Ode an ein Internetcafé

von Jarmila Manko

Mudau. Schon wieder das Hick Hack wegen Internet! Der Einwand meines Mannes ‚Brauchst du nicht, lohnt sich nicht!’ ist für mich kein brauchbares Argument.

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Wenn ich einige Tage im Atelier verbringe, heißt es noch lange nicht, dass ich von der Welt abgeschnitten sein muss. Es ist schön, am Waldrand einer kleinen Gemeinde kreativ zu arbeiten, aber ich habe schließlich auch geschäftliche Verbindungen und Netzwerke zu pflegen.


An einem Morgen, wie immer, wenn ich im Atelier bin,  machte ich eine ausgedehnte Wanderung durch den Wald,  beflügelt von kreativen Gedanken, inspiriert durch die erwachte  Natur. In solchen Augenblicken vergesse ich die Zeit, die Welt, nicht den Hunger.

Ja, ich hole mir etwas im Ort, dachte ich und lenkte meine Schritte ins Tal. An den ersten Häusern vorbei laufend, war ich erstaunt, was sich alles verändert hatte, seitdem ich umgezogen bin! Ein neues Baugebiet mit den glänzenden Solardächern lädt mich zum Erkunden ein.  Ich erkenne die Anbauten und Umbauten im Ortskern. An der Stelle der abgerissenen Gastwirtschaft, die vor Jahren einer neuen Umgehungsstraße weichen musste, ist heute ein Café. Mal schauen. Zu welcher Veranstaltung lädt mich das Plakat an der Tür ein? Ein Theaterstück in der Odenwaldhalle. Mein Terminplan vor Augen, wusste ich, da sind wir in Hamburg. Schade! Weiter geht’s, dachte ich und im selben Augenblick sah ich vier große Buchstaben, die mich spontan zurückhielten: WLAN für unsere Gäste stand in grauen Buchstaben an der Tür. Und das Café hat in der Gottesfrühe schon offen? Na das ist was! Wie in der Stadt, dachte ich überrascht und betrat das Café, um nach den Konditionen für die Internetnutzung zu fragen.


Einen Gast bemerkte ich hinter einer Tageszeitung, als ich nach Bedienung Ausschau hielt.  Die Zeitung bewegte sich und ein Männerkopf drehte sich in meine Richtung. Das ist doch… der Künstler, mit dem ich mich seit langer Zeit treffen wollte, etliche Emails tauschte. Wir hatten sogar einen Termin im Atelier vereinbart, der jedoch geplatzt ist, wegen der schrecklichen Kälte des letzten Winters. Eine solche erste Begegnung würde ein Außenstehender nicht vermuten. Ein Gespräch, spontan und lebhaft, frisch und neugierig  entwickelte sich an dem runden Tisch des gemütlichen Cafés, das sich inzwischen mit Frühstücksgästen füllte. Welch eine angenehme Abwechslung der alltäglichen Kommunikation per Internet, Telefon oder per Skype!

Ich vergaß den Hunger, die Frage nach dem Internet und fast meinen Geschäftstermin.

Ich freue mich schon, heute Abend meinem Mann Recht zu geben. „Ja, Liebster, ich brauche wirklich keinen Internetanschluss im Atelier. In Mudau habe ich ein Internet-Café gefunden“. Wir sollten öfters Freunde zu uns einladen, dachte ich dabei, mit Freude auf neue Begegnungen.

Infos im Internet:

www.jarmilamanko.com

© www.NOKZEIT.de


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