderswo“ ab dem kommenden Sonntag  in ihren Ölmalereien Momentaufnahmen – Augenblicke. Ihre Werke entstehen meist nach Fotografien. Dass diese ungestellte Szenen wiedergeben, ist ihr wichtig. Mit großer Geduld und Beständigkeit untersucht die bei Offenburg lebende Künstlerin mit ihrer Arbeit die Grundbedingungen der Wahrnehmung.  Ihre Bilder betrachtet sie als „Lichtspeicher“, ihr geht es um die immer neue Wiederentdeckung des Elementaren in der Bildbetrachtung und der Wahrnehmung der Wirklichkeit: Perspektive, Farbakkorde, Formbildungen in Licht und Schatten.  Auffallend ihre Vorliebe auch für außergewöhnliche Bildformate –Panoramen oder  schmale Hochformate.

Christa Wirth studierte Malerei bei dem durch seine seriellen Arbeiten bekannt gewordenen Peter Dreher, Professor an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, Außenstelle Freiburg – sicherlich ein starker Impulsgeber für ihre Arbeit.


Die Malerin denkt und arbeitet nämlich ebenfalls seriell – eines ihrer immer wiederkehrenden Themen ist die Fussgängerzone, ein sie faszinierender moderner Lebensraum. Kein Wunder, dass sie auch in Mosbach fündig wurde und uns die Ergebnisse ihrer Entdeckungen vorführt.

Christa Wirth nennt ihre Arbeiten auf fast lyrische Weise „Lichtabdrücke des Lebens“ – und so ist ihre  Ausstellung im lichtdurchfluteten Alten Schlachthaus besonders gut aufgehoben und gleichzeitig der Auftakt zu  einem auch in diesem Jahr vielfältigen Mosbacher Programm des Kunstvereins. Wie bereits im Vorjahr  begonnen wird es – wie auch in Buchen – von verschiedenen Kuratoren aus dem künstlerischen Beirat des Vereins betreut werden wird. Neben Werner Zeh werden im Alten Schlachthaus Thomas Hohlfeld und Ulrike Thiele als Ausstellungskuratoren wirken. Malerei und Zeichnung, Objektkunst, Mulitmedia, Bildhauerei, Fotografie – die Spannbreite wird groß sein und das Programm verspricht, dass der Kunstverein Neckar-Odenwald seinem Ruf als einem der bedeutendsten Kunstvermittler der Region weiterhin gerecht werden wird.

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Christa Wirth im Alten Schlachthaus. (Foto: privat)

Info: Christa Wirth – Hier und da und anderswo, Malerei, Vernissage am Sonntag, dem 22. April, 11 Uhr, Altes Schlachthaus Mosbach, Dauer der Ausstellung: 22. April bis 3. Juni,  Öffnungszeiten: Do, Sa, So und an Feiertagen von 14 – 18 Uhr, www.kunstverein-neckar-odenwald.de

 

 

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