Bürgerbeteiligung bei Wasserversorgung

von Liane Merkle

Seckach. Wie bereits bei anderen Projekten erfolgreich praktiziert, will die Gemeinde Seckach die Bürgerschaft auch bei der geplanten Umsetzung der neuen Wasserversorgungskonzeption mit ins Boot holen. Aus diesem Grund beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung unter der Leitung von Bürgermeister Thomas Ludwig, eine weitere Gemeinderatssitzung am Montag, 21. Mai in der Seckachtalhalle durchzuführen, wo für die Bürger die Möglichkeit besteht, nach der erneuten Vorstellung der Varianten und noch vor der Beschlussfassung ihre Fragen und Anregungen vorzubringen.

Zur Diskussion und Beschlussfassung stehen bei der ersten gesamtgemeindlichen Wasserversorgungskonzeption die von dem Ing. Büro Fritz-Planung aus Bad Urach ermittelten Variantenuntersuchungen mit getrennten Kostenermittlungen. In der Sitzung anwesend war Ing. Dr. Eduard Laiber, der die Varianten und die dazu jeweils notwendigen Bauwerke vorstellte. Insgesamt vier Möglichkeiten stehen dabei zur Beratung und zwar 1. Mischwasser Großeicholzheim und Zimmern, Bodenseewasser für Seckach, 2. 100% Bodenseewasser für alle drei Ortsteile, 3. Mischwasser für die Gesamtgemeinde mit Einbeziehung des Tiefbrunnens ,,Kohlplatte“ in Großeicholzheim und des Tiefbrunnens „Am Schlierbach“ in Zimmern, 4. Neubau eines zentralen Hochbehälters „Talberg“ für Seckach und Zimmern mit Mischwassereinspeisung über den Hochbehälter „Mutschere“ und Stilllegung des Tiefbrunnens „Am Schlierbach“. Die ermittelten Gesamtkosten der einzelnen Varianten liegen zwischen 4,85 und 5,97 Mio. Euro, wobei sich die Bauzeit in Etappen auf ca. 6 Jahre verteilen würde. Bei Erhalt einer 80%-igen Förderung würde der Eigenanteil der Gemeinde Seckach je nach Variante zwischen 1,44 und 2,71 Mio. Euro liegen, was eine Erhöhung des Wasserpreises je nach Variante zwischen 0,84 und 1,40 Euro je Kubikmeter verursachen würde. Die beste Förderung wäre mit der Variante 7 zu bekommen, die mit Gesamtkosten von 5,88 Mio. Euro die Gemeinde letztlich „nur“ 1,44 Mio. kosten würde.


Unzufrieden mit dieser Möglichkeit zeigte sich lediglich der Ortsteil Zimmern, vertreten durch Ortsvorsteher Josef Ackermann und Gemeinderat Helmut Kohler, weil die Zimmerner möglichst nicht auf „ihre“ Quelle verzichten möchten. Zur Wahrung des Ortsfriedens und aus Wirtschaftlichkeitsgründen bezgl. der Gesamtkonzeption empfahl und appellierte Bürgermeister Ludwig, die genannten Einwände aus Zimmern noch einmal zu überdenken und zu einer vernünftigen und einvernehmlichen Lösung zugunsten einer zukunftsfähigen Wasserversorgung – auch in Zimmern – zu kommen.

Die seit Jahren andauernden Bemühungen, das ehemalige Empfangsgebäude des Seckacher Bahnhofes wieder einer adäquaten Nutzung zuzuführen, tragen nun offenbar Früchte. Bürgermeister Ludwig: ,,Neben konkreten Fortschritten bei der Suche nach Investoren und Nutzern haben sich auch die Randbedingungen deutlich verbessert. Das benachbarte Bahnhofsgelände geht erkennbar positiven Entwicklungen entgegen, die Modernisierung des gegenüber liegenden denkmalgeschützten Gebäudes Bahnhofstraße 23 geht dem Ende entgegen und dem Aufstockungsantrag wurde mit der Bewilligung einer weiteren Finanzhilfe in Höhe von 600.000 Euro teilweise entsprochen“.

Nach konkretem Interesse von möglichen Betreibern könne man sich derzeit folgende Nutzung des Empfangsgebäudes vorstellen: Im Erdgeschoss eine gastronomische Nutzung und eine Bäckereifiliale mit Stehcafe, verbunden mit einem Aufenthaltsbereich für Bahnreisende und einer Toilettenanlage, Büroräume für ein Architekturbüro im Obergeschoss und eine Wohnnutzung, zum einen für den Betreiber der Gaststätte und/oder eine Erweiterung für weitere Büroräume. Der Gemeinderat beschloss nun, die Dreger Architektur aus Aschaffenburg  mit einer Projektstudie für den Bahnhof Seckach zu beauftragen.

