„Lebenswirklichkeit hat uns eingeholt“

Jugendhilfeausschuss tagte in Schefflenz

Schefflenz. Zum wiederholten Mal war das Schefflenzer Rathaus und damit Bürgermeister Rainer Houck Gastgeber eines Kreistagsausschusses. Diesmal tagte dort der Jugendhilfeausschuss und Landrat Dr. Achim Brötel, der die Sitzung leitete, eröffnete gleich nach der kurzen Begrüßung des Bürgermeisters die Tagesordnung mit einem Bericht über den Kreisjugendring (KJR) Neckar-Odenwald e.V.

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Dazu bat er Marcus Wildner nach vorne, der als erster Vorsitzender eine Präsentation zur Arbeit des Kreisjugendrings vorbereitet hatte. Dieser bereits 1950 gegründete Dachverband vertritt nach eigenen Angaben 15 Jugendverbände unterschiedlichster Zielrichtungen mit über 40.000 Jugendlichen. „Wir sind die gesellschaftspolitisch verantwortliche Vertretung der Jugend im Kreis“, betonte der Vorsitzende, der die Aufgaben des KJR insbesondere im Bereich Vernetzung der Mitgliedsverbände und in der Jugendarbeit ganz allgemein sieht samt Organisation verschiedener Veranstaltungen und Fortbildungen. „Uns liegt die gute und fundierte Ausbildung Ehrenamtlicher am Herzen, außerdem die Weiterbildung und der Austausch sowie die Unterstützung und Mitarbeit bei neuen und besonderen Aktionen für die Jugend und die jungen Erwachsenen im Kreis“, erklärte Wildner, der insbesondere auch auf die Verwendung von Geldern einging, die der KJR zur Förderung seiner Arbeit vom Landkreis erhält und zu großen Teilen an die Mitgliedsverbände weiterleitet. Ganz grundsätzlich regte Reinhardt Löhlein von der Diakonie Mosbach an, die Arbeit des KJR besser und enger mit der offenen Jugendarbeit zu vernetzen.


Der „Pakt für Familien mit Kindern“, den die Landesregierung mit den Kommunalen Landesverbänden geschlossen hat, bzw. dessen bisherige Umsetzung im Neckar-Odenwald-Kreis stand im Mittelpunkt des nächsten Tagesordnungspunktes. Dabei nahm der Landrat insbesondere Bezug auf die Kleinkindbetreuung und die Schulsozialarbeit. „Bei beiden Themen ist ein großer Wurf gelungen“, betonte Dr. Brötel. Hinsichtlich der Kleinkindbetreuung sieht er dem Stichtag 1. August 2013 – ab diesem Datum besteht ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren –  gelassen entgegen: „Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, haben die Kommunen in den letzten Jahren mit der Schaffung flexibler Betreuungsmodelle sehr viel geleistet.“ Ein Lob, das später auch einige Ausschussmitglieder ausdrücklich in Richtung Bürgermeister und Gemeinderäte verteilten. Aber auch der Landkreis fördert den Ausbau speziell der Tagespflege, in dem er die jetzt erhöhte Landesförderung unter anderem an den Tagesmütterverein weiterleitet, um das bestehende Angebot zu erweitern.

Wie groß der Bedarf an qualifizierter Schulsozialarbeit im Kreis ist, scheint mittlerweile überall angekommen zu sein. „Auch im Ländlichen Raum hat uns die Lebenswirklichkeit schon lange eingeholt“, so Dr. Brötel. Dank des Wiedereinstiegs des Landes in die Kostenbeteiligung ab 2012 werde „das Kostenargument der Kommunen um zwei Drittel schwächer“. Denn neben der Förderung durch das Land will sich auch der Landkreis an den entstehenden Personalkosten für neu einzustellende Schulsozialarbeiterinnen und –arbeiter beteiligen. Lediglich ein Drittel des Aufwands muss dann noch von den Kommunen finanziert werden. „Vor diesem Hintergrund hoffen wir auf ein noch regeres Interesse, als wir es jetzt schon registriert haben“, erklärte der Landrat.


Noch einmal stand in der Folge die Kindertagespflege im Mittelpunkt. Hier ging es vor allem um den „oft kritisierten“ weil sehr niedrigen Stundensatz, der die Arbeit einer Tagesmutter zumindest finanziell häufig  uninteressant gemacht hat. Einstimmig schloss sich der Ausschuss den gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände und damit auch der Empfehlung des Landrates an, die die Erhöhung des Stundensatzes auf 5,50 Euro für Kinder unter drei Jahren vorsieht und die Erhöhung auf 4,50 Euro für Kinder über drei Jahren. Diese Regelung soll ab dem 1. Mai rückwirkend gelten. „Das ist ein weiterer Baustein, um hier das Angebot voran zu bringen“, zeigte sich Dr. Brötel überzeugt. Der im Rahmen des nächsten Tagesordnungspunktes, bei dem den Ausschussmitgliedern Zahlen und Fakten zu den aktuell tatsächlich zur Verfügung stehenden  Betreuungsmöglichkeiten für Kinder geliefert wurden, einmal mehr die Entwicklung der letzten Jahre lobte: „An den uns vorliegenden Zahlen sieht man, wie enorm viel sich hinsichtlich der Betreuungsangebote kreisweit getan hat. Und die Entwicklung geht weiter. Dafür danke ich den kommunalen und kirchlichen Trägern. Wir hängen hier nicht an starren Quoten, sondern orientieren uns am tatsächlichen Bedarf. So muss Politik auch funktionieren.“ Jens Wittmann aus Fahrenbach stimmte dem aus dem Blickwinkel eines Bürgermeisters zu: „Wenn wir als Gemeinde attraktiv sein wollen, dann müssen wir unseren Familien diese flexiblen Betreuungsmodelle bieten können.“

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