Geheimnisvoll wie Spuren im Schnee

Arbeiten von Ellis Neu im Buchener Kulturforum

(Foto: privat)

Buchen. „ … und weiß“ – so lakonisch ist die Ausstellung mit Arbeiten der Heidelberger Künstlerin Ellis Neu betitelt, die am kommenden Sonntag um 11 Uhr im Buchener Kulturforum Vis-à-Vis eröffnet wird.

„Geheimnisvoll wie Spuren im Schnee“ sind ihre Arbeiten, das verspricht die Malerin und Objektkünstlerin aus Heidelberg. Und sie verspricht nicht zu viel, denn ihre Arbeiten sind subtil, rätselvoll, für Deutungen offen, an Intuition und  Fühlen appellierend. In diesen Werken vermählt sich aus archaischen Räumen Herüberklingendes mit der modernen Sprache von Dada und Minimal Art – eine unverwechselbare und äußerst reizvolle Mischung. Ölbilder, Zeichnungen und Objekte präsentieren uns hier eine Erforscherin der Ausdrucksformen prähistorischer oder alter und indigener Kulturen, hier ganz besonders der der Inuit.

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Während zahlreicher Aufenthalte in der kanadischen Provinz Québec hat sich die Nähe zur Kultur der Inuit – die früher übliche Benennung „Eskimo“ soll ja nicht mehr benutzt werden – weiter vertieft. Die Welten dieser im hohen Norden lebenden Menschen inspirieren Ellis Neus Arbeiten auf vielfältige Weise. Da tauchen in ihren Gemälden die „unendlichen weißen Weiten des Nordens“auf, die Objektinstallationen gemahnen an die „Schwärme von Walen“, die jetzt, in der Frühlingszeit, den Sankt Lorenz Strom bevölkern, der Inuit-Kultur entlehnte Formen tauchen in ihren kleinen Arbeiten und Assemblagen auf. Immer aber werden diese kulturellen Impulse in eine eigenständige künstlerische Sprache transformiert – die Klippen von Verklärung oder Historisierung werden sicher umschifft.

„Ellis Neu hat Linguistik, Anglistik und Romanistik studiert. Das Spannungsfeld von Bild- und Schrift, wie es sich in archaischen Zeichensystemen manifestiert, hat sie schon früh fasziniert,“ dies schrieb Hans Gercke, der langjährige Direktor des Heidelberger Kunstvereins. Einerseits also eine Frau des Wortes, der Sprachen, die auf der anderen Seite tief fasziniert ist von einer Kultur, die traditionell ohne Schrift auskommt – zumindest ohne das, was wir gemeinhin als Schrift ansehen. Fast zwangsläufig wird sie ganz besonders vom „Weiß“ angezogen, der rätselhaften Nicht-Farbe, die sich stets zurücknimmt, um perfekte Grundlage für die Welten der der Zeichen zu sein und alles, was sich aus ihnen entwickeln – einschließlich der kodifizierten Schriftzeichen.
Obwohl Ellis Neu eine Forscherin mit den Mitteln der Kunst ist, ihre Forschungsergebnisse sind weit davon entfernt, trockenem Akademismus auszustrahlen. Die Ergebnisse, die sie uns zeigt, sind voller Lebendigkeit, Bewegtheit, steter Frische! Ihre Ästhetik dehnt sich in einem Raum aus, dessen Dimensionen von Leuchttürmen wie Christian Boltanski und Cy Twombly defniniert werden, auch darüber hinaus, denn Ellis Neu ist eine im wahren Sinne „originelle“ Künstlerin.

Die Kunsthistorikerin Susanne Himmelheber, die auch am Sonntag zur Einführung sprechen wird, resümierte: „Der Versuch, die Vielfalt der äußeren und der inneren Welt in spielerischen und zugleich strengen Kompositionen zu ordnen, das kennzeichnet den heiteren Ernst der Arbeiten von Ellis Neu.“

Der Kunstverein Neckar-Odenwald bleibt sich mit dieser Ausstellung, die bis zum 10. Juni zu sehen sein wird, auf doppelte Weise treu: er gibt einer künstlerischen Stimme der weiteren Region Raum und diese Stimme ist auf wohltuend herausfordernde Weise von großer Eigenständigkeit. Und er verfolgt weiter sein neues Konzept, die Kuratorenschaft für die Vielzahl seiner Ausstellungen auf mehrere Schultern zu verteilen –  „ …und weiß“ wird von der Künstlerin Ursula Drenker betreut.
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Info:
Ellis Neu: „ … und weiß“, Malerei, Zeichnung, Objekte, 6. Mai bis 10. Juni
Kulturforum Vis-à-Vis der Stadt Buchen, Kellereistraße 23, 74722 Buchen
Vernissage am Sonntag, dem 6. Mai, 11 Uhr
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-17 Uhr, So 14-17 Uhr,

Infos im Internet:
www.kunstverein-neckar-odenwald.de

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