Carsten Eckert und sein Kollege Mayer vertraten die Immobiliengruppe in der Sitzung, versicherten, an einer langfristigen Geschäftsverbindung interessiert zu sein, und stellten die Inhalte der Projektentwicklung vor, die sich aus der Grundlagenermittlung, der Ermittlung von immobilienwirtschaftlichen Grundlagen, Vorplanung und allgemeinen Nebenkosten zusammensetzt. Als Honorar für „bodenständige Arbeit“ sieht man dabei 15.172 Euro und eine Bonuszahlung (nach Vertragsabschlüssen) von 12.197 Euro vor. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir waren auch noch nie so weit wie jetzt“, freute sich der Bürgermeister.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde beschlossen, die Unterhaltsreinigungsleistungen im Hallenbad für das Foyer, die Toiletten im Foyer, den Föhngang, die Umkleidekabinen inklusive der Spinde und der Duschen an die Firma Blank, aus Unterpleichfeld für monatlich 1.375 Euro zu vergeben.

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Festgelegt wurde auch die Kaltmiete für das zurzeit im Rahmen der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme ,,Ortsmitte Seckach II“ einer Generalsanierung unterzogene gemeindeeigene Wohnhaus. Die Wohnungen in Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss haben alle eine Größe von 73 qm und die Dachgeschosswohnung umfasst 67 qm zzgl. jeweils ein Abstellraum im Erdgeschoss. Die Miete je Quadratmeter wird 5,50 Euro betragen.

Nach dem Willen des Gemeinderates tritt die Gemeinde dem noch zu gründenden Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis als Mitglied bei. Als Grundlage hierfür gilt die Tatsache, dass sich der Landkreis dazu entschlossen hat, gemeinsam mit den Städten und Gemeinden einen solchen Verband zu gründen. Bürgermeister Ludwig: „Die Verwaltung sieht im Beitritt der Gemeinde Seckach eine große Chance für die Erhaltung, Pflege und Gestaltung unserer Kulturlandschaften“. Die eigentlichen Maßnahmen der Landschaftspflege und –erhaltung sowie der Biotopvernetzung werden durch das Land Baden-Württemberg und die Europäische Union mit Mitteln bis zu 100% gefördert.

Nachdem man auch der Wahl von Hildegund Kort zur stellvertretenden Abteilungskommandantin bei der Abteilungswehr Großeicholzheim zugestimmt hatte, ging es abschließend der umfangreichen öffentlichen Sitzung um die Annahme von Spenden. Hierbei stimmte man der Annahme von insgesamt 2.605 Euro zu, die sich auf das Feuerwehrwesen, die Spielelandschaft an der Grundschule Großeicholzheim und den Kindergarten in Großeicholzheim aufteilen.

Ein Anwohner Nähe Tenne beschwert sich in der Bürgerfragestunde über das Benehmen einiger Tenne-Mieter, die ihn nicht nur zuparken, sondern auch zu Nacht schlafender Zeit deutlich über die Stränge schlagen und Drohungen aussprechen. Solche Ausschreitungen will die Gemeinde künftig vertragsmäßig vermeiden. Des weiteren sollen Lärmbelästigungen vom neuen Spielplatz von vorne herein unterbunden werden, denn wie Bürgermeister Ludwig betonte, wolle man ein friedliches und gut nachbarschaftliches Verhältnis.


Unter anderem folgende Bekanntgaben waren Thomas Ludwig wichtig: Das Gelöbnis mit Standortbiwak in der Nibelungenkaserne Walldürn am Sa., 12. Mai ab 10 Uhr. Die nächste öffentliche Gemeinderatsitzung am Mo., 21. Mai um 19.00 Uhr in der Seckachtalhalle, in der auch das Thema „Gesplittete Abwassergebühr“ vorgestellt wird. Der traditionelle Tag der Umwelt mit der Patenschaftseinheit am Mi., 23.05. mit den Großeicholzheimer Kindergartenkindern. Außerdem die Erörterung der eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen zur Transversale im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vom RP Karlsruhe, die für Mo., 18. Juni ab 10 Uhr in der Baulandhalle Osterburken angesetzt ist. Des Weiteren das örtliche Bahnhofsfest unter dem Motto „Bahnhofs(t)räume“ am Sa., 21. Juli von 10 – 18 Uhr mit Spatenstich „Umgestaltung Bahnhofstraße“, Übergabe des renovierten ehem. Eisenbahnerwohnhauses „Bahnhofstraße 23“ und der Taufe eines S-Bahnfahrzeugs der S-Bahn RheinNeckar auf den Namen „Seckach“; dazu ein breites Informationsangebot rund um das Thema Mobilität und zum Bahnhof Seckach selbst.

Positives gab es auch in Sachen Werkrealschule zu berichten, weil zum einen für die 5. Klasse des nächsten Schuljahres an den Standorten Billigheim 27 und Seckach: 23, Anmeldungen vorliegen, die 10. Klasse zustande kommt und ab dem kommenden Schuljahr 2012/ 13 alle drei Standorte im Ganztagsbetrieb geführt werden. Abschließend machte der Bürgermeister noch einmal Werbung für die Umfrage des Arbeitskreises Wirtschaft „Sprinter oder Halbstundentakt“, bei der bisher schon über 40 Rückantworten eingegangen und weitere Einsendungen noch bis 6. Mai unter der E-Mailadresse: akwirtschaft@seckach.de möglich sind.

500 Bahnhof
Der Bahnhof in Seckach. (Foto: Liane Merkle)

